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Deutsche Börse AG : Ein Weltkonzern im Eschborner Irgendwo

In Eschborn: Die neue Verwaltung der Deutschen Börse AG. Bild: Michael Kretzer

Die Börsenberichte vor der Tagesschau werden auch künftig aus Frankfurt kommen. Und von einem Finanzplatz Eschborn wird auch in Zukunft nicht die Rede sein. Die Deutsche Börse AG zieht um und zieht doch nicht um.

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          Die Börsenberichte vor der Tagesschau werden auch künftig aus Frankfurt kommen. Und von einem Finanzplatz Eschborn wird auch in Zukunft nicht die Rede sein. Die Deutsche Börse AG, einer von drei Dax-Konzernen Frankfurts, zieht um und zieht doch nicht um. Der Vorstand behält Zweitbüros im ehrwürdigen Gebäude am Börsenplatz in Frankfurt, und die Konzernsprecherin schwört, dass sich die wichtigen Herren gelegentlich wirklich dort aufhalten. Es bleiben die, die sich um das Parkett kümmern, Besucherdienst inklusive. Das reicht, um als Konzernsitz weiter Frankfurt anzugeben.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Doch das Herz der Deutschen Börse AG schlägt fortan jenseits der Stadtgrenze. Die Neue Börse in Frankfurt-Hausen, im Aufbruchjahr 2000 eröffnet, wird in einigen Wochen Geschichte sein. In atemberaubendem Tempo hat der Konzern ein 20 Stockwerke hohes Gebäude an der Mergenthalerallee in Eschborn hochgezogen. Im Januar 2008 wurde der Beschluss bekanntgegeben, in das Steuerparadies umzuziehen, im November 2008 wurde der Grundstein gelegt, dieser Tage wird der Bau ohne viel Aufhebens bezogen. Für den 4. November ist eine Eröffnungsfeier geplant. Weil es nicht schnell genug gehen konnte, waren 1000 der 2000 Mitarbeiter vorab nach Eschborn gewechselt, in die „Häuser der Mode“. Ebenso wie Hausen wird dieser Standort verlassen.

          Einige Reminiszenzen

          „The Cube“ nennt sich der neue Sitz, grau und verglast ist der Würfel innen wie außen, kühler kann sich ein Unternehmen nicht geben. Ein hoher Zaun, Wachhäuschen, am Eingang Frage nach dem Personalausweis, Gepäckkontrolle wie am Flughafen. Die Eingangshalle ist 800 Quadratmeter groß und 80 Meter hoch, gläserne Fahrstühle rasen auf und ab. Großraumbüros. Für den, der beim Arbeiten Ruhe braucht, finden sich hier und da einzelne Denkzellen. Und es gibt ein Fitness-Studio für die Mitarbeiter.

          Beim zweiten Blick doch bescheidene Sentimentalitäten: Bulle und Bär, die Symbole des Börsenhandels, als zwei kleine Skulpturen seitlich am Eingang, in der Halle echtes Parkett, auch so eine Reminiszenz. Mitarbeitern, denen die Fahrt im gläsernen Fahrstuhl Magenschmerzen bereitet, können die Hasenfuß-Taste drücken, wie man respektlos sagt. Dann kommt einer der anderen Fahrstühle, ohne Glas, ohne Aussicht.

          Hier scheint es Leben zu geben

          Seit Anfang September ziehen die Mitarbeiter um, an jedem Wochenende 150 bis 350, freitags einpacken im alten Büro, montags auspacken im neuen. Ende Oktober sollen die meisten im Neubau sein, bis Jahresende bleiben wenige noch in Hausen, wie Wolfgang Dötzer, Head of Department, erläutert. Es ist nicht falsch, sich die Deutsche Börse AG als IT-Konzern vorzustellen. Sie organisiert den Handel mit Aktien und anderen Finanzprodukten, auch für andere Börsen wie die in Wien.

          Es muss reibungslos laufen und günstig sein. Die Preise sind leicht zu vergleichen, der Wettbewerb ist hart. Die Rechenzentren sind nicht mit umgezogen. Wo man sie findet, sagt Dötzer nicht. Das ist geheim. Was in der Börse geschieht, ist nicht mehr zu sehen, seit der Handelssaal weitgehend verwaist ist. Aber sie bleibt der größte Marktplatz der Nation. Wenn Börsen ausfallen, ist es vielleicht noch schlimmer, als wenn Banken ausfallen.

          Nun sitzt der Konzern also im Eschborner Irgendwo, umgeben von leerstehenden Bürotürmen, provisionsfrei zu mieten, vorne an der Straße immerhin der Prachtbau von Ernst & Young, dann ein Volvo-Autohaus, dann die PSD-Bank; „GFT begrüßt die Mitarbeiter der Deutschen Börse“ hängt als Transparent nebenan, es scheint hier Leben zu geben. Für den Umzug gab es gute Gründe, es ist gut, dass die Region Billigstandorte für Sparfüchse hat, aber es ist doch gewöhnungsbedürftig, einen der vornehmsten Konzerne, einen von Weltrang, ausgerechnet hier zu wissen.

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