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Wettlizenzen : Die neue Offenheit der Sportwetten-Anbieter

Anstoßpunkt: einer von 230 Shops von Tipico in Rhein-Main Bild: Waldner, Amadeus

Vor der geplanten Vergabe der Lizenzen für Sportwetten im Herbst melden sich private Anbieter zum Thema Steuern zu Wort. Der neue Branchenverband gesteht ein Informationsdefizit ein. Und Tipico baut sein Büro in Frankfurt aus.

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          Sie setzen Milliarden in Hessen und den anderen Bundesländern um, doch befinden sich die privaten Sportwettenanbieter bisher in der Grauzone. Ohne dass ihre Kunden dies nennenswert kümmerte, spielen sie Wetten ohne staatliche Lizenz aus. Dies soll sich aber noch in diesem Jahr ändern. 20 Anbieter sollen eine Konzession erhalten - das in dieser Angelegenheit bundesweit federführende hessische Innenministerium bereitet die im Glücksspielstaatsvertrag vorgesehene Vergabe derzeit vor. Gleichzeitig übt sich die bisher undurchsichtige und ziemlich verschwiegene Sportwettenbranche in neuer Offenheit.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zehn Anbieter haben vor wenigen Wochen den Deutschen Sportwettenverband gegründet. „Es gibt ein Informationsdefizit“, gesteht Hauptgeschäftsführer Luka Andric und kündigt Abhilfe an. Gleichzeitig baut die deutsche Landesgesellschaft des auf Malta ansässigen Anbieters Tipico ihr Frankfurter Büro aus - und spricht ausführlich über das sensible Thema Wettsteuern. Christian Gruber ist als Geschäftsführer das neue Gesicht von Tipico Deutschland. Bevor er das Amt antrat, sprach er für den 1. FC Kaiserslautern und zuvor für den VfL Bochum. Tipico zählt zu den ganz Großen der Wettbranche. Allein in der Rhein-Main-Region verfügt das Unternehmen über 230 Wettshops, die von Franchisenehmern betrieben werden; bundesweit sind es 850. Zudem ist die Firma auch im Internet vertreten, das für die Branche ein wesentlicher Vertriebskanal ist.

          188 Millionen Euro Sportwettensteuer in 2013

          Ihr Geschäft floriert - einen anderen Schluss lassen die von Gruber genannten Zahlen nicht zu. Allein in Deutschland setzt Tipico im Jahr zwei Milliarden Euro um, verteilt auf eine Milliarde Wettscheine. Rein rechnerisch setzt ein Tipper mithin im Durchschnitt zwei Euro je Wette. Dabei fällt auch für Staat und Gesellschaft eine erkleckliche Summe ab. Wie Gruber sagt, hat Tipico in Deutschland im vergangenen Jahr 125 Millionen Euro an Wettsteuern gezahlt. Diese Offenheit mag schon deshalb überraschen, weil die Firma das Steuergeheimnis für sich in Anspruch nehmen könnte - sie muss die Summe nicht nennen. Allerdings kontert sie damit anderslautende Angaben, die von dritter Seite gestreut werden.

          So hat sich der Deutsche Sportwettenverband gemeinsam mit der European Gaming und Betting Association erst im Juli bei der bayerischen Lotterieverwaltung beklagt. Und zwar mit der Begründung, der Münchner Lotto-Präsident habe den Vorwurf erhoben, private Anbieter zahlten hierzulande keine Steuern. Dabei seien die Wettsteuern unabhängig von der Lizenzvergabe zu zahlen - und zwar schon seit Juli 2012. Seitdem gilt der neue Glücksspielstaatsvertrag. Wie die beiden Verbände weiter ausführen, seien 2013 bundesweit 188,7 Millionen Euro Sportwettensteuern gezahlt worden, auf den staatlichen Anbieter Oddset seien davon nur 6,7 Millionen Euro entfallen, umgerechnet 3,5 Prozent.

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