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: Die neue UMTS-Welt kommt näher

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Wer schon eines Besseren belehrt wurde, als er vor zehn, 15 Jahren rundweg bezweifelte, daß jemals Menschen mit einem Telefon am Ohr und laut vor sich hin redend durch eine Fußgängerzone stolzieren würden, sollte jetzt vorsichtig sein.

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          Wer schon eines Besseren belehrt wurde, als er vor zehn, 15 Jahren rundweg bezweifelte, daß jemals Menschen mit einem Telefon am Ohr und laut vor sich hin redend durch eine Fußgängerzone stolzieren würden, sollte jetzt vorsichtig sein. Auch wer niemals glauben mochte, daß es eines Tages Mode werden könnte, meist unwichtige Nachrichten Buchstabe für Buchstabe und in verstümmeltem Deutsch über eine Telefontastatur mit Ziffern einzugeben und dies dann auch noch jemand anders zuzumuten, sollte keine abermalige Prognose wagen.

          Die Annahme, die neuen UMTS-Handys, die noch 2003 auf den Markt kommen sollen, würden schon deshalb ein Flop, weil es kein Mensch nötig hat, beim Telefon seinem Gegenüber auch noch in die Augen zu schauen, und weil es schlicht überflüssig ist, beim Restaurantbesuch via Mobilfunk auch noch Weltnachrichten nachzulesen oder ausgerechnet in der Straßenbahn ein Computerspiel zu testen, könnte sich als der nächste Irrtum erweisen. Noch haben wenigstens die jungen Menschen jedes neue Angebot begeistert aufgenommen, und so dürfen sich wohl die Wegbereiter der neuen UMTS-Welt, die nach langem Anlauf nun Wirklichkeit werden soll, mit einem gewissen Recht zuversichtlich geben.

          In Ballungsräumen wie dem Rhein-Main-Gebiet ist schon alles bereit. In Frankfurt hat allein T-Mobile 62 Antennen aufgestellt. Bis zum Jahresende sollen es 150 sein - plaziert in der Regel dort, wo schon Masten für die herkömmliche Handy-Technik stehen. In Wiesbaden wird die Telekom-Tochter bis Dezember 40 Antennen errichten, auch in Mainz, Darmstadt, Offenbach und Hanau gehen die Arbeiten voran. Weil die Antennen höchstens 600 Meter weit senden und meist in den Innenstädten stehen - in Frankfurt auch am Flughafen und an der Messe -, wird selbst in den Städten im nächsten Jahr noch nicht die Rede davon sein, daß die UMTS-Verbindung überall klappt. Wesentlich dünner aber ist das Netz außerhalb der großen Orte. Im Taunus will T-Mobile zwar einige Masten unter anderem in Bad Homburg, Kronberg und Eschborn aufstellen, doch von Königstein oder gar, weiter draußen, Niedernhausen, ist keineswegs die Rede.

          Ob und in welchem Tempo das Netz von T-Mobile, Vodaphone, E-Plus und O2 ausgebaut wird, hängt von der Nachfrage ab. Die Politiker haben lediglich verlangt, bis 2005 müsse die Hälfte der Bevölkerung via UMTS erreichbar sein, was sich leicht allein durch die Erschließung der Ballungsräume erreichen läßt.

          Die Handy-Zukunft lockt mit allerlei neuen Möglichkeiten. Nur für Telefongespräche wären die UMTS-Geräte nicht nötig. Interessant werden sie erst dann, wenn größere Datenmengen übertragen werden, zum Beispiel für Fotos und erst recht für bewegte Bilder. UMTS schlägt selbst die Geschwindigkeit der ISDN-Technik, die beim Internet zunehmend verwendet wird, um Längen. So soll es eben künftig möglich sein, mit dem Handy zu filmen und dies live zu senden - sei es das eigene Konterfei beim Gespräch, sei es eine Aufnahme vom Strand, um die Daheimgebliebenen neidisch zu machen. Vorerst setzen die Unternehmen freilich weniger auf die verspielte Jugend als vielmehr auf Geschäftskunden, die via UMTS zum Beispiel ins Internet oder Intranet ihres Unternehmens gehen oder ihre E-Mails lesen können.

          Ob dies alles funktioniert, ist indes bisher ebensowenig vorhersehbar wie der Kostenaufwand. Ein T-Mobile-Sprecher vermutet, für die neuen Handys werde wohl etwa soviel verlangt werden wie für ein herkömmliches Spitzengerät, also mit Vertragsbindung an einen der Mobilfunkbetreiber 200 bis 250 Euro. Die Gebühren für die Übertragung der Daten - der Begriff der "Telefongebühr" verbietet sich angesichts der Möglichkeiten, auch Bilder und sonstwas zu empfangen - sollen so hoch sein wie für die herkömmlichen Handys neuerer Bauart, mit denen sich auch schon Schnappschüsse aufnehmen und verschicken lassen. Allerdings: Während sich die Kosten bisher vor allem danach richten, wie lange die Verbindung steht, geht es künftig um die übertragene Datenmenge. Wer daher meint, via Handy ein Fußballspiel verfolgen zu müssen, dürfte anschließend über die Rechnung nicht schlecht staunen.

          Die Frage, wie gefährlich die Strahlen sind, ist für die meisten überhaupt kein Thema, während einige sich um so größere Sorgen machen. Die Proteste haben aber nach Angaben von T-Mobile den Aufbau des Netzes bisher nicht behindert. Selbstredend weist das Unternehmen darauf hin, daß alles sicher sei. Wo die einzelnen Masten stehen - nicht alle lassen sich bei einem Blick aufs Dach entdecken -, wird dennoch nicht genau verraten. Weil jemand, der sein Dach dafür vermiete, 2000 bis 4000 Euro im Jahr bekomme, seien die Datenschützer davor, heißt es - schließlich sei das Einkommen Privatsache. Es hat aber natürlich auch den Vorteil, daß sich Nachbarn nicht unnötig viele Gedanken machen. MANFRED KÖHLER

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