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JP Morgan Corporate Challenge : Wenn die Chefin mit Barock-Kommode auf dem Kopf joggt

  • -Aktualisiert am

Minimöbel inklusive: Das Team der Frankfurter Restaurierungswerkstatt um Chefin Barbara Naumburg (rechts) hat sich für den Firmenlauf besonders vorbereitet Bild: Wolfgang Eilmes

Wer nicht mitläuft, kommt nicht vorwärts. Am 12. Juni schiebt sich wieder der J.P.-Morgan-Firmenlauf durch Frankfurts City. Er ist mehr als nur ein Rennen. Wer mitmachen will, muss sich sputen.

          Bedarf an Maßnahmen zum Teambuilding hat Barbara Naumburg nicht. „Wir arbeiten täglich neun Stunden zusammen, da müssten wir nicht auch noch unseren Feierabend miteinander verbringen“, sagt die Inhaberin einer Restaurierungswerkstatt, das Miteinander in ihrer Firma stimme. Aber wenn es Spaß macht, darf der Tag schon mal lang werden. Deshalb starten sie und ihre vier Kolleginnen auch in diesem Jahr beim großen Firmenlauf, mit dem die amerikanische Großbank J.P.Morgan ihren Namen in die Welt trägt und der in Frankfurt wieder mehr als 60.000 Menschen auf die Straße bringen wird. Angst, in dieser Masse unterzugehen, haben die Handwerkerinnen aus Frankfurt-Bockenheim nicht. Frauen, die Möbel auf dem Kopf tragen, fallen sogar unter Tausenden auf.

          Was später als Gag gut ankommen wird, ist feinste Handarbeit. Für den Auftritt am 12. Juni hat Naumburg gerade eine Kommode im Stile des Barocks fertiggestellt. Deren Grundform hat sie aus einem leichten, aber stabilen Schaumstoff herausgeschliffen, danach den Rohling mehrfach lackiert und mit feinem Pinsel eine Holzmaserung aufgemalt. Dazu formte sie minikleine Beschläge und befestigte das Möbel schließlich mit Drähten an einer Kappe. Die wartet nun neben den Mützen mit dem Frankfurter Schrank, dem Tisch und dem Sofa auf den Startschuss. "Wenn ich etwas mache, dann hundertprozentig", kommentiert Naumburg, die sich vor genau 25 Jahren selbständig gemacht hat, ihre eigene Akribie.

          „Erlebnis außerhalb des Berufsalltags“

          Auffallen gehört zur J.P.Morgan Corporate Challenge, wie der Lauf offiziell heißt, dazu. Die Mehrheit der Teilnehmer greift dafür auf frech gestaltete Mannschaftstrikots zurück. Aber auch mit besonders vielen Mitläufern, guten Zeiten auf der 5,6 Kilometer langen Strecke durch die Frankfurter Innenstadt oder einer ordentlichen Sause am Ziel können die Mannschaften von sich und ihren Arbeitgebern reden machen.

          „Der Lauf ist ein besonderes Erlebnis außerhalb des Berufsalltags, das verbindet“, sagt Dorothee Blessing, CEO unter anderem der deutschen Tochter, der J.P.Morgan AG, die als trainierte Läuferin traditionell mit an den Start geht und das auch in diesem Jahr plant.

          Diese Botschaft überzeugt vor allem Unternehmen in der Rhein-Main-Region. Hier schlägt Frankfurt tatsächlich New York: In der amerikanischen Metropole, in der der Stammsitz von J.P.Morgan Chase steht, gehen um die 30000 Menschen auf die Straße, im kleinen Frankfurt waren im vergangenen Jahr 63870 Männer und Frauen aus 2388 Firmen dabei. Bei der ersten Runde, 1993, rannten gerade 500 Arbeitnehmer durch die Stadt.

          Die Läufer spenden

          So viele Menschen bringen heute einzelne Unternehmen an den Start. Am Mainufer kann man sie in diesen Tagen wieder treffen, die Laufgruppen aus Kanzleien, Konzernen und Kreditinstituten, die sich in der Mittagspause fit für das große Rennen machen. Fürs Training bleiben noch etliche Tage, die ehrenamtlichen Organisatoren sind hingegen im Schlussspurt: Bis zum 6. Mai müssen alle Läufer angemeldet sein.

          Das, so wollen es die Veranstalter, darf nur der Teamcaptain erledigen. Im Falle der möbelbehüteten Handwerkerinnen hält sich der Aufwand in Grenzen. Aber in größeren Firmen bedarf es nicht selten mehr als eines enthusiastischen Kollegen, um vom Anmeldeverfahren über die Anreise bis zur Reservierung einer Partyfläche samt Musik und Catering in der Zielzone alles zu organisieren.

          Miteinander am Arbeitsplatz leichter

          Spitzenreiter mit zuletzt 1389 Startern ist die Lufthansa. „Wir machen das in unserem Orga-Team schon viele Jahre“, berichtet Wolfram Sickenberger, seit mehr als zwei Jahrzehnten Teamchef der Airline. Die Mittagspausen oder auch Wochenenden nutzen er und seine Mitstreiter dafür, dass der 12. Juni für die Kollegen wirklich ein Spaß wird. Für den Marathon-Läufer dürfte die sportliche Seite der Veranstaltung eher lächerlich sein, seine Motivation ist eine andere: Zwischen den Kollegen entstünden an diesem Tag Kontakte, die auch das Miteinander am Arbeitsplatz leichter machten. Ob Flugzeugmechaniker, Controller, Steward oder Flugkapitän - an diesem einen Tag eint sie mehr als sonst im Alltagstrott.

          So erlebt es auch Dorothee Blessing. Die Frage, ob sich die J.P.-Morgan-Banker tatsächlich trauten, inmitten des meist eher langsamen Läuferfelds unbefangen mit ihrer Vorstandsvorsitzenden zu plaudern, lässt sie zwar offen, aber im Allgemeinen gehe es genau darum: „Natürlich schweißen ein gemeinsamer Lauf und ein solches Event ganz anders zusammen, und es kommen auch andere Themen zur Sprache, losgelöst vom Beruf“, sagt Dorothee Blessing.

          Das Lauferlebnis wirkt nicht nur im Betriebsklima nach. Zwei Euro der meist vom Arbeitgeber übernommenen Startgebühr von 25 Euro sind als Spende für die Unterstützung des Behindertensportes vorgesehen, J. P. Morgan verdoppelt die jeweilige Summe, so dass der Stiftung Deutsche Sporthilfe und der Deutschen Behindertensportjugend alljährlich mehr als eine Viertelmillion Euro für Sportprojekte in der gesamten Republik übergeben werden.

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