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Flugverkehr : Coronavirus fordert Luftfahrt heraus

Bremsspuren: Eine Boeing 747 setzt in Frankfurt auf. Scharf gebremst wird derzeit auch die Nachfrage nach Tickets. Bild: AP

Die Coronavirus-Epidemie wirkt sich deutlich auf den Flugverkehr aus. Sogar auf dem Hahn muss man sich Sorgen machen.

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          Weil die Flugbuchungen nach der Ausbreitung des Coronavirus weiter deutlich zurückgegangen sind, hat die Lufthansa-Gruppe am Mittwoch und auch am Donnerstag ihr Flugangebot noch einmal deutlich reduziert. Demnach bleibt rechnerisch jeds fünfte Flugzeug der Konzern-Airlines am Boden. Die Passagierflüge der Lufthansa, der Swiss und der Austrian Airlines zum chinesischen Festland sind mindestens bis zum 24. April ausgesetzt. Israel wird bis auf weiteres nicht angeflogen, zumal Israel seine Einreisebestimmungen verschärft hat. Aber auch die Zahl der Flüge nach Hongkong, Seoul und auf etlichen Routen nach Italien – etwa nach Mailand, Venedig, Rom und Turin – wurde wegen stark rückläufiger Nachfrage reduziert.

          Jochen Remmert

          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Anders als die Passage halten die Frachtflieger der Lufthansa die Verbindung von Frankfurt zum chinesischen Festland aufrecht. Zwar fällt durch Streichungen ein Großteil der Frachtkapazität im Bauch der Passagierflieger weg, doch angesichts der aktuellen Nachfrage ist das ein eher geringes Problem. Normalerweise bietet Lufthansa Cargo 15 Verbindungen an, zurzeit ist es rund die Hälfte. Aber die Cargoflieger der Lufthansa verzeichnen zurzeit durchaus wieder eine verstärkte Nachfrage. Im Einsatz sind ausschließlich die zweistrahligen Frachter des Typs Boeing 777, weil diese Maschinen eine größere Kapazität haben und weniger Kerosin verbrauchen als die etwas betagtere, dreistrahlige MD 11, die ohnehin vor ihrer Ausmusterung steht. Die Frachtflugzeuge, die von Frankfurt nach Schanghai, Peking und Chengdu und dabei jeweils über Nowosibirsk fliegen, werden ausschließlich von Crews gesteuert, die sich freiwillig dazu bereit erklärt haben.

          Verbindliche Verhaltensregeln

          Am Mittwoch hat die Lufthansa allen ihren rund 135.000 Mitarbeitern verbindliche Verhaltensregeln an die Hand gegeben, die helfen sollen, eine Ausbreitung der Coronavirus-Infektionen zu verhindern. Dabei geht es um Hygienevorgaben wie häufiges und gründliches Händewaschen, um die Vermeidung von Händeschütteln, aber auch um die Aufforderung an die Mitarbeiter, sich selbst genau zu beobachten und nicht zur Arbeit zu kommen, wenn man sich krank fühlt. Zudem wird allen nicht im operativen Geschäft Tätigen empfohlen, nach Möglichkeit von zu Hause aus zu arbeiten.

          Die Lufthansa wie auch der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport haben umgehend mit Einstellungsstopps und Angeboten reagiert, die von Teilzeit bis unbezahltem Urlaub reichen, um die wirtschaftlichen Folgen des Nachfrageeinbruchs nach Kräften abzufedern.

          Derzeit kommen in Frankfurt noch rund 18 Flüge aus China an. Die Passagiere sind verpflichtet, zuvor verteilte Aussteigekarten auszufüllen. Darauf werden Informationen über den vorherigen Aufenthaltsort ebenso abgefragt wie Kontakte zu möglicherweise erkrankten Personen. So sollen mögliche Risiken rasch erkannt werden. Die Karten werden vom Gesundheitsamt aufbewahrt, um im Ernstfall andere Passagiere, die sich angesteckt haben könnten, alarmieren zu können, wie ein Fraport-Sprecher erläuterte.

          Flughafen Hahn ebenfalls betroffen

          Liegt bereits ein Verdacht vor oder zeigt ein Passagier eines Fluges verdächtige Symptome, wird demnach das betreffende Flugzeug auf eine Parkposition am Rande des Flughafens gelotst, wo anschließend die Passagiere von medizinischem Personal in Empfang genommen werden. Das Frankfurter Gesundheitsamt gibt am Flughafen die genauen Verfahrensweisen im Umgang mit möglicherweise am Coronavirus erkrankten Passagieren vor.

          Massiv betroffen vom Einbruch des Luftverkehrs mit China nach dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie ist auch der Flughafen Hahn im Hunsrück, an dem Hessen nach wie vor mit 17,5 Prozent beteiligt ist. Rheinland-Pfalz hatte seine Mehrheit von 82,5 Prozent an dem seit vielen Jahren defizitären Flughafen vor drei Jahren an den chinesischen Mischkonzern HNA verkauft, zum Preis von 15 Millionen Euro, wie es seinerzeit hieß. Die Passagierzahlen am Hahn sind dort unter anderem deshalb immer weiter zurückgegangen, weil die irische Billigfluglinie Ryanair ihr Angebot stark einschränkte und ihre Flugzeuge inzwischen auch auf Großflughäfen wie dem Frankfurter stationiert. Allein im Januar ist die Zahl der Fluggäste im Vergleich zum Vorjahresmonat auf dem Hahn um fast ein Drittel auf knapp 86 000 gesunken, wie aus dem Zahlenwerk der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen hervorgeht. Das Frachtaufkommen fiel um 17,5 Prozent auf etwas mehr als 11 000 Tonnen. Heikel daran ist, dass der Flughafen Hahn laut EU-Kommission spätestens 2024 ohne Betriebsbeihilfen auskommen muss.

          Seit dem Einstieg des chinesischen Konzerns haben die Flughafenbetreiber im Hunsrück ganz auf die stark wachsende und zunehmend reisefreudige Mittelschicht in China gesetzt. Im vergangenen Jahr war die Rede von mindestens drei Flügen in der Woche, die von diesem Jahr an China mit dem Hunsrück verbinden würden. Wie es allerdings am Mittwoch knapp vom Flughafenbetreiber hieß, ist in diesem Sommer nicht mit einer Aufnahme dieser touristischen Flüge zu rechnen. Aus informierten Kreisen am Flughafen ist zu erfahren, es sei auch bei einer eventuellen raschen Besserung der Lage nicht davon auszugehen, dass es vor dem Sommer 2021 regelmäßige China-Verbindungen geben werde. Denn der Hahn könne wesentlich nur mit touristischen Passagieren kalkulieren. Anders als Geschäftsreisende, die schnellstmöglich eine geplante Reise nachholen wollten, verschöben Touristen die Urlaubsreise naturgemäß aufs nächste Jahr. Ungeachtet dessen setzt man im Hunsrück langfristig auf touristischen Flugverkehr von und nach China.

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