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Ceiops : Der große Auftritt der unbekannten Aufseher

Im 14. Stock des Westhafentowers (Mitte) sitzt die europäische Versicherungsaufsicht Ceiops Bild: Christian Burkert

Seit 2004 arbeitet Europas Versicherungsaufsicht Ceiops von Frankfurt aus. An diesem Dienstag hat die Institution, die bisher über Fachkreise hinaus kaum bekannt ist, ihren großen Auftritt bei der „Euro Finance Week“.

          Wenn Carlos Montalvo hinter seinem Schreibtisch im Westhafentower den Kopf hebt, schaut er über den Main auf die Frankfurter Vertretung der Allianz. Schon an seinem Arbeitsplatz in Madrid, wo er bis Ende Oktober tätig war, hatte der Spanier eine Filiale dieses Versicherungskonzerns vor Augen. Doch das fügt sich: Montalvo zeichnet seit Anfang November als neuer Generalsekretär des Committee of European Insurances and Occupational Pensions Supervisors, kurz Ceiops. Hinter dem Kürzel verbirgt sich die europäische Versicherungsaufsicht. Das ist eine Institution, die sich seit Juni 2004 von Frankfurt aus ums geeinte Europa verdient machen will – aber von der Öffentlichkeit unbeobachtet arbeitet.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zwar hatte der Zuschlag für Frankfurt seinerzeit für Wirbel gesorgt, weil die Stadt wegen der großen Rolle des Kreditgewerbes und der Europäischen Zentralbank lieber die Bankenaufsicht gehabt hätte, schließlich ist sie als Versicherungsstandort nur die Nummer vier in Deutschland hinter München, Köln und Hamburg, wie Wolfram Wrabetz, Hessens Versicherungsbeauftragter, sagt. Doch die Aufregung legte sich bald – und mit ihr die Aufmerksamkeit, die Ceiops zuteil wurde. Montalvo gibt das freimütig zu: „Wer ist Ceiops? Fast niemand weiß das.“ In der Versicherungswirtschaft ist Ceiops gleichwohl eine fest Größe und hat heute bei der „Euro Finance Week“ im Kongress-Zentrum der Messe Frankfurt ihren großen Auftritt. Dort ist Ceiops eine ganztätige Konferenz gewidmet – und „mit eine der größten Veranstaltungen bei der Finance Week“, wie Wrabetz hervorhebt.

          Verbraucherschutz im Blick

          Im Mittelpunkt der Konferenz steht „Solvency II“, eine neue Leitlinie für die europäischen Versicherer. Dabei geht es um die Frage, wie die Unternehmen mit dem Geld umgehen, das Kunden ihnen anvertraut haben. „Nehmen wir an, jemand schließt eine Autoversicherung ab. Dann erwartet er, dass die Versicherung den Schaden auch begleichen kann, wenn sie zahlen muss“, erläutert Montalvo. Mit Blick auf die Altersvorsorge wird das Ziel von Ceiops besonders deutlich: Wer jetzt Mitte Dreißig ist und eine private Rentenversicherung abschließt, muss davon ausgehen können, dass sein Vertragspartner auch in dreißig Jahren noch existiert und die Rente dauerhaft zahlt. Dabei geht es letztlich um viele Jahrzehnte.

          Was banal klingt, hat durchaus seine Berechtigung. Zur Erinnerung: 2002 geriet die Mannheimer Lebensversicherung in arge Bedrängnis. Die Branche gründete die Gesellschaft Protektor, um den Bestand der notleidenden Versicherung zu übernehmen; Protektor wurde später vom Bund beauftragt, als Sicherungseinrichtung für die deutschen Lebensversicherer und Pensionsfonds zu dienen. Vor diesem Hintergrund soll „Solvency II“ europaweit verbindlich Vorgaben zum Eigenkapital, Risikomanagement und Transparenz des Finanzgebarens machen.

          Unabhängig von der Europäischen Kommission

          Vordergründig zielt Ceiops darauf, das Assekuranzwesen in der Europäischen Union zu harmonisieren und finanzielle Stabilität zu gewährleisten, wie Montalvo sagt. Zu diesem Zweck spricht Ceiops nicht mit nationalen Aufsichtsbehörden und Versicherern, Ratingagenturen, die die Kreditwürdigkeit von Gesellschaften benoten, Gewerkschaften und Verbraucherorganisationen. „Wir sind eine Plattform für Kommunikation in Versicherungsfrage.“ Von der Ceiops-Arbeit sollen aber vor allem die Kunden der Versicherer profitieren. „Letztlich dient dies dem Verbraucherschutz“, sagt Wrabetz.

          Montalvo legt Wert darauf, für eine Institution zu stehen, die Europäpolitiker berät – und nicht für eine nachgelagerte Behörde der Europäischen Kommission: „Wir sind unabhängig.“ Mit Blick auf die Finanzen zeigt sich dies am Budget. Das Geld für Gehälter und Arbeit der elf, aus sieben Ländern stammenden Mitarbeiter fließt aus den Kassen der nationalen Aufsichtsbehörden, die einen Topf füllen. 2,5 Millionen Euro stehen 2007 bereit.

          Für Frankfurt ist schon die Präsenz von Ceiops günstig: In der jüngeren Vergangenheit haben zwei Versicherer aus Amerika Büros in der Stadt eröffnet. „Das hat nicht nur, aber auch mit Ceiops zu tun“, sagt Wrabetz.

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