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Mit moderneren Arbeitsplätzen : Deutsche Bahn ordnet Standorte neu

Fast fertig: Der neue „Campus Personenverkehr“ der Deutschen Bahn an der Europaallee, seit wenigen Tagen auch mit Konzern-Logo am Dach Bild: Lando Hass

Der Staatskonzern Deutsche Bahn will die Zahl seiner Niederlassungen in Frankfurt verringern. Und moderner werden.

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          Als nach der Wiedervereinigung aus der Deutschen Bundesbahn die Deutsche Bahn AG wurde, war dies ein Verlust für Frankfurt. Denn die Zentrale des neu gegründeten Konzerns war nicht mehr in Frankfurt beheimatet, sondern in Berlin. Im Abschiedsschmerz übersahen die Frankfurter, dass zwar von der einstigen Bundesbahn-Zentrale an der Friedrich-Ebert-Anlage nichts geblieben ist, der Staatskonzern aber nach wie vor Tausende in Frankfurt beschäftigt.

          Manfred Köhler
          (mak.), Rhein-Main-Zeitung

          Denn wichtige Tochtergesellschaften wie die DB Netz AG haben hier ihren Sitz. Wie wichtig der Deutschen Bahn weiterhin Frankfurt ist, zeigte sich 2009, als der Konzern für seine IT-Tochtergesellschaft DB Systel den Silberturm mietete, einst Sitz der Dresdner Bank und eines der bekanntesten Hochhäuser der Stadt.

          Nun will die Deutsche Bahn ihre Standorte in Frankfurt neu ordnen. Am auffälligsten wird sein, dass sie das unzureichend klimatisierte Gebäude im Stadtteil Gallus an der Stephensonstraße aufgeben wird, das einmal als Bundesbahn-Zentrale gedacht war, bis der Umzug nach Berlin diese Pläne zunichte machte. Stattdessen will der Konzern im Dezember wenige hundert Meter weiter an der Europaallee einen Gebäudekomplex mit 2250 Arbeitsplätzen beziehen, der als „Campus Personenverkehr“ die Geschäftsfelder DB Fernverkehr, DB Regio und DB Vertrieb beherbergen wird.

          Noch im Bau: Zentrale der DB Netz AG an der Nordseite des Gleisvorfelds des Frankfurter Hauptbahnhofs
          Noch im Bau: Zentrale der DB Netz AG an der Nordseite des Gleisvorfelds des Frankfurter Hauptbahnhofs : Bild: Lando Hass

          Das zweite Großprojekt ist der Bau der neuen Zentrale für die DB Netz AG, die bisher an der Theodor-Heuss-Allee seitlich des Messegeländes untergebracht ist. Die wichtige Tochtergesellschaft, die sich um die Unterhaltung des Streckennetzes und den Betrieb kümmert, zieht im März nächsten Jahres in einen schon weitgehend fertiggestellten Gebäudekomplex an der Adam-Riese-Straße, die seitlich von der Straße abzweigt, die durch den Hafentunnel führt. Am besten sieht man die langgestreckten Gebäude vom Gleisvorfeld vor dem Hauptbahnhof, wenn man nach Norden blickt. Dort wird es 2200 Arbeitsplätze geben.

          Wie Klaus Vornhusen, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für Hessen, erläutert, werden die beiden neuen Gebäude auch dazu genutzt, die große Zahl der Niederlassungen des Konzerns in der Stadt und der Region zu reduzieren. Derzeit unterhalte der Konzern in Frankfurt 28.000 Arbeitsplätze, darunter 18.000 in Büros in 54 gemieteten Gebäuden (siehe Karte).

          Mobiles Arbeiten soll zum Regelfall werden

          Die Deutsche Bahn will den Umzug in die neuen Häuser dazu nutzen, ihre Büroarbeitsplätze zu modernisieren. So war schon vor der Corona-Pandemie geplant, dass mobiles Arbeiten in vielen Abteilungen zum Regelfall werden soll. Wer unbedingt wolle, könne natürlich auch ins Büro kommen, sagt Claudia Bernklau, auf deren Visitenkarte „Leiterin Großprojekte Bürostandorte“ steht. So werden dem Gebäude an der Europaallee mit seinen 2250 Arbeitsplätzen 3000 Mitarbeiter zugeordnet. Die Rede ist von einer „offenen Büroraumstruktur“ und einer „tätigkeitsbasierten Gestaltung des Arbeitsumfeldes“, was nach den Worten von Bernklau bedeuten kann, dass ein Mitarbeiter mehrmals am Tag seinen Arbeitsplatz wechselt, je nachdem, was er gerade tut. Generell sollten Routinearbeiten eher von zu Hause aus erledigt werden.

          Ehemaliges Gebäude: Der bisherige Verwaltungssitz an der Stephensonstraße im Stadtteil Gallus, den die Deutsche Bahn verlassen wird
          Ehemaliges Gebäude: Der bisherige Verwaltungssitz an der Stephensonstraße im Stadtteil Gallus, den die Deutsche Bahn verlassen wird : Bild: Victor Hedwig

          Im Büro werde sich die Belegschaft vor allem zur Projektarbeit treffen. Etwas konservativer ist die Arbeitswelt in der Netz-Zentrale, dort stehen den 2200 Arbeitsplätzen auch 2200 Mitarbeiter gegenüber. Weitläufige, offene Büros sind jedoch auch dort geplant. Bernklau und Ralf Hilgemann, Leiter Kundenteam Büro, heben hervor, bei beiden Gebäuden sei das letzte Wort über das Bürokonzept noch nicht gesprochen, womöglich werde es als Folge der Corona-Krise überarbeitet. Beide streichen heraus, sie wollten mit den modernen Arbeitswelten in den beiden Gebäudekomplexen auch den Wandel der Unternehmenskultur im Staatskonzern zum Ausdruck bringen. Immobilien müssten so errichtet werden, dass sie Flexibilität ermöglichten.

          Wichtige Verwaltungsstandorte unterhält die Bahn in der Region auch außerhalb des engeren Frankfurter Stadtgebiets. So ist die Logistiksparte DB Schenker in dem Alpha Rotex genannten Gebäude im Stadtteil Gateway Gardens beheimatet sowie in Eschborn, die Frachttochter DB Cargo in Mainz. Auf eines allerdings werden die Frankfurter verzichten müssen: Vor dem einst als Bundesbahn-Zentrale geplanten Bau im Gallus standen bis vor kurzem eine alte Elektrolok und ein historischer Speisewagen und machten damit klar, für welchen Konzern nebenan gearbeitet wurde. Für solche Symbole, heißt es, sei künftig weder vor dem „Campus Personenverkehr“ noch vor der DB-Netz-Zentrale Platz.

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