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Curevac in Frankfurt : Steuerzentrale für Impfstofftests

Schwabentest: Der Impfstoff von Curevac durchläuft mehrere Studien. Bild: Reuters

Curevac plant und überwacht im Frankfurter Westend die globale Erprobung seines Corona-Impfstoffs. Bis zu einer Zulassung wird es noch einige Monate dauern.

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          Biontech ist nicht der einzige Entwickler eines Impfstoffes gegen Covid-19 aus der Rhein-Main-Region. Auch Curevac glaubt, einen Impfstoff gegen das Virus gefunden zu haben, und will diesen in Rekordtempo auf den Markt bringen. Daran wird im Frankfurter Westend beinahe Tag und Nacht gearbeitet. Denn Tübingen ist zwar der Hauptsitz des Unternehmens, aber die Abteilung Klinische Entwicklung ist am Main angesiedelt. Von dort aus werden derzeit die klinischen Tests der sogenannten Phase3 koordiniert. Vor einer Woche hat die alles entscheidende weltweite und massenweise Erprobung des Impfstoffkandidaten begonnen. Als Teil dieser Phase-3-Tests nehmen von Dienstag an 2500 Mitarbeiter des Universitätsklinikums Mainz freiwillig an einer Studie teil, die den Impfschutz für besonders gefährdetes Klinikpersonal untersucht.

          Inga Janović
          Redakteurin im Regionalteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortliche Redakteurin des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          „Aus dem Frankfurter Büro werden alle klinischen Studien inklusive der Covid-19-Studien geplant, überwacht und ausgewertet“, erläutert eine Unternehmenssprecherin. Dreißig Mitarbeiter beschäftige Curevac in Frankfurt, zum Team gehörten Experten, die die Standards für klinische Studien vorgeben, Fachleute für Arzneimittelsicherheit, Mediziner aus verschiedenen klinischen Fachgebieten sowie Juristen und Experten für den Austausch mit Behörden. Dass die Mitarbeiter, deren Anzahl weiter steigen soll, in Frankfurt stationiert sind, hat vor allem einen Grund: Die nötigen Fachleute sind im Rhein-Main-Gebiet leichter zu finden als in Schwaben. „Das hängt auch mit der Präsenz großer Pharmaunternehmen, Forschungsorganisationen und Biotechfirmen in der Region zusammen“, so die Unternehmenssprecherin. Ein weiterer Pluspunkt sei „eine exzellente Verkehrsanbindung für nationale und internationale Reisen, die in der klinischen Arzneimittelentwicklung wichtig sind“.

          Noch Monate bis zur Zulassung

          Spritzen und Reagenzgläser brauchen die Frankfurter Curevac-Mitarbeiter selten, ihr Arbeitsplatz ist am Computer. Von dort aus verfolgen sie, wie der Impfstoff-Kandidat mit dem Kürzel CVnCoV oder ein Placebo insgesamt 36.000 gesunden Menschen aus Europa und Lateinamerika in den nächsten Wochen verabreicht wird. Dabei werden die Frankfurter die Ergebnisse zu Wirkung und Nebenwirkungen genau beobachten. In Deutschland wurden für diese Impfstudie Studienzentren in Tübingen, Köln und München ausgewählt, allein in Tübingen sollen eintausend Menschen geimpft werden. Dort werden auch die Anfragen freiwilliger Teilnehmer bearbeitet.

          Curevac setzt ebenso wie Biontech aus Mainz auf eine Wirkung mit Hilfe von Boten-RNA, also von genetischen Informationen, die einen Bauplan für ein Antigen enthalten. Der Bund förderte die Impfstoffentwicklung der Schwaben mit 750 Millionen Euro und hält nun fast ein Viertel des an der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq notierten Unternehmens. Dennoch ist Curevac langsamer als etwa Biontech oder das britische Unternehmen Moderna: Die Mainzer Impfung wurde bereits in den Vereinigten Staaten sowie Großbritannien zugelassen und dürfte bis Jahresende die EU-Zulassung erhalten. Curevac wird noch Monate brauchen. Dafür wollen die Tübinger mit Praktikabilität punkten: Ihr Präparat sei statt bei minus 70 Grad bereits bei normalen Kühlschranktemperaturen haltbar, hieß es. Das würde den Transport und die Lagerung deutlich erleichtern.

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