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DGB-Bezirksvorsitzender Stefan Körzell im Interview : "Das vernichtet Arbeitsplätze, vor allem im Handwerk"

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Werden Sie am 18. Februar als Landesvorsitzender Hessen und Bezirksvorsitzender Hessen-Thüringen wiedergewählt? Zumindest hat mich der DGB-Landesvorstand, der Bezirksvorstand und der Bundesvorstand zur Wiederwahl vorgeschlagen.

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          Werden Sie am 18. Februar als Landesvorsitzender Hessen und Bezirksvorsitzender Hessen-Thüringen wiedergewählt?

          Zumindest hat mich der DGB-Landesvorstand, der Bezirksvorstand und der Bundesvorstand zur Wiederwahl vorgeschlagen. Und ich hoffe, daß ich in den vergangenen vier Jahren so gearbeitet habe, daß mich die Kolleginnen und Kollegen auch wiederwählen.

          Es gibt keinen Gegenkandidaten?

          Bis jetzt nicht, aber laut DGB-Satzung kann durchaus aus der Bezirkskonferenz heraus jederzeit jemand aufstehen und kandidieren.

          Also wird der 18. Februar ein spannender Tag?

          Aber ja, bei einer solchen Konferenz legt man Rechenschaft ab und diskutiert, wo es eigentlich in der Zukunft hingehen soll.

          Apropos Zukunft: Wie entwickeln sich die Mitgliederzahlen? Von 2000 bis 2004 hat der DGB Hessen-Thüringen 15 Prozent der Mitglieder verloren. Die Zahl ging von 818 000 auf 695 000 zurück.

          Wir haben auch im vergangenen Jahr Mitglieder verloren. Die endgültigen Zahlen haben wir zwar noch nicht, aber wir haben auf jeden Fall weniger verloren, als wir für den Bezirk prognostiziert hatten. Das macht uns zwar nicht unbedingt stolz, aber das ist ein erster Schritt, um die Entwicklung insgesamt zu wenden. Ich gehe mal davon aus, daß wir in Hessen noch etwa 510 000 Mitglieder und in Thüringen rund 168 000 haben. Das ist natürlich schmerzlich gegenüber dem, was man einmal hatte.

          Woran liegt das, muß der DGB mehr Dienstleister werden, weniger politisch parteiliche Interessenvertretung?

          Zunächst muß man einfach feststellen daß wir inzwischen viele Branchen haben, in denen wir nicht vertreten sind. Das hat mit Ausgründungen zu tun, aber auch mit neuen Branchen wie der Internetsparte, den neuen Medien insgesamt. Da haben wir Nachholbedarf.

          Das erklärt aber noch nicht Verluste in der genannten Größenordnung.

          Sie müssen sehen, daß wir einen erheblichen Verlust von sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen haben, der sich natürlich auch in unserer Mitgliederstatistik niederschlägt. Wenn Sie bedenken, daß etwa die Bauindustrie fast die Hälfte ihrer Arbeitsplätze verloren hat, dann ist klar, daß die Gewerkschaften dadurch Mitglieder verlieren, egal, was auch immer sie an Serviceangeboten machen. Denn die arbeitslos gewordenen Kolleginnen und Kollegen kommen durch neue Gesetzgebung - als Beispiel nenne ich Hartz IV - irgendwann dahin, daß sie auch den niedrigen Beitrag für Arbeitslose sparen müssen. Aber wir haben wieder mehr Neueintritte als Austritte, und es kommen auch wieder mehr junge Menschen zu uns. Das ist noch nicht die Trendwende, aber der erste Schritt.

          Was die parteipolitische Orientierung betrifft, verändert sich da etwas? Der DGB fordert gemeinsam mit der hessischen CDU eine Änderung der EU-Dienstleistungsrichtlinie.

          Wir dürfen das, was wir als Gewerkschaft tun, nicht parteipolitsich ausrichten. Und bei einem Gespräch mit dem Landesvorstand der Union kam - bei allen Unterschieden - heraus, daß diese EU-Richtlinie ein großes Problem ist - mit ihrem Herkunftslandsprinzip.

          Dieses besagt, daß ein Handwerker aus jedem EU-Staat nach den in seinem Land geltenden Gesetzen hier in Deutschland anbieten darf.

          Ja, und man muß jetzt darauf hinweisen, daß dadurch eine Menge Arbeitsplätze bedroht sind, im Handwerk, in der Dienstleistung.

          Hier decken sich Ihre Bedenken auch mit denen des Handwerks. Sind da gemeinsame Aktionen geplant?

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