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DGB-Chef im Gespräch : „Wir müssen über Regeln für das Homeoffice reden“

Möchte den Niedriglohnsektor stärker entlasten: Philipp Jacks, Frankfurter DGB-Chef Bild: Helmut Fricke

DGB-Chef Philipp Jacks muss auf eine Maikundgebung verzichten. Es gebe derzeit aber einiges zu klären, zum Homeoffice, zur Kurzarbeit und zur Verteilung der Kosten, sagt er.

          3 Min.

          Wird es in diesem Jahr eine Maikundgebung in Frankfurt geben?

          Falk Heunemann

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Solch einen 1. Mai haben wir in der mehr als hundertjährigen Geschichte des Feiertags noch nicht erlebt. Natürlich ist klar, dass der Gesundheitsschutz vorgeht und wir diesmal keine Großdemonstration auf dem Römerberg abhalten können. Von 11 Uhr an wird der DGB aus Berlin einen Livestream übertragen, unter anderem mit bekannten Künstlern.

          Wie sieht denn die Gewerkschaftsarbeit in Krisenzeiten aus?

          Die Gewerkschaften haben viel zu tun. In vielen Unternehmen haben die Betriebsräte zum Beispiel in den vergangenen Wochen über die Einführung der Kurzarbeit verhandelt. Ganz viele Mitglieder richten dringende Fragen an uns. Diese beantworten wir über Telefonhotlines, die wir mit Mitarbeitern aus anderen Bereichen aufgestockt haben. Dieser Krisenmodus wird sicher auch noch eine Weile andauern.

          Viele Unternehmen haben ihre Beschäftigten ins Homeoffice geschickt. Ist das eine Entwicklung, die die Gewerkschaften gutheißen?

          Grundsätzlich haben wir nichts gegen Homeoffice, im Gegenteil. Wir fordern schon seit langem, dass Beschäftigte ein Recht darauf haben sollten, wenn das technisch möglich ist. Das erleichtert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf – zumindest, wenn die Kinderbetreuungseinrichtungen geöffnet sind. Und wenn Beschäftigte weniger pendeln und stattdessen über das Internet konferieren, nutzt das ja auch der Umwelt. In der aktuellen Lage gibt es aber ganz andere Probleme: Wenn etwa Alleinerziehende oder Eltern zugleich ihre Kinder beaufsichtigen müssen, ist das Homeoffice eine enorme Belastung. Eltern brauchen neben einer erweiterten Entschädigung für Verdienstausfälle auch einen gesetzlichen Anspruch auf Freistellung und einen Sonderkündigungsschutz.

          Befürchten Sie keine Entgrenzung zwischen Privatem und Arbeitszeit?

          Das droht in der Tat, wir werden noch über neue Regeln sprechen müssen, damit die Arbeitszeit nicht ausufert. Entscheidend ist deshalb, dass die Arbeitszeit auch im Homeoffice vollständig erfasst und vergütet sowie das Recht auf Nichterreichbarkeit eingehalten wird. Auch der Gesundheitsschutz muss gewahrt bleiben, keiner soll sich vor dem heimischen Rechner einen krummen Rücken holen. Und auch die Mitbestimmungsrechte müssen gewahrt bleiben.

          Um Arbeitsplätze zu sichern, nutzen immer mehr Unternehmen Kurzarbeit. Wie bewerten Sie dies?

          Kurzarbeit ist an sich ein gutes Instrument. Man muss aber bedenken, dass allein in Frankfurt 20 bis 30 Prozent der Beschäftigten im Niedriglohnsektor sind. Viele arbeiten in Hotels, die als Erstes schließen mussten und vermutlich als Letztes wieder öffnen werden. Wenn diese Niedriglöhner oder auch Auszubildende nun nur noch 60 Prozent ihres bisherigen Nettolohns oder 67 Prozent für Eltern erhalten, können sie kaum davon leben.

          Die Bundesregierung hat doch gerade erst eine Erhöhung des Kurzarbeitergeldes beschlossen.

          Diese Neuregelung nutzt gerade dem Niedriglohnsektor wenig, da es ja erst nach drei Monaten auf maximal 77 Prozent und ab dem siebten Monat auf bis zu 87 Prozent erhöht wird.

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