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Das Verbraucherthema : Neuer Vorstoß für die Geldkarte

Zahlen im Vorbeigehen: EC-Karten mit Girogo-Funkchip funktionieren auch im Parkhaus des Klinikums Frankfurt-Höchst. Bild: Cornelia Sick

In Frankfurter Parkhäusern können Autofahrer neuerdings per EC-Karte mit Funkchip zahlen. „Girogo“ heißt die Fortentwicklung der Guthaben-Geldkarte, an die aber nur noch die Sparkassen glauben.

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          Geldkarte? „Habe ich einmal ausprobiert.“ Girogo? „Kann man das essen?“, fragt der Kollege, und stellt beim Blick auf seine EC-Karte der Frankfurter Sparkasse erstaunt fest, dass die Karte eine Girogo-Funktion hat. Damit ist das meiste schon gesagt: Verbraucher in Deutschland zahlen am liebsten bar oder mit EC-Karte (inzwischen Girocard). Und sie vermissen offenbar die kontaktlosen Bezahlsysteme via Handy oder Kreditkarte nicht, die Computerkonzerne wie Apple und internationale Kartenorganisationen wie Visa und Mastercard auch in Europa eifrig vorantreiben wollen.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die deutsche Kreditwirtschaft geht ihren eigenen Weg. Girogo heißt die Kontaktlos-Technologie hierzulande. Dabei handelt es sich um die Weiterentwicklung der Geldkarte – so heißt die EC-Karte, die schon seit mehr als 18 Jahren das Zahlen kleiner Beträge über ein auf einem Chip aufgeladenes Guthaben von höchstens 200 Euro erlaubt. Vor allem für Fahrkarten, Parkscheine und zur Altersüberprüfung an Zigarettenautomaten wird die Geldkarte genutzt.

          Bezahlen von Beträgen bis 20 Euro

          Der Vorteil für den Verbraucher: Statt mühsam nach den passenden Geldstücken zu suchen, muss er die Karte einfach in den Automaten-Schlitz stecken. Mit der Girogo-Funktion ist das Zahlen noch einfacher. In diesem Fall arbeitet die EC-Kontokarte mit einem Funk-Chip und muss nur noch an ein Lesegerät gehalten werden. Technische Basis ist die sogenannte Nahfeldkommunikation (NFC). Anders als bei der Geldkarte können mit Girogo nur Beträge bis 20 Euro gezahlt werden.

          Doch richtige Akzeptanz hat die Geldkarte nie gefunden, weshalb sich die Volks- und Raiffeisenbanken im vergangenen Jahr nach einem Girogo-Testlauf in der Region Hannover, Braunschweig, Wolfsburg, der die Geldkarte neu beleben sollte, aus dem System verabschiedeten.

          Die Sparkassen bleiben bei der Stange. Die Finanzgruppe sehe in dem NFC-Standard die „Technologie der Zukunft“ und investiere entsprechend, auch um sich mit den schon gemachten Erfahrungen einen Wettbewerbsvorteil zu erarbeiten, sagt ein Sprecher der Frankfurter Sparkasse. Sie habe bisher rund 315.000 Karten mit Girogo-Funktion ausgegeben. Bundesweit sollen es bis Mitte des Jahres etwa 45Millionen sein. Erste Erfahrungen mit Girogo seien sehr positiv, das Verfahren werde von den Kunden angenommen, sagt der Sprecher und nennt als Beispiel den öffentlichen Nahverkehr und Parkhäuser.

          Vorteil von Girogo nicht ganz klar

          „Wir machen gute Erfahrungen mit der Geldkarte“, bestätigt Michael Bachmann, Geschäftsführer der städtischen Parkhaus-Betriebsgesellschaft, die 26 Parkhäuser in Frankfurt in ihrer Obhut hat und in 19 davon seit Dezember die Funktion Girogo am Kassenautomaten anbietet. „Im Vergleich zum sonstigen Einzelhandel wird die Geldkarte bei uns überdurchschnittlich genutzt“, sagt Bachmann.

          Das kommt nicht von ungefähr. Das System ist für Nutzer der städtisch betriebener Parkhäuser sehr komfortabel. Kunden öffnen damit beim Einfahren die Schranke, und beim Ausfahren wird der Betrag automatisch abgebucht. Schneller geht es nicht. Welchen Vorteil demgegenüber das neue System Girogo bieten soll, das den Gang zum Automaten nötig macht, kann auch der Geschäftsführer nicht genau erklären.

          Die Girogo-Funktechnik bieten eine Reihe von Unternehmen in der Region an. Zumindest nennt die Girogo-Internetseite für Frankfurt 224 Handelsunternehmen, unter ihnen sind große Ketten wie Esso und Thalia, aber auch regionale Filialisten wie Der Hinnerbäcker und die Altstadtapotheke in Hanau. Das alles soll in Zukunft noch besser bekannt werden. Ein Sprecher des Verbandes Deutsche Kreditwirtschaft kündigt ein „Roll-Out“ an. Für einen Abgesang auf Girogo sei es noch zu früh. „Wir haben gerade erst begonnen.“

          Entscheidend für den Erfolg des Systems wird auch sein, ob und wie die Kreditwirtschaft Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes entkräften kann. Die Sorge, von anderen per Funk ausspioniert zu werden, ist es vor allem, weshalb viele Verbraucher bisher die Finger von der Technik lassen. Man erführe dabei jedoch – außer den Summen, die zuletzt mit der Karte bezahlt wurden – nicht viel, wie Rüdiger Wehrmann vom hessischen Datenschutz sagt. Die Kreditwirtschaft versichert, beim Zahlen mit Girogo würden nur für den Vorgang relevante Daten wie der Betrag übermittelt und keine personenbezogenen Angaben wie Name, Adresse und Kontonummer. Außerdem müsste ein „Spion“ schon sehr nah an eine Person heranrücken, um eine Karte auszulesen, sagt Wehrmann. „Wenn jemand wissen will, wo sich jemand aufhält, dann macht er das mit dem Handy und nicht mit der Geldkarte.“

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