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Mainova : Das Energie-Monopoly

Die Mainova will sich an Mannheimer MVV Energie beteiligen Bild: picture-alliance/ dpa

Eine Beteiligung der Mainova an der Mannheimer MVV Energie könnte der erste Schritt zu einem Zusammenschluss sein. Gut für die Kunden eigentlich, denn Größe kann zu mehr Effizienz führen. Doch zu den günstigsten Energieversorgern in der Region zählen zwei Kleinere.

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          Jetzt ist wieder von der zweiten Liga die Rede. Monatelang ging es in der Diskussion um die Energieversorger ausschließlich um die ganz großen, Eon und RWE, Vattenfall und EnBW. Konzerne, an deren Schaffung die Politiker erst tatkräftig mitgewirkt haben, um sie jetzt zu verdammen, weil sie sich erdreisten, Gewinne zu machen.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Doch mit der Nachricht, die Mainova wolle sich (wie andere auch) an der Mannheimer MVV Energie AG beteiligen, rücken die großen Regionalversorger in den Blick, die aus den traditionellen Stadtwerken entstanden sind und in der Bedeutung gleich hinter den vier Riesen-Konzernen kommen. Die Mainova will sich an dem Mannheimer Unternehmen mit 16 Prozent beteiligen.

          (Mainova will sich an Mannheimer Versorger beteiligen.)

          Und das soll nur der erste Schritt sein. Am Ende vieler Etappen könnte ein großer Energieversorger stehen, der beachtliche Teile des Rhein-Main-Gebiets wie des Rhein-Neckar-Raums umfasst. Die Wirtschaft würde der Politik zeigen, wie das geht – regionale Zusammenarbeit.

          Privatkunden scheuen sich vor einem Wechsel

          Die Umbrüche in der Versorgerbranche – sie sind das ganz große Spiel. Doch woher kommt der Antrieb für Unternehmen wie die Mainova, sich auszubreiten? Haben die Kunden etwas davon? Wer solche Fragen beantworten will, kommt nicht umhin, sich mit der Lage der Energieversorger zu befassen. Die Zeiten bequemer Monopolgewinne sind lange vorbei, die Unternehmen haben sich der Konkurrenz beim Strom zu stellen und in Zukunft wohl beim Erdgas, weil Fremde im angestammten Geschäftsgebiet der Regionalversorger Kunden beliefern dürfen unter Nutzung der ohnedies vorhandenen Leitungen.

          Dafür müssen sie den Alteingesessenen ein Nutzungsentgelt zahlen – und damit die Platzhirsche die Konkurrenz nicht mit hohen Preisen auf Distanz halten, legt diese die Bundesnetzagentur als neutrale Behörde fest. Auf niedrigerem Niveau zumeist. Weil seither die regionalen Energieversorger mit ihren Netzen nicht mehr viel verdienen können, stürzen sie sich auf die profitable Stromerzeugung. Nicht zuletzt deshalb entstehen dafür überall Pläne, so in Mainz. Hinzu kommt, dass die Lücke geschlossen werden muss, die durch die Aufgabe der Kernkraftwerke entsteht.

          Schließen sich Unternehmen zusammen, so können sie sparen. Vielleicht reicht eine Leitstelle, wo bisher zwei rund um die Uhr besetzt waren. Die Abrechnung kann zusammengelegt werden, und es reicht dafür eine einzige Software. Es sind dann allerdings auch weniger Mitarbeiter notwendig. Im Idealfall profitieren von solchen Einsparungen auch die Kunden. Ob das tatsächlich geschieht, hängt aber davon ab, ob viele bereit sind, sich der Mühe zu unterziehen und ihren Strom- oder Erdgasanbieter immer dann zu wechseln, wenn ein anderer günstiger ist. Bisher scheuen das die meisten Privatkunden. Dann haben die angestammten Versorger auch nicht so sehr einen Grund, billig zu sein.

          Eine strategische Option

          Ob Größe durchweg zu mehr Effizienz führt, steht auch in Zweifel. Es kann kein Zufall sein, dass zu den günstigsten Anbietern in der Region zwei kleinere zählen, die Bensheimer GGEW und die Stadtwerke Bad Vilbel. Sie gelten als flexibler. Ihre Manager dürfen allerdings auch nicht einen einzigen großen Fehler machen – abfedern lässt sich in solch einem Unternehmen wenig.

          So schnell werden die Kunden jedenfalls nichts davon haben, wenn die Mainova nach Mannheim greift. Schneller könnte der Steuerzahler davon profitieren. Denn die Mainova gehört zu 75,2 Prozent der Stadt Frankfurt, und wenn sie ordentlich Gewinn macht, kommt das Bahnen, Bussen und Bädern zugute. Ob es ein gutes Geschäft ist, wenn sich das Unternehmen mit 16 Prozent an der MVV Energie beteiligt? Erst einmal steht noch gar nicht fest, ob daraus etwas wird. Auch die EnBW aus Karlsruhe meldete Interesse an einer Aufstockung der Anteile an.

          Die MVV ist auf Wachstumskurs, hat ihrerseits Beteiligungen an kleineren Unternehmen erworben, so an der Energieversorgung Offenbach. Die Dividendenrendite betrug zuletzt 2,8 Prozent. Die Aktie ist binnen Jahresfrist um ungefähr 20 Prozent gestiegen, wie der S-Dax, dem sie angehört. Doch für die Mainova wäre es nicht in erster Linie eine Geldanlage. Es wäre eine strategische Option. Der Beginn des ganz großen Spiels in zwei Ballungsräumen eben.

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