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Firma hofft nun auf China : Ein Pharma-Mittelständler, die Schutzmasken und die Politik

Sucht Schutzausrüstung für seine Produktion: Hennig Arzneimittel in Flörsheim Bild: Cornelia Sick

Nicht nur Kliniken und niedergelassene Ärzte benötigen dringend Schutzmasken und Overalls. Arzneimittelhersteller brauchen solche Ausrüstung für ihre Produktion. Doch ein Mittelständler aus Hessen sieht sich vertröstet.

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          Immerhin: Der Hilferuf von Kai Schleenhain ist nicht ungehört verhallt. Der Pharma-Mittelständler aus Flörsheim nahe Frankfurt braucht dringend Schutzausrüstung für die Belegschaft in seiner Produktion. In sechs Wochen könnten die Bänder still stehen und die Mitarbeiter Däumchen drehen. Denn seiner Firma Hennig Arzneimittel geht die vorgeschriebene Schutzausrüstung aus. Auf dem freien Markt bekommt er sie derzeit nicht: alles wie leergefegt. Auf seinen öffentlichen Vorstoß hin haben sich etwa zehn Kontakte ergeben, wie der Familienunternehmer berichtet, der die Firma gemeinsam mit seinem Bruder Holger Schleenhain führt.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Haken: Vier Fünftel davon stuft er als unseriös ein. Ein Kontakt erscheint ihm immerhin so hoffnungsvoll, dass er eine Bestellung aufgegeben hat. Allerdings nicht in Deutschland und Europa. „Es ist ein Chinese.“ Nun müssen er und seine Belegschaft abwarten. Kommt das gewünschte Material?

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          In seiner Not hat Schleenhain sich dessen ungeachtet auch an Ministerien in Berlin und Wiesbaden gewandt und auch dort seinen Hilferuf platziert. Was die Häuser ihm geantwortet haben, gefällt ihm nicht. Er sieht sich als Arzneimittelhersteller zurückgesetzt: „Das Bundesministerium für Gesundheit leitet über den beauftragten Logistiker alle für den Gesundheitsbereich vorgesehenen Materialien direkt an die Kassenärztlichen Vereinigungen für die vertragsärztliche Versorgung sowie an die Länder weiter“, lautet die Antwort aus Berlin. Darüber hinaus habe das Ministerium keinen gesonderten Vorrat an Schutzausrüstungen. Im Übrigen verweist es auf Wiesbaden.

          Das Wirtschaftsministerium schrieb ihm dazu: „Neben den Krankenhäusern, dem Rettungsdienst und den Gesundheitsämtern, stehen die stationären Einrichtungen der Altenhilfe und der Behindertenhilfe sowie die ambulanten Angebote für pflegebedürftige und behinderte Menschen sowie der Jugend- und Drogenhilfe und weiterer Bedarfsträger im engen Fokus.“ Des Weiteren verweist das Ministerium auf den für Hennig zuständigen Fachverband und die Industrie- und Handelskammer.

          Angesichts dessen meint der Flörsheimer Unternehmer: Es scheine auch nicht einmal den Ansatz eines Erkenntnisgewinns in der Politik zu geben, dass Pharma wichtig sein könnte für die Gesundheit. Und gibt zu bedenken, Ärzte in Praxen und Kliniken könnten nur Arzneimittel verordnen, die Unternehmen herstellten.

          120 Beschäftigte arbeiten in der Produktionskette, wie Schleenhain sagt. Hennig Arzneimittel stellt Eigenmarken her und beliefert namhafte Pharmakonzerne wie Stada und Ratiopharm. Um die Arbeit auch weiter erledigen können, benötigt er allerlei: 100 Schutzbrillen, 1500 Einmal-Overalls, verteilt auf drei Größen. 2000 sogenannte FFP3-Masken und dazu 4000 OP-Masken, wie sie auch in Kliniken üblich sind.

          Mit Blick auf die Bestellung in China meint Kai Schleenhain, er wisse noch nicht, ob sein Haus wieder mehr als 10.000 Euro los sei. Diese Erfahrung hat er nämlich schon gemacht: Er hat Schutzhelme mit Gebläse bestellt, aber nur Helme erhalten. Die sind ohne Gebläse aber nutzlos.

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