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Plus von 155 Prozent : Neue „Digital City“ als kleiner Gewerbesteuerkönig

Neuansiedlung: Datencenter von E-Shelter in Hattersheim Bild: Michael Kretzer

Auch wenn der Auftragseingang der Industrie seit Monaten nach unten zeigt und der Umsatz fällt, steigt das Aufkommen an Gewerbesteuer in Hessen weiter. Ein spektakuläres Plus hat zuletzt eine Kommune im Frankfurter Speckgürtel erzielt.

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          Keine Frage, die Wirtschaft läuft auch in Hessen nicht mehr so rund wie noch vor einigen Monaten. Im Juni erlösten die Industriebetriebe zwar 9,5 Milliarden Euro – das war aber glatt ein Zehntel weniger als vor Jahresfrist, wie das Statistische Landesamt gemeldet hat. Noch stärker ging zum Ende des zweiten Quartals der Auftragseingang im produzierenden und verarbeitenden Gewerbe zurück. Er sank um fast 15 Prozent. Auch im Einzelhandel gingen die Umsätze zuletzt zurück. Dagegen steigt die Gewerbesteuer weiter.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Kommunen in Hessen konnten sich im ersten Halbjahr alles in allem über ein Plus von fast 14 Prozent freuen im Vergleich zu den ersten Monaten des Vorjahres. In Summe kamen 2,8 Milliarden Euro zusammen, wie die Statistiker in Wiesbaden berichten. Die Stadt Frankfurt nahm demnach 37 Prozent der Hessensumme ein; keiner Kommune zwischen Kassel und dem Odenwald fließen so viele Gewerbesteuern zu wie der Stadt am Main. Im Berichtszeitraum waren es 1,046 Milliarden Euro, laut Statistik 23 Prozent mehr als vor einem Jahr. Wiesbaden kam auf 170 Millionen Euro und Darmstadt auf 51 Millionen Euro.

          Doch gemessen an der prozentualen Steigerung sticht eine Stadt im Speckgürtel Frankfurts heraus: Hattersheim hat zwar zuletzt nur 12,7 Millionen Euro eingenommen, aber ein Plus von fast 155 Prozent erzielt.

          Neuansiedlungen von Firmen

          Hattersheim hat in der jüngeren Vergangenheit von Firmenansiedlungen profitiert. So zog schon vor einigen Jahren unter anderem der Maschinenbauer Polyclip von Frankfurt in die Main-Taunus-Stadt. Polyclip gilt als führend auf seinem Gebiet. Der Chemiekonzern Kuraray hat seine Europazentrale dort hin verlegt. Auch die Trevira GmbH ist dort ansässig. In diesem Jahr erregte Hattersheim überregional Aufsehen durch eine Großinvestition des Frankfurter Rechenzentrumsbetreibers E-Shelter. Rund 400 Millionen Euro will das Unternehmen in Gewerbegebiet an der Voltastraße investieren. In den ersten Bauabschnitt sind 70 Millionen Euro geflossen. Auch sitzt die Konzerntochter E-Shelter Service GmbH mittlerweile in Hattersheim.

          Die Rechenzentrumsbranche gilt als sehr profitabel. Mitte Juli gab der Main-Taunus-Kreis den Verkauf des Areals Kastengrund für 57 Millionen Euro an einen nicht genannten Rechenzentrumsbetreiber bekannt. Landrat Michael Cyriax meinte jüngst, Hattersheim entwickele sich zur „Digital City“ des Kreises.

          Rechnerisches Minus von 124 Prozent

          Den Zahlen der Statistiker für das erste Halbjahr liegen die Gewerbesteuer-Vorauszahlungen in allen 423 Gemeinden in Hessen zugrunde, wie es heißt. Aus den Zahlen ergibt sich laut Landesamt, dass Gedern unter dem Strich 420.000 Euro Gewerbesteuern erstatten musste, ein rechnerisches Minus von 124 Prozent. Darmstadt nahm demnach 39 Millionen Euro weniger ein und Lampertheim sogar 50 Prozent weniger; dieser Stadt blieben ganze 3,7 Millionen Euro, wie es heißt.

          Wie aus Zahlenreihe des Landesamts folgt, steigt das Gewerbesteueraufkommen in Hessen tendenziell seit dem ersten Halbjahr 2010. Das schließt Rücksetzer in einigen Quartalen ein.

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