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Deutsche Bank : Breuers Niedergang

Vor dem Rückzug: „Mister Finanzplatz” Rolf Breuer Bild: AP

Eine Ära lang hat Rolf Breuer das Geschehen am Finanzplatz Frankfurt maßgeblich mitbestimmt. Bei aller Internationalisierung hielt er stets noch Tuchfühlung mit der Stadt.

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          Es ist ein seltsames Zusammentreffen. Rolf Breuer, der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank, erklärt seinen Abschied von seinem letzten großen Amt, und Werner Seifert, der geschaßte Vorstandschef der Deutschen Börse, stellt seine Memoiren vor, in denen er mit den als „Heuschrecken“ titulierten Hedge-Fonds abrechnet.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zwei Männer, die mitten im Zentrum des Finanzplatzes Frankfurt standen und mit ihrer Internationalisierungsstrategie in ihren jeweiligen Unternehmen zu dem beigetragen haben, was der Historiker Paul Nolte in seinem jüngsten Buch den „neuen Kapitalismus“ nennt: Deutsche Börse und Deutsche Bank sind heute deutlich leistungsorientierter, internationaler und in einem gewissen Sinne marktwirtschaftlicher organisiert als vor dem Antritt der beiden. Sie haben sich, erfolgreicher als viele der Konkurrenten, einer Welt angepaßt, die sich immer schneller zu drehen scheint.

          Der Finanzplatz Frankfurt erfährt mit dem Abschied zunächst Seiferts und jetzt Breuers eine deutliche Zäsur. Seiferts Nachfolger Reto Francioni hat dessen Lebensaufgabe, den symbolträchtigen Griff nach der Londoner Börse, zugunsten einer pragmatischen Hinwendung nach Frankreich zur Fünfländerbörse Euronext aufgegeben.

          Kein neuer „Mister Finanzplatz“ in Sicht

          Für Breuer gibt es zwar einen Nachfolger als Aufsichtsratsvorsitzender der Deutsche Bank: Clemens Börsig, der bisherige Finanzvorstand, gilt als Zahlenmensch und sorgfältiger Kontrolleur, der künftig allerdings vor der schwierigen Aufgabe stehen wird, seinen bisherigen Chef Josef Ackermann zu beaufsichtigen.

          Für Breuer als „Mister Finanzplatz“ jedoch ist kein Nachfolger in Sicht. Der Mannheimer Betriebswirt Börsig ist bisher in der Öffentlichkeit wenig in Erscheinung getreten. Ackermann hat seine Charme-Offensive für Frankfurt aus dem vorigen Jahr wieder abgebrochen - vielleicht, weil er befürchtete, ohnehin zu stark zu polarisieren. Seit die Dresdner Bank zur Allianz in München gehört, kann ihr Chef den „Mister“-Titel kaum mehr beanspruchen:

          Schon der Versuch der Gründung einer Finanzplatzinitiative durch den früheren Vorstandsvorsitzenden Bernd Fahrholz stieß bei den Mitbewerbern aus solchen Gründen auf sehr grundsätzliches Mißtrauen. Bliebe höchstens Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller - der sich ja nicht nur als Namensgeber für das neue Fußballstadion in Frankfurt zunehmend engagiert.

          Abschied von der Macht

          Der Zeitpunkt für Breuers Abtritt kam für viele überraschend. Nach der Teilniederlage im Kirch-Prozeß habe Breuer vor allem ein Debakel auf der Hauptversammlung am 3. Mai vermeiden wollen, wird kolportiert. Es habe schon Anzeichen für eine Nichtentlastung gegeben. Außerdem werde so ein Vergleich erleichtert, hieß es. Der frühere Medienunternehmer Leo Kirch hatte die Deutsche Bank und ihre Organe im In- und Ausland mit Prozessen überzogen, nachdem Breuer mit Äußerungen zu Kirchs Kreditwürdigkeit nach dessen Auffassung den Zusammenbruch des Medienkonzerns befördert hatte.

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