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Deutsche Bank : Der vorsichtige Herr Ackermann

Musste den größten Jahresverlust in der Geschichte der Deutschen Bank verkünden: Vorstandschef Ackermann Bild: dpa

Die blaustichige Leinwand im Hermann-Josef-Abs-Saal ist gnadenlos. Tiefe Furchen zeichnet sie in das Gesicht von Josef Ackermann. Zumindest auf der Leinwand sieht der Vorstandschef aus, als sei er in den vergangenen zwölf Monaten um Jahre gealtert.

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          Die blaustichige Leinwand im Hermann-Josef-Abs-Saal ist gnadenlos. Tiefe Furchen zeichnet sie in das Gesicht von Josef Ackermann, den sie zeigt, während er die Geschäftszahlen der Deutschen Bank für das Jahr 2008 vorstellt – mit einem Minus von 3,9 Milliarden Euro, dem größten Verlust in der Geschichte des Hauses.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zumindest auf der Leinwand sieht der Vorstandvorsitzende aus, als sei er in den vergangenen zwölf Monaten um Jahre gealtert. Verständlich wäre es, als Chef der größten deutschen Bank ist er auch einer der Hauptakteure der Finanzkrise. Die Turbulenzen an den Kapitalmärkten ließen sich auch mit einer Sammlung von Ackermann-Zitaten nachzeichnen. 25 Prozent Eigenkapitalrendite hatte er einst verlangt, im April sagte er, dass er nicht mehr an die Selbstheilungskraft der Märkte glaube, im Herbst dann mit Blick auf den staatlichen Rettungsfonds, er würde sich schämen, wenn er Geld vom Staat annehmen müsste. Öffentliche Schelte gab es für alle diese Aussprüche.

          So vorsichtig und zurückhaltend wie diesen Donnerstag bei Vorlage der Jahresbilanz hat man Ackermann selten erlebt. Immer wieder neu erklärt er, wie er es mit dem Staatsgeld halte. „Wenn wir es nicht nötig haben, nehmen wir auch kein Geld vom Staat.“ Das solle aber nicht heißen, dass die, die es nötig hätten, kein Geld nehmen sollten, fügt er an. Aber die Zinszahlungen seien ja auch erheblich, ebenso wie die Auflagen, die mit dem Staatsgeld einherkämen. „Diese Bank bestimmt ihr Schicksal selbst“, sagt er schließlich, fügt dann aber nochmals abwiegelnd hinzu: „Wenn wir es schaffen. Es ist ja noch nicht aller Tage Abend.“

          Auch ungewohnt heimatverbunden zeigt sich Ackermann. Was früher mal Top Five waren, sind heute Top Fünf, englischen Journalisten beantwortet er ihre Fragen auf deutsch. „Wir heißen Deutsche Bank und sind Teil von Deutschland“, sagt er – vor gar nicht allzu langer Zeit war ein Umzug des Hauses nach London nicht auszuschließen. Aber eine Erkenntnis, die er gewonnen habe, sei, dass Banken mit einem starken Heimatmarkt jetzt besser dastünden als andere.

          Und so zeigt sich Ackermanns Vorsicht nicht nur in seinen Worten. Das ganze Haus soll nun auf Vorsicht hin umgebaut werden. Das Investmentbanking, das in früheren Jahren der Hauptertragsbringer der Bank war, wird deutlich zusammengestutzt und neu aufgestellt. „Wir wollen unsere Erträge mit weniger Risiko erreichen“, sagt Ackermann. Den Eigenhandel hat die Deutsche Bank in den vergangenen Wochen nahezu vollständig geschlossen. 30 Prozent der Stellen in der Sparte Global Markets habe man seit Beginn der Krise abgebaut. Vorstandsmitglied Hermann-Josef Lamberti hebt hervor, dass der Anstieg der Mitarbeiterzahl in Deutschland um 160 auf 27 942 zeige, wie stark man im Gegenzug die Sparten Global Transaction Banking sowie Privat- und Geschäftskunden erweitert habe.

          Auch im Optimismus lässt Ackermann Vorsicht walten. Zwar sei der Januar sehr erfolgreich gewesen, besser als der Vergleichsmonat des Vorjahres. Aber wie der Februar und der März werde, könne keiner ernsthaft sagen. Seit Monaten erlebe man eine Serie von Erdbeben mit ständig wechselnden Epizentren. Da sei es kaum voraussagbar, wo das nächste auftrete. Eine Prognose für das Ergebnis, das die Bank 2009 erreichen will, gibt es nicht.

          Seit er im Jahr 2002 die Spitze der Deutschen Bank übernommen hat, konnte Ackermann Jahr für Jahr steigende Gewinne präsentieren (siehe Grafik). Insofern ist der Verlust von 3,9 Milliarden Euro nicht nur der größte in der Geschichte der Deutschen Bank. Auch in seine persönliche Bilanz als Chef des Hauses reißt der Fehlbetrag ein tiefes Loch.

          Ein Jahr hat er nun noch Zeit, sein Erbe aufzupolieren. Dass er, wie mehrfach und frühzeitig angekündigt, mit der Hauptversammlung 2010 sein Amt niederlegen will, bekräftigt er. Und auch wie sein Nachlass aussehen solle, lässt er durchscheinen. In zehn, zwanzig Jahren werde man zurückblicken und sagen, die Deutsche Bank habe die größte Finanzkrise seit der Großen Depression aus eigener Kraft gemeistert. „Wenn wir es schaffen – aber da sind wir inzwischen schon etwas zuversichtlicher, als noch vor ein paar Monaten.“

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