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Wirtschaften in Corona-Zeiten : Unternehmen im Krisenmodus mit dem Staat an der Seite

Frequenzarm: Nicht nur Händler auf der sogenannten Chinesenmeile in Frankfurt spüren die teils drastischen Folgen der Coronavirus-Krise Bild: Cabrera Rojas, Diana

Der Staat muss Regeln für Firmen lockern, wenn es einen Sinn hat. Das hat Hessen mit der Aufhebung des Verkaufsverbots an Sonntagen getan. Die Lage ist ernst. Aber vieles läuft derzeit besser, als man vielleicht hätte erwarten können.

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          Mit Beginn der neuen Woche setzen sich die Folgen der Corona-Krise für das Wirtschaftsleben schärfer denn je voneinander ab. Eine Katastrophe ist es für die einen, den Flughafen und die Fluglinien, Industriebetriebe wie Opel, für alle, die von Reisenden und vom Tourismus abhängig sind, und von Mittwoch an auch für viele Einzelhändler. Für andere hingegen bedeutet das Virus jedenfalls vorerst bloß eine Änderung der Arbeitsweise. Viele Arbeitgeber in der Region stellen im großen Stil auf Heimarbeit um, vor allem um die Mitarbeiter voreinander zu schützen und Eltern zu ermöglichen, sich um ihre Kinder zu kümmern.

          Vor zehn, allemal vor zwanzig Jahren wäre das nicht denkbar gewesen. Möglich ist es nur, weil die Digitalisierung weit vorangeschritten ist, weil die Energieversorgung steht und die Kapazitäten der Rechner und in den Rechenzentren zureichend sind und weil in den Unternehmen längst viele flexible Arbeitsmodelle ausprobiert wurden. Manchem mag der Umbau des Wirtschaftslebens in den vergangenen Jahren zu schnell gegangen sein. Doch werden jetzt die Früchte geerntet. Dass die gewaltigen und raschen Umwälzungen in den Betrieben zudem, soweit sich das erkennen lässt, ohne Konflikte über die Bühne gehen – auch dafür werden sich Manager und Belegschaften dereinst, in besseren Zeiten, feiern dürfen.

          Zuspitzung in Teilen des Wirtschaftslebens

          Der Stolz, dass es gelungen ist, viele Unternehmen umstandslos in einen funktionierenden Krisenmodus zu versetzen, darf jedoch den Blick auf die Zuspitzung in Teilen des Wirtschaftslebens nicht verstellen. Die großzügige Bereitstellung von Soforthilfen, die der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) am Montagabend verkündet hat, ist als Signal an leidende Unternehmen richtig. Der Staat steht Betrieben in einer Notsituation, die sie nicht selbst verschuldet haben, zur Seite. Trotzdem bleibt die generelle Linie richtig, dass solche Hilfe nicht über das unbedingt notwendige Maß hinausgehen darf.

          Nicht weniger wichtig ist, dass der Staat Unternehmen in ihrer Freiheit nicht nur einschränkt, wenn es geboten ist wie bei der Schließung von Geschäften, sondern die Rahmenbedingungen auch lockert, wenn es einen Sinn hat. Das hat das Land etwa mit der Aufhebung des Verkaufsverbots an Sonntagen getan. Die Lage ist ernst, ganz sicher. Aber vieles läuft derzeit besser, als man vielleicht hätte erwarten können.

          Manfred Köhler
          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

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