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Deutsche Bahn : Zwei Cheeseburger und eine Fahrkarte

Drei Monate gültig: Bahntickets bei McDonald's Bild: AP

Bei McDonald's ist der Ansturm auf billige Bahntickets nicht ganz so stark wie seinerzeit bei Lidl. Vier Tickets kosten 99 Euro, eine Million Heftchen à vier Fahrscheinen sind im Umlauf.

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          „Komm' ich damit auch nach Hannover?“ will der Mann mit der Reisetasche wissen. „Klar, geht nach überall. Nur nicht Freitag und Sonntag“, sagt der Verkäufer von McDonald's - und legt ein Heftchen zu zwei Cheeseburgern aufs Tablett. Gestern morgen, kurz nach acht: Der Verkauf von Bahntickets für beliebig weite Strecken in Deutschland ist bei der Schnellrestaurantkette offenbar nicht ganz so stürmisch angelaufen wie vor knapp einem Jahr beim Discounter Lidl.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Daran mögen auch die schlechteren Konditionen schuld sein: Der Einstiegspreis ist diesmal höher, man muß vier Tickets für 99 Euro nehmen, damals gab es zwei für 45. Außerdem hat die Bahn jetzt den Freitag und Sonntag als Reisetag herausgenommen. Und drittens gelten alle vier Fahrkarten nur für drei Monate, bei Lidl hatte man zum Einsatz von zwei Tickets noch viereinhalb Monate Zeit gehabt.

          Am meisten los gewesen sein soll in Frankfurt gestern in der Filiale im Hauptbahnhof: Fast wie in Berlin am Tauentzien, wo schon vor der Öffnung Menschen in der Kälte standen und warteten. Bei vielen anderen McDonald's Filialen im Rhein-Main-Gebiet hingegen hielt sich die Nachfrage in Grenzen. Man verkaufe Tickets, spüre aber keinen „Ansturm“, hieß es sogar bei der ausgesprochen zentral gelegenen McDonald's-Filiale an der Frankfurter Hauptwache. An der Freßgass' hatte man überhaupt keine Tickets - die ganz kleinen, „Satellites“ genannten Verkaufsstellen hätten sich aus logistischen Gründen an dem Programm nicht beteiligt, hieß es.

          Rechtliche Schritte

          Einige der McDonald's-Filialen haben zusätzliches Personal eingesetzt. Neben den Verkaufsschaltern, etwas abseits von Burger-Bratern und Kassen, gaben Mitarbeiter Auskünfte zu dem Bahn-Angebot: meist in kurzen, knappen Sätzen - bei vielen ist Deutsch offenbar nicht die Muttersprache. Aber das Produkt sollte ja einfach sein, hatte man sich bei der Bahn ausgedacht, außerdem günstig, damit es ohne Komplikationen von der McDonald's-Klientel akzeptiert wird.

          „Die Kette hat für die Bahn eine interessante Kernzielgruppe - jüngere Menschen und Familien“, sagt Monika Bloch von der Deutschen Bahn AG. Diese Gruppe wolle man als Zug-Kunden gewinnen. Mehr als 50 Prozent der Käufer bei Lidl wären nach Erhebungen der Bahn sonst nicht Zug gefahren. Von diesen hätten wiederum etwa 50 Prozent noch nie einen Fernverkehrszug von innen gesehen gehabt.

          Eine Falle hat man diesmal zu umgehen versucht: Gegen Lidl hatte es rechtliche Schritte wegen unlauteren Wettbewerbs gegeben, weil der Discounter mit den Fahrkarten geworben hatte, dann aber in vielen Filialen schon nach kurzer Zeit keine mehr vorrätig gewesen waren. Damals hatte man 500.000 Heftchen zu zwei Karten in Umlauf gebracht, diesmal, bei schlechteren Konditionen, eine Million Heftchen zu vier Tickets. Nach Einschätzung der McDonald's-Mitarbeiter werden die Vorräte daher noch etwas reichen. Einen gewissen Mißbrauch hat die Bahn offenbar auch diesmal nicht vermeiden können: Wie bei der Lidl-Aktion wurden sogar schon vor dem Start die eigentlich nicht übertragbaren Tickets im Internet gehandelt.

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