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Der Geschäftsgang : Ein Buchladen für Feinschmecker

Auslese: Die Buchhandlung Weltenleser am Oeder Weg in Frankfurt hat ein ganz besonderes Programm. Bild: Wohlfahrt, Rainer

Die Buchhandlung Weltenleser in Frankfurt liegt etwas versteckt und kann leicht übersehen werden. Ihre Buchauswahl ist besonders.

          Sie liegt hinter einem hässlichen Waschbeton-Klotz, und beinahe hätten wir das kleine Schmuckstück übersehen. Weltenleser heißt die neue Buchhandlung am Oeder Weg in Frankfurt, in der bis Ende 2013 das Antiquariat „Der Rabe“ untergebracht war. Sinkende Umsätze und eine Mieterhöhung hatten den Inhaber Joachim Walter veranlasst, sein Geschäft aufzugeben. Eingezogen sind im Frühjahr Almut Kläs und Lucia Klöcker, zwei bücherbegeisterte Damen, 55 und 60 Jahre alt, die sich viele Jahre lang in der Schulbibliothek des Kaiserin-Friedrich-Gymnasiums in Bad Homburg mit Büchern beschäftigt und ehrenamtlich engagiert haben - wie das so ist. In ihren Berufen - Klöcker ist promovierte Juristin, Kläs Publizistin - haben beide nie gearbeitet.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nun sind die Kinder aus dem Haus, und die beiden Mütter haben auf 80 Quadratmetern das gemacht, was sie selbst „einen Lebenstraum verwirklichen“ nennen. Ein waghalsiges Unterfangen, könnte man meinen - da doch viele kleine Buchhandlungen ums Überleben kämpfen, weil immer mehr Bücher im Internet bestellt werden. Doch die beiden Quereinsteigerinnen sind mit Elan bei der Sache und ziehen das Projekt recht professionell durch. Zugute kommt ihnen dabei, wie sie freimütig eingestehen, gutsituiert zu sein und nicht vom Geschäft leben zu müssen.

          Bücher sind nach Handlungsorten sortiert

          Beim Umbau wurde nicht gespart. Von der Decke bis zum Fußboden ist alles neu. Bücherregale (dunkles Furnier) und andere Möbel wurden nach den Ideen der Buchhändlerinnen gebaut. Einrichtungsdetails wie eine Sitzgruppe mit Sesseln und Beistelltisch im Biedermeierstil oder Hängeleuchten aus Porzellan geben dem Raum eine Wohnzimmer-Note. Kinder können an einer alten Schulbank Platz nehmen. Von praktischem Verstand zeugen Sitzkissen zwischen Bücherkissen auf Heizungs- und Schubladensockeln.

          Die Bücher sind nach Regionen und Ländern geordnet, daran muss man sich erst gewöhnen. Ein Roman steht dort, wo er spielt, eine Biographie dort, wo die porträtierte Person gelebt hat. Das heißt: Die Hemingway-Biographie ist im Nordamerika-Regal zu finden ist, seine Novelle „Der alte Mann und das Meer“ dagegen bei Lateinamerika. Und so kommt es, dass der Kunde zwischen den Bücher-Welten zu stöbern anfängt. Eine gute Idee.

          Das Sortiment umfasst klassische und moderne Belletristik, Reiseliteratur, Biographien, Text- und Fotobände, aber auch anspruchsvolle Kinder- und Jugendbücher. Gleichwohl: Weltenleser ist etwas für Feinschmecker. „Wir kaufen nicht die Bestsellerliste ungeprüft rauf und runter“, heißt es. „Wir verkaufen nur das, von dem wir überzeugt sind.“ Dazu zählen auch Bücher, die besonders aufgemacht sind, wie etwa „Das schwarze Buch der Farben“ (Fischer Schatzinsel), in dem Farben mit Worten (auch in Blindenschrift) beschrieben sind und Motive ertastet werden können. Oder Bücher kleiner Verlage wie der Roman „Manja“ von Anna Gmeyner, erschienen im Persona Verlag, der das Leben fünf unterschiedlicher Familien in einer deutschen Stadt in den Jahren von 1920 bis 1934 erzählt. Oder die Titel weniger bekannter Autoren wie Tschingis Aitmatow.

          Auffällig ist, wie viel über Literatur in der Buchhandlung gesprochen wird. Als Mithörer spitzt man die Ohren, um ja keinen Tipp zu verpassen. So wird die Wunschliste länger. Beseelt tritt man wieder auf die Straße und wünscht sich, jemand würde endlich den Klotz vor der Tür zur Seite schieben.

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