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Paketprüfstelle der Post : Zischen und Knallen als Härtetest für Pakete

Fallbeispiel: Uwe Möller geht mit Post-Paketen nicht zimperlich um. Bild: dpa

Die Deutsche Post unterhält in Darmstadt eine Prüfstelle für Verpackungen. Schließlich soll deren Inhalt ja heil ankommen.

          Als die Weihnachtsbläser kommen, kehrt für eine halbe Stunde Ruhe ein. Die Arme hinter dem Rücken steht Gunnar Loose im Foyer der Deutsche Post-Dependance in Darmstadt und singt leise, aber textsicher „Stille Nacht, heilige Nacht“. Traditionell kommt die Blaskapelle der Post vor Weihnachten hier vorbei und spielt einige Lieder, und Loose genießt es. Dann aber, kurz bevor das besinnliche Treiben zu Ende geht, kehrt er um, geht pflichtbewusst durch zwei Türen und ist zurück in seinem Reich, in dem es schon einmal knallt und zischt, in dem Pakete gerüttelt, geschüttelt und geworfen werden.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Das hier ist weltweit einmalig“, sagt Loose. Der global tätige Konzern Deutsche Post mit seiner halben Million Mitarbeiter hat in Darmstadt seine einzige Verpackungsprüfstelle. Gerade in der Vorweihnachtszeit, in der das Unternehmen täglich bis zu 8,5 Millionen Pakete verschickt, hatten die Anlagen der Post und die Fahrer in ihren gelben Transportern wieder mit einer riesigen Vielfalt an Verpackungen zu tun. Die meisten Sendungen sind ordentlich verschnürt und gepolstert, aber bei weitem nicht alle. Doch für Kunden und Mitarbeiter der Post sind auslaufende Flüssigkeiten, verbeulte Pakete und scharfe Kanten Sicherheitsrisiko und Verletzungsquelle zugleich. Dabei erwartet der Kunde von dem Logistikkonzern vor allem eines: dass die Sendungen schnell und sicher beim Empfänger ankommen.

          Plakate mit Arbeitshinweisen

          Um das zu gewährleisten, gibt es die Prüfstelle in Darmstadt. Loose, ein großer Mann mit blauem Anzug, betritt den kahlen Raum, an dessen Wände einige eingerahmte Plakate mit Arbeitshinweisen hängen. In der Mitte liegen auf einem Tisch zahlreiche Pakete verschiedener Form und Größe herum, man sieht ihnen die Folgen der Test-Prozeduren bereits an. 1957 hatte die damalige Bundespost diese Stelle eingerichtet, außer Loose arbeiten drei Kollegen in der Abteilung.

          Loose nimmt das Packset Größe F, eine Flaschenverpackung, in die Hand, faltet es zusammen und steckt eine gefüllte Champagnerflasche hinein. Das Paket stellt Looses Kollege Uwe Möller auf eine Ablagefläche aus Metall, den Falltisch. „Das Herzstück der Prüfstelle“, sagt Loose. Auf ihrem kilometerlangen Weg sind Sendungen vielseitigen Gefahren ausgesetzt: Sie werden gestapelt und müssen den Druck der über ihnen liegenden Pakete aushalten; Laptops und Smartphones, Bücher und CDs, Flaschen und Gläser dürfen nicht darunter leiden, wenn Autos über schlechte Straßen und Feldwege holpern; sie rutschen Förderbänder hinab, werden ein- und wieder ausgeladen; und sie können bei alldem auch mal herunter fallen.

          Die Metallplatte schnellt nach hinten

          Letzteres simuliert Gunnar Loose jetzt mit dem Falltisch. Loose, dessen bunter Schlips von einer Krawattennadel der Post gehalten wird und aus dessen Hosentasche ein Schlüsselbund mit einem Post-Logo herausschaut, stellt die Flasche in der Verpackung auf den Tisch und stellt ihn auf 80 Zentimeter – Tischhöhe – ein. „Jetzt wird es laut“, prophezeit er, drückt den roten Knopf. Es knallt, die Metallplatte schnellt nach hinten, die Verpackung fällt zu Boden. Acht Mal und von allen Seiten machen sie das hier mit jedem Paket. So sollen die Sendungen darauf getestet werden, ob sie für einen sicheren Versand geeignet sind und damit das DHL-Prüfsiegel erhalten können, durch das der Konzern auch die Haftung für die Qualität übernimmt. Wenn die Champagnerflasche bei allen Versuchen ganz bleibt, geht das Ganze von vorne los. Erst nach dem zweiten Versuch ohne Scherben wird die Verpackung zertifiziert.

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          Es sind vor allem Verpackungsunternehmen, die sich an die Post wenden, weil sie eine neue Serie Kartons herstellen wollen und oder bereits existierende Chargen wieder einmal überprüfen lassen möchten. Auch Konzerne wie Zalando, die große Mengen verschicken, Fotobuch-Produzenten, deren Erinnerungen heil ankommen sollen, und Weinhändler, die ihre Flaschen selbst verschicken, nutzen den Service. Zudem werden natürlich die eigenen Produkte hier in die Mangel genommen.

          Zum Beispiel in der Maschine mit dem Namen Stapelstauchdruckpresse. Loose legt ein schon etwas angeschlagenes Paket zwischen zwei schwere Platten, drückt ein paar Knöpfe, und schon bewegt sich die obere Platte ganz langsam auf das Paket zu. Das Gerät misst nun in Newton, wie viel Druck die Verpackung aushält. Direkt daneben auf dem Schwingungsgerät werden die Sendungen minutenlang ordentlich durchgerüttelt, und der Fallhaken testet, von welcher Belastung an der Haken die Pappe durchdringt und das Innere möglicherweise zerstört. Auch eine Klimakammer gibt es in der Prüfstelle, um zu testen, wie Pakete und Produkte auf verschiedene Temperaturen reagieren. Sämtliche Prüfungen werden nach Normen durchgeführt, „nur so sind die Ergebnisse vergleichbar“, klärt Loose auf.

          Er und seine Kollegen sind stolz auf das, was sie tun. 2400 Aufträge haben sie 2017 abgearbeitet. Die Hälfte davon sind Gefahrgüter, etwa ein Viertel Aufträge von Unternehmen. Der Rest sind sogenannte Clearingfälle, bei denen die Post in Streitfällen um beschädigte Waren um eine Einschätzung bittet, ob die Verpackung der Grund für die Beschädigung sein könnte. Die Prüfer in Darmstadt wissen, dass sie in dem riesigen Geschäftsfeld des Konzerns ein von außen weitgehend unsichtbarer, aber dennoch für alle Beteiligten wichtiger Teil sind. Entsprechend selbstbewusst ist Loose auch, was die Ergebnisse seines Tuns angeht: „Die Verpackungen, die wir hier geprüft und zertifiziert haben, sind sehr gut.“

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