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Wettlizenzen : Die neue Offenheit der Sportwetten-Anbieter

Renn- und Wettsteuer wird gesenkt

Diese Zahl verdeutlicht, wie klein die Oddset-Rolle auf dem Sportwettenmarkt seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom März 2006 geworden ist. Mit jenem Urteil erklärten die Richter das staatliche Sportwettenmonopol in seiner damaligen Ausgestaltung für verfassungswidrig. Es sei nur haltbar, wenn sich der Staat mehr für Spielsuchtprävention einsetze, hieß es. In der Folge verlor Oddset mehr und mehr Marktanteile an private Anbieter, die ein Wettlokal nach dem anderen eröffneten; zudem durfte der staatliche Anbieter lange Zeit im Internet keine Wetten anbieten.

Mit der Lizenzvergabe wollen die Bundesländer den Markt neu regulieren und ordnen. Zu diesem Zweck haben sie die vormals auf 16,6 Prozent des Umsatzes festgesetzte Renn- und Wettsteuer auf fünf Prozent gesenkt und anders als früher Online-Wettanbieter eingeschlossen. Allerdings sind die Privaten mit diesem Steuersatz nicht zufrieden. Als deutlich zu hoch bezeichnet zum Beispiel Karin Klein, bei Bwin zuständig für Regulierungsfragen, diese Quote.

Der Grund: Die Privaten schütten regelmäßig 90 Prozent ihrer Einnahmen an die Tipper wieder aus, die an diese Quote gewöhnt sind. Bei Live-Wetten seien es sogar mehr, sagt Klein. Wenn fünf Prozent vom Umsatz zu entrichten sind, bleibt kaum etwas in der Kasse des Anbieters, der aber seine Kosten decken und die Aktionäre zufriedenstellen muss: Bwin ist börsennotiert und dort zuletzt auf Talfahrt gewesen.

Tipico testet seine Shops auf Jugendschutz

Angesichts dessen plädiert Klein dafür, nicht den Umsatz zu besteuern, sondern den Bruttorohertrag. Das ist das Geld, das nach der Ausschüttung an Tipper bei Bwin verbleibt. Zehn Prozent vom Bruttorohertrag wären „marktkonform“, während fünf Prozent vom Umsatz umgerechnet 62,5 Prozent vom Bruttorohertrag seien. Dänemark nehme 20 Prozent. Mit ihrer Kritik steht sie nicht allein. Gruber sagt: „Eine Zehn-Prozent-Regelung auf den Rohertrag wäre auch aus Sicht von Tipico eine sehr gute Lösung.“

Derzeit steht jedoch die Lizenzvergabe im Blickpunkt. Dass dieses Ereignis aber den Schlusspunkt hinter das Verfahren setzen wird, zweifeln nicht nur private Anbieter an. Vielmehr geht etwa der Chef von Lotto Hessen davon aus, dass unterlegene Wettanbieter umgehend klagen werden. Als Folge droht ein jahrelanger Rechtsstreit vor den Verwaltungsgerichten. Deshalb ist in der Wettbranche von einer „Mission impossible“ für das Innenministerium die Rede. Um dergleichen zu vermeiden, plädiert die FDP im Landtag für eine Abkehr von der starren Zahl von 20 Lizenzen. Anbieter sollten vielmehr danach beurteilt werden, ob sie Vorgaben zum Spielerschutz erfüllten, heißt es.

Mit Blick auf den Jugendschutz hebt Geschäftsführer Gruber hervor, Tipico schicke regelmäßig Tester in seine Partnershops. In vier von fünf Fällen hielten die Betreiber sich an die Vorgaben - Tendenz steigend. Bwin arbeitet laut Klein mit der Havard Medical School zum Thema Spielsuchtprävention zusammen. Nach einer Studie, die dieser Zeitung vorliegt, setzt die überwiegende Mehrheit der Kunden online nur kleine Beträge ein. Dass Online-Angebote eine „starke verführerische Kraft“ auf Spieler ausübten, sei nur ein Mythos.

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