https://www.faz.net/-gzg-9gj52

Vaamo im Fünften Jahr : Der leise Indexfonds-Vermittler

Testlauf: Auf Litfasssäulen warb Vaamo in seiner Anfangszeit für sich Bild: Unternehmen

Vaamo war mit seiner Finanz-App früher am Markt als Konkurrenten. In der Öffentlichkeit macht das Fintech aber vergleichsweise wenig von sich reden. Auf Kundenfang ist im Netz - aber nicht nur.

          Welcher Kalenderspruch passt am besten zu diesem Vertreter einer jungen Branche, die Großbanken nervös macht? „Der frühe Vogel fängt den Wurm“ bietet sich auf den ersten Blick an. Denn Oliver Vins und Thomas Bloch waren 2013 mit der Gründung ihres Fintechs Vaamo in Frankfurt ihrer Zeit voraus. Privatanlegern kostengünstige Indexfonds auf Aktien und Anleihen anzubieten und das Portfolio per Computer zusammenzustellen war hierzulande Neuland. Zumal die Kunden ihre Geschäfte über eine App abwickeln.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Allerdings passt noch eine Weisheit auf die Firma aus dem Stadtteil Gallus: „Die Letzten werden die Ersten sein.“ Denn jüngere Mitbewerber haben Vaamo in der öffentlichen Wahrnehmung hinter sich gelassen. Scalable aus München und Ginmon aus Frankfurt etwa machen weit mehr von sich reden. Dabei landet Vaamo in Vergleichstests meist weit vorne. Grund genug, fünf Jahre nach der Gründung nachzufragen, wie es dem leisen Indexfonds-Vermittler geht. Schließlich wird über Robo-Advisors auch im Verlauf der Euro Finance Week geredet.

          15 Mitarbeiter derzeit

          Obwohl es beim Geschäft von Vaamo um Geld geht und die Summe der von diesem Fintech verwalteten Mittel Aufschluss über den Fortschritt geben kann, behält Vins diesen Betrag für sich. Vaamo will sich nach seinen Worten nicht über diese Summe vergleichen lassen. Sich darauf zu konzentrieren, lenke vom Geschäft ab, meint er. Zudem verlaufe das Wachstum unterschiedlich. „Aber wir wachsen.“ Seine 15 Mitarbeiter starke Firma betreue eine hohe vierstellige Zahl an Kunden.

          Das Wachstum spiegelt sich demnach aber nicht nur in der steigenden Zahl an Anlegern wider. Zudem vertrauen Sparer mittlerweile einen höheren Anteil ihres Geldes ihren Vaamo-Portfolio an als zu Beginn, wie der promovierte Ökonom und ehemalige Mitarbeiter der Deutschen Bank erläutert. Und: „Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass wir durchschnittlich 15 bis 20 Prozent der Kapitalanlagen unserer Kunden haben.“ Unter ihnen seien Anleger, die ihr gesamtes Geld von Vaamo betreuen ließen.

          Klare Empfehlungen für Neukunden

          Sparer spricht Vaamo nicht mit teurer Werbung an, sondern über Vergleichsportale und Finanzforen im Netz. Wer über dieses Fintechs Geld anlegen will, durchläuft online einen Fragebogen. Im Vergleich zur Anfangszeit sind mehr Fragen zu beantworten. Anhand der Antworten findet die Software heraus, wie viel Risiko der Sparer zu tragen bereit ist und welche Sparziele er sich setzt, welche Verluste er sich im Zweifel leisten kann und wie hoch sein Startbetrag sein darf. Die Höhe der monatlichen Rate im Falle eines Sparplans nicht zu vergessen. Anhand dieser Daten empfiehlt Vaamo ein Portfolio.

          Diese Vorgehensweise unterscheidet das Konzept von jenem der Anfangszeit, in der sich der Interessent selbst ein Portfolio aussuchen musste. Wählen konnte der Anleger nur zwischen drei Modellen: erstens für Risikofreudige 80 Prozent Aktien und 20 Prozent Zinspapiere, zweitens 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen für Anhänger eines ausgewogenen Portfolios oder drittens 40 Prozent Aktien und 60 Prozent Zinstitel für Leute, die mehr Wert auf Sicherheit legen. In jedem Fall wird das Geld in Indexfonds investiert, in denen ihrerseits Aktien oder Anleihen aus aller Welt liegen.

          Vor zwei Jahren stellte Vaamo sein Angebot um. In der seitdem geltenden Vermögensverwaltung bietet das Fintech nicht mehr nur jene drei Risikoklassen an, sondern 15. Angefangen von einem nur aus Aktien-Indexfonds bestehenden Portfolio, geht es in Fünferschritten mehr in Richtung Sicherheit. So empfiehlt Vaamo anhand der Antworten des Kunden etwa 85 Prozent Aktien und 15 Prozent Anleihen oder auch 70 Prozent Zinstitel und 30 Prozent Aktien. Einen noch geringeren Anteil von Aktien-Indexfonds sieht das Fintech derzeit nicht vor. Denn: Der Ertrag komme angesichts der Magerzinsen aus Aktien, sagt Vins.

          Überschaubare Gebühren

          Für seine Dienste kassiert das Fintech eine Servicegebühr. Bis 100.000 Euro durchschnittliches Anlagevolumen sind es überschaubare 0,79 Prozent, wer mehr anlegt, zahlt 0,49 Prozent.

          Profitabel ist Vaamo im fünften Jahr seiner Geschäftstätigkeit noch nicht, wie Vins zugibt. „Das wird noch ein bis zwei Jahre dauern.“ Für den Sprung über die Gewinnschwelle müsse die Summe der verwalteten Vermögenswerte über der Marke von einer Milliarde Euro liegen. „Davon sind wir noch ein gutes Stück weit entfernt.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Sie geht, aber erst später. Theresa May hat ihren Rückzug bis 2022 angekündigt.

          Liveblog zum Misstrauensvotum : Abstimmung über May hat begonnen

          May will vor der nächsten Parlamentswahl abtreten +++ Ergebnis des Misstrauensvotums wird am Mittwochabend erwartet +++ Buchmacher rechnen damit, dass May im Amt bleibt +++ Verfolgen Sie die Brexit-Entwicklungen im FAZ.NET-Liveblog.

          Anschlag auf Weihnachtsmarkt : Wo liegt Straßburg nochmal?

          Die Nachricht vom Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt in Straßburg hat die großen deutschen Fernsehsender nicht aus den Konzept gebracht. Die Frage ist nur, was für ein Konzept das ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.