https://www.faz.net/-gzg-a5ukw

Unternehmen aus Rhein-Main : Das Dax-Dilemma

Keine neue Beteiligung aus Rhein-Main: Der Dax steigt und fällt ohne zusätzliche Unternehmen der Region. Bild: dpa

Bei der Dax-Erweiterung ist kein Unternehmen aus der Region als Kandidat in Sicht. Das ist besorgniserregend für eine Region, die sich zukunftsfähig aufstellen muss.

          1 Min.

          In Frankfurt ist man stolz auf den Dax, und das zu Recht. Wenn Fernsehsender auf das Frankfurter Börsenparkett schalten, zementiert das die Wahrnehmung der Stadt als wichtigstes Finanzzentrum des Landes und Kontinentaleuropas. Das ist gut für die hiesige Wirtschaft, denn ein starker Finanzplatz hat Sogwirkung auf andere Banken, aber auch auf Berater und Anwälte. Weniger gut jedoch ist, dass es immer weniger Dax-Unternehmen in der Region gibt. Wenn im nächsten Jahr der deutsche Leitindex von 30 auf 40 Titel erhöht wird, gibt es Stand jetzt keinen ernsthaften Kandidaten aus Rhein-Main, um die zehn zusätzlichen Plätze zu füllen.

          Sicher, über die Wirtschaftskraft sagt das wenig aus, schließlich baut die deutsche Volkswirtschaft seit jeher auf tüchtigen Mittelständlern und langfristig denkenden Familienunternehmen auf. Diese Struktur trägt auch die Rhein-Main-Region.

          Zu wenige Kandidaten

          Trotzdem wirft die abnehmende Präsenz vor allem Frankfurter Unternehmen im deutschen Leitindex ein schlechtes Licht auf die Zukunftsfähigkeit des Standorts. Denn an den Börsen werden die Stars von morgen gemacht, und das gilt in der digitalen Welt mit ihren Skaleneffekten viel mehr als im einstigen analogen Zeitalter. Heute gilt es mit Blick auf die Plattform-Ökonomie, schnell zu wachsen, um nach dem Prinzip von „The winner takes it all“ möglichst viel von einem Geschäftsfeld möglichst früh zu besetzen. Doch diese Geschwindigkeit lässt sich nur mit Ausdauer und mit genügend Kapital erreichen.

          F+ FAZ.NET komplett

          Vertrauen Sie auf unsere fundierte Corona-Berichterstattung und sichern Sie sich 30 Tage freien Zugriff auf FAZ.NET.

          Jetzt F+ kostenlos sichern

          Dass aus der Region mit der Deutschen Bank, der Deutschen Börse, Merck, Fresenius und Fresenius Medical Care nur noch fünf Konzerne im Dax gelistet sind, ist zwar noch kein Zeichen dafür, dass die Unternehmen aus Rhein-Main der Börse grundsätzlich die kalte Schulter zeigen. Doch die Bestandsaufnahme ist Beleg dafür, dass es zuletzt aus der Region zu wenige ernsthafte Kandidaten für das Parkett gab, sich mögliche Neulinge nicht an die Börse gewagt oder die dortigen Konzerne zuletzt zu wenig Wachstum vorgelegt haben.

          Alle drei Fälle sind besorgniserregend für eine Region, die sich zukunftsfähig aufstellen muss. Dass ausgerechnet die Finanzhauptstadt Frankfurt beim Börsenboom offenbar außen vor bleibt, ist ein Dilemma. Und die Dax-Präsenz steht exemplarisch dafür.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Anleger warten gespannt auf Berichtssaison

          Börsenwoche : Anleger warten gespannt auf Berichtssaison

          Nach der Rekord-Rally in der vergangenen Woche hat sich die Börse in den vergangenen Tagen erst einmal in Wartestellung begeben. Marktteilnehmer blicken nun gespannt auf die anstehenden Geschäftszahlen wichtiger amerikanischer Unternehmen.

          Autoren im Chefsessel

          Unternehmer aus Rhein-Main : Autoren im Chefsessel

          Mehrere Unternehmer und Manager aus Rhein-Main haben 2020 eigene Bücher verfasst. Darin geht es viel um die Digitalisierung, das Verhältnis von Privatleben und Geschäft - und um Elefanten in Porzellanläden.

          Topmeldungen

          Reaktion auf Vorsitzendenwahl : Wie Friedrich Merz seinen Trumpf verspielte

          Der Wunsch, Minister zu werden, kostet Friedrich Merz Unterstützung im eigenen Lager. Führende CSU-Leute üben sich bei Kommentaren zum neuen CDU-Vorsitzenden derweil in Zurückhaltung – um sich die Gunst des eigenen Chefs zu sichern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.