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Holger Bengs : Der Mann für ganz besondere Speed-Datings

Seine eigene Marke: Holger Bengs Bild: Bäuml, Lucas

Sein Anzug ist tintenblau, seine Krawatte orange. Holger Bengs hat es binnen weniger Jahre geschafft, seine eigene Marke zu verkörpern. Und zwar mit einem für die Chemiebranche ungewöhnlichen Angebot.

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          Holger Bengs kommt in einem tintenblauen Anzug zum Gespräch. Zum weißen Hemd trägt er eine Krawatte in Orange. Was auch sonst? Gehört dieses Outfit doch zu seinem Markenauftritt. „Eigen-Branding“ heißt das auf Neudeutsch. Der Schlips führt Beobachter aber bisweilen auf die falsche Fährte. „Manch einer meint deshalb, ich sei ein Holländer“, berichtet Bengs lachend. Seine Wiege stand vor 56 Jahren jedoch in Hannover.

          Thorsten Winter
          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Längst begreift sich Bengs als Wahlfrankfurter. In dieser Stadt hat er nach dem Chemiestudium in Mainz und seiner Doktorarbeit seinen Einstieg ins Berufsleben geschafft. Das war bei der Hoechst AG im Herbst 1993 – einer für seinen Berufsstand schlechten Zeit, wie er sich erinnert. „Ich habe die letzte Welle an Einstellungen in der Hoechst-Forschung mitgemacht“, sagt Bengs.

          „Vier Börsengänge - am Tag“

          Wenige Jahre nach seinem Eintritt in den damals größten Konzern seiner Art weltweit spaltete Vorstandschef Jürgen Dormann das Unternehmen auf. Dem Jungchemiker aus Hannover blieb aber genügend Zeit, sich mit einem seinerzeit recht neuen Geschäftsfeld vertraut zu machen – der Biotechnologie.

          Während eines längeren Zwischenspiels als Finanzjournalist hat er zwar nicht nur über Börsengänge von Biotechnologie-Firmen geschrieben („Damals hatten wir zum Teil vier Börsengänge in Frankfurt - am Tag“) - aber eben auch. Diese Zweigbranche lässt ihn bis heute nicht los.

          Ungewohntes Format in der Chemie

          Wer Bengs heute in einem der Nachfolgeunternehmen von Hoechst sucht, wird ihn dort nicht finden. Weder bei Celanese noch bei Clariant oder Sanofi. Zwar gehört er weiter zur Chemiebranche, doch verdient er sein Geld als Selbständiger mit einem für diesen konservativen Wirtschaftszweig ungewöhnlichen Format: Bengs veranstaltet ein Speed-Dating für Unternehmer aus der chemischen Industrie. Es soll Leute einander nahebringen, die zwar nichts voneinander wissen, aber gute Geschäfte miteinander machen könnten. Menschen, die nicht wissen, dass sie miteinander reden sollten. Um Aufmerksamkeit für ein solches Konzept zu erlangen, kann eine Signalfarbe wie Orange im persönlichen Auftritt nicht schaden – zumal sie im Kontrast zum edlen Blau steht.

          Im Oktober 2016 kam ihm die Idee, ein „European Chemistry Partnering“ anzubieten. Im Februar darauf lud er zum ersten Treffen dieser Art. „Wir haben 50 Leute erwartet, 130 kamen“, sagt der Mann mit der Figur eines Läufers nicht ohne Stolz. „Ich hätte noch mehr Eintrittskarten verkaufen können.“

          „Entlang der gesamten Wertschöpfungskette“

          Im vergangenen Jahr trafen sich dann schon 500 Männer und Frauen im Messe-Haus Kap Europa. Und in diesem Jahr waren es mehr als 800. Gut 2000 Partnering-Gespräche hätten sie geführt. Dabei ging es um „alle Themen entlang der gesamten Wertschöpfungskette“, wie der Veranstalter es formuliert, und es ging interdisziplinär zu. Biologen und Chemiker waren ebenso unter den Gästen wie IT-Spezialisten.

          Interdisziplinarität hat Bengs nach seinen Worten einst bei Hoechst gelernt. Außerdem war der Konzern international ausgerichtet. Dazu passt gut, dass auch die Gäste des Speed-Datings im Kap Europa außer aus Deutschland aus einer Vielzahl von Staaten kommen. Australier, Israelis, Finnen, Koreaner und Marokkaner gesellten sich zu Leuten aus Brasilien, Nordamerika, Japan und Saudi-Arabien.

          Bengs hat es binnen weniger Jahre nicht nur geschafft, seine eigene Marke zu verkörpern. Er darf sich mittlerweile auch Frankfurter Kongressbotschafter nennen. „Ich liebe diese Stadt“, sagt er mit herzlichem Lachen. Ein Grund dafür ist klar: „Frankfurt ist ein Chemiestandort.“

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