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Darmstadt : Die Kanzlerin kommt in eine IT-Hochburg

  • -Aktualisiert am

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird auf dem IT-Gipfel in Darmstadt sprechen Bild: ddp

Der dritte Nationale Gipfel der IT-Branche findet nicht ohne Grund in Darmstadt statt. In der Region findet sich eine Vielzahl herausragender Adressen dieser Wachstumsbranche.

          Spätestens seit dem „Prognos Zukunftsatlas“ von 2006 darf sich die Region Südhessen „Zentrum der deutschen Software-Industrie“ nennen. Dies liegt nicht nur daran, dass im Kammerbezirk der IHK Darmstadt Rhein Main Neckar zahlreiche „Global Player“ der Branche ihren Sitz haben wie die Software AG, SAP Research, die CA Deutschland GmbH oder Danet Group und zugleich Telekom und T-Systems hier große Standorte unterhalten. Es gibt auch zahlreiche hochspezialisierte Mittelständler und Ein-Personen-Unternehmen in Südhessen, Heidelberg und Mannheim: In der Informations- und Kommunikations-Branche zählt die IHK mehr als 4.500 Unternehmen mit 25.000 Beschäftigten, darunter 3.700 Softwarefirmen, die, was die Fachkräfte angeht, sich fast wie ein Fisch im Wasser fühlen dürfen, bildet doch allein die Technische Universität Darmstadt 4.000 Studenten in zwei IT-Fachgebieten aus.

          Es gibt also handfeste Gründe, warum der dritte Nationale IT-Gipfel von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Darmstadt stattfindet. Erwartet werden im neuen Wissenschafts- und Kongresszentrum 500 Gäste, die auf Einladung von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CDU) über Strategien für den IT-Standort Deutschland diskutieren wollen. Es ist eine Arbeitstagung mit mehreren Foren, in denen es unter anderen um Fragen der IT-Sicherheit, um die digitale Persönlichkeit oder die zentralen Wachstumsfelder der Branche geht, deren Jahresumsatz sich allein in Hessen auf 32,2 Milliarden Euro beläuft. Glos wird ebenso sprechen wie der Vorsitzende der Deutschen Telekom AG, René Obermann, und der Vorstandsvorsitzende der Darmstädter Software AG, Karl-Heinz Streibich. Merkels Ansprache ist zum Abschluss vorgesehen.

          Aufbau einer Koordinierungsstelle

          Für die IHK ist das Treffen in Darmstadt eine ideale Gelegenheit, den Raum als einen der leistungsfähigsten IT-Standorte zu präsentieren und vor allem die „Cluster“-Qualitäten vorzustellen. Damit ist die Bildung von Netzwerken gemeint, mit denen die IHK schon vor zehn Jahren begonnen hat. Bei ihrer Kontakt- und Informationsplattform „IT4work“ mit ihren Seminaren, Arbeitskreisen und Hausmessen arbeiteten 450 Firmen mit – arbeiteten, weil „IT4work“ sich im Sommer mit dem Cluster „Unternehmenssoftware SW 2.0“ des TU-Professors Johannes Buchmann zum neuen Netzwerk „Unternehmenssoftware Rhein Main Neckar“ zusammengeschlossen hat. Dessen wichtigste Konsortialpartner sind neben der IHK und der TU Darmstadt die SAP AG, die Software AG, die Stadt Darmstadt und die Ini-Graphics-Netz-Stiftung.

          An dem Zusammenschluss hat indirekt auch die Landesregierung mitgewirkt, denn ursprünglich wollten sich die beiden Initiativen separat am Clusterwettbewerb des hessischen Wirtschaftsministeriums beteiligen. Im August hat man jedoch den Schritt zur Fusion vollzogen und eine gemeinsame Bewerbung eingereicht, die von Ministerpräsident Roland Koch (CDU) wohlwollend bewertet wurde, so dass mit einer Förderung in den nächsten drei Jahren von 350.000 Euro für den Aufbau einer Koordinierungsstelle zu rechnen ist. Ein solches „Clustermanagement“ ist in Darmstadt nach Ansicht von Karlfried Thorn, IT-Experte der Kammer, wichtig: „Wir brauchen einen Cluster-Manager, der ständig Firmen und Forschungseinrichtungen besucht, die Augen offenhält und Partner zusammenbringt.“

          Wie Peanuts

          Ob die Kanzlerin auch mit Geldsorgen deutscher IT-Manager konfrontiert wird, muss man abwarten. Dass die Branche aber die Rezession spürt, ist kein Geheimnis. Streibich sagte am Montagabend, auch die Software AG müsse „Quartal für Quartal kämpfen“. Nur wenn es gelinge, alle Kräfte zu bündeln, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, „haben wir vielleicht die Chance, die Krise einigermaßen zu überstehen“ (siehe Bericht auf Seite 52). Für den Darmstädter Manager bedeutet Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit auf dem IT-Gipfel vor allem, den Mittelstand zu stärken: „Wir müssen nicht nur die Starken stärker machen, sondern brauchen auch ein starkes Mittelfeld von mehreren 100-Millionen-Euro-Firmen in Deutschland.“

          Streibichs Position ist in diesem Punkt deckungsgleich mit der der Landesregierung, die ihre „Aktionslinie Hessen-IT“ 2004 insbesondere mit Blick auf den Mittelstand gegründet hat. Für Hessen-IT stellt das zuständige Ministerium im Jahr 1,5 Millionen bereit. Diese Summe dürfte freilich wie Peanuts wirken, sollte sich die IT-Region Südhessen im „Spitzenclusterwettbewerb“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung durchsetzen. Im Idealfall könnten dann bis zu 40 Millionen Euro des Bundes und der Europäischen Union nach Südhessen fließen. Eine Entscheidung wird für Ende 2009 erwartet.

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