https://www.faz.net/-gzg-9ah33

„Totgesagte leben länger“ : Die Deutsche Bank, der Stellenabbau und die Eintracht

Stellt sich den Aktionären: der neue Deutsche-Bank-Chef Sewing Bild: EPA

Die Deutsche Bank sei heute „stabiler und sicherer, als sie es in den vergangenen zwei Jahrzehnten je war“ - das meint der neue Chef. Den gerade angekündigten Stellenabbau nennt er aber unvermeidlich. Auch die Eintracht ist ein Thema.

          Schon wenige Wochen nach seinem Amtsantritt zieht der neue Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Christian Sewing, die Zügel an. Auf der laufenden Hauptversammlung des Konzerns sagte der neue Chef, im Zuge eines Kostensenkungsprogramms würde die Zahl der Vollzeitstellen in dem Haus bis Ende 2019 von derzeit 97.000 auf dann „deutlich unter 90.000 Mitarbeiter fallen“. Sewing, der am 8. April als Nachfolger von John Cryan zum Vorstandschef der größten Bank des Landes ernannt wurde, sagte, die Bank sei dem eigenen Anspruch zuletzt nicht immer gerecht geworden.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Nettoverlust in Höhe von 735 Millionen Euro aus dem Jahr 2017 sei nicht so schlimm, wie er auf den ersten Blick aussehe, schließlich sei die Bilanz durch die amerikanische Steuerreform belastet worden. Dennoch seien die Zahlen auch ohne die schwierigen Rahmenbedingungen nicht zufriedenstellend. So seien die Erträge um zwölf Prozent gesunken, die Kosten jedoch lediglich um drei Prozent.

          Sewing: Stellenabbau unvermeidlich

          Sewing sagte, angesichts dieser Ergebnisse schlage man den Aktionären eine Dividende in Höhe von 11 Cent pro Aktie vor.

          Doch auch wenn Sewing der Meinung ist, die Bank sei heute „stabiler und sicherer, als sie es in den vergangenen zwei Jahrzehnten je war“: In diesem Jahr plant die Bank Restrukturierungs- und Abfindungskosten in Höhe von 800 Millionen Euro ein.

          Sewing sagte, der Stellenabbau sei unvermeidlich, wenn die Bank nachhaltig profitabel sein wolle, er solle so sozialverträglich wie möglich gestaltet werden. „Wir werden nicht nur festangestellte Mitarbeiter im Blick haben, sondern auch Dienstleister, Berater und Zeitarbeiter.“ Zudem werde man die natürliche Fluktuation nutzen. Sewing sagte, die Kostendisziplin gelte auch für den Vorstand, der bereits um ein Viertel verkleinert worden sei. Auch die beiden Ebenen darunter sollten „deutlich verschlankt“ werden.

          Sewing machte auf seiner ersten Hauptversammlung an der Spitze des Konzerns in der vollbesetzten Frankfurter Festhalle einen selbstsicheren Eindruck und dankte seinem Vorgänger John Cryan für dessen Arbeit.

          „Totgesagte leben länger“

          Auf dem noch laufenden Aktionärstreffen steht besonders der Aufsichtsrats-Boss Paul Achleitner unter Druck, der zuletzt harte Kritik hatte einstecken müssen. Achleitner sagte eingangs der Versammlung, er freue sich auf diesen Termin. Zuvor hatte er sich kämpferisch gezeigt und ein selbst aufgenommenes Foto vom DFB-Pokalfinale am Samstag in Berlin gezeigt, auf dem Eintracht-Fans ein Plakat mit der Aufschrift „Totgesagte leben länger“ präsentiert hatten. Achleitner gratulierte als Münchner der Eintracht zum Pokalsieg und sagte, die kämpferische Leistung der Mannschaft habe ihn sehr beeindruckt.

          Gleichzeitig machte er deutlich, dass der Führungswechsel an der Spitze der Bank nicht so geplant war, wie er letztlich abgelaufen ist. Man habe die Meinungsverschiedenheiten und Konflikte innerhalb der Bank-Führung wahrgenommen und festgestellt, dass gute Pläne und versprochene Maßnahmen nicht diszipliniert und konsequent genug angegangen worden seien. „Eklatantes Symptom war die Kostenentwicklung“, kritisierte er. Der Beschluss, das Führungsteam um John Cryan umzustellen, sei deshalb ohnehin aufgrund dieser Tatsachen gefallen gewesen. Allerdings beschleunigten die öffentlichen Spekulationen die Entwicklung offenbar, „das hat unserer Bank sehr geschadet“.

          Man habe handeln müssen und deshalb Sewing früher als geplant zum Vorstandsvorsitzenden gemacht. Zwar habe es andere Kandidaten ,auch von extern, gegeben, „aber Sewing war unsere erste Wahl“. Er verkörpere mit seiner 30 Jahre lange Zugehörigkeit zu dem Konzern das Unternehmen wie kein anderer. Den Führungswechsel habe man ursprünglich aber erst zur heutigen Hauptversammlung herbeiführen wollen.

          Weitere Themen

          EKG für unterwegs Video-Seite öffnen

          Infarkt oder nicht? : EKG für unterwegs

          Eine App fürs Handy und ein Kabel mit Elektroden - Cardiosecur hat ein mobiles EKG entwickelt. Gründer und Geschäftsführer Markus Riemenschneider erklärt im Video, wie das Ganze funktioniert.

          Topmeldungen

          Mordfall Lübcke : Die Falle der AfD

          Die AfD ist an Scheinheiligkeit nicht zu überbieten. Die Krokodilstränen über den Tod eines Repräsentanten des „Systems“, das sie aus den Angeln heben will, kann sie sich sparen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.