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Neue Arbeitsmodelle : Büro und Schreibtisch müssen keine Einheit sein

Lagerfeuer für Beschäftigte: Büros – wie jene in der Frankfurter Bürotürmen – werden zunehmend ein sozialer Treffpunkt und immer weniger ein reiner Arbeitsort, sagen Experten. Bild: Bloomberg

Jeder zweite Arbeitnehmer könnte laut Schätzungen seinen Job von jedem Ort aus auf der Welt erledigen, das ist durch die Corona-Krise klarer geworden. Diese Erkenntnis macht den Weg frei für neue Arbeitsmodelle.

          6 Min.

          Ausgerechnet die Corona-Krise, die den meisten Menschen das Leben so schwer macht, brachte den Durchbruch: Andrea Bauer, die ihren richtigen Namen hier nicht nennen möchte, darf künftig nicht mehr nur ab und an von zu Hause aus arbeiten, sondern auf Dauer. Ihr Arbeitgeber, ein Softwareunternehmen mit Hauptsitz in den Vereinigten Staaten, hatte schon kurz nach Ende des Lockdowns beschlossen, seine Niederlassung im Rhein-Main-Gebiet endgültig zu schließen. Statt teure Büros zu mieten, wird er seinen Angestellten künftig einen Zuschuss von ein paar hundert Euro zahlen, als Ausgleich dafür, dass sie in ihren Privatwohnungen den Arbeitsplatz unterbringen. Nicht jeder ihrer Kollegen sei mit diesem Schritt so zufrieden wie sie, erzählt Bauer. Trotzdem hätten alle das Angebot, statt ins Homeoffice in die Deutschlandzentrale nach Berlin zu wechseln, abgelehnt.

          Inga Janović

          Wirtschaftsredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          So radikal wie Bauers Arbeitgeber gehen nur wenige Unternehmen vor, aber nachdem die Corona-Krise gezeigt hat, wie gut viele Menschen arbeiten können, ohne dafür in firmeneigenen Räumen zu sitzen, zeigt sich der Trend in den Ergebnissen etlicher Umfragen: Die Mehrheit der Arbeitnehmer sehnte sich zwar während des Lockdowns zurück zu den Kollegen und an den angestammten Arbeitsplatz. Aber fünf Tage in der Woche wollen dort nur noch die wenigsten sein. Ein, zwei Tage mobiles Arbeiten, davon reden nun viele, auch die Unternehmen selbst: Der Opel-Mutterkonzern PSA will einen solchen Takt zum Standard machen, in einer Frankfurter Bank wird abgefragt, ob sich Mitarbeiter eher als „Bürotyp“ sähen oder ob sie sich lieber einen flexiblen Arbeitsort wünschten. Die Deka-Bank, die jüngst verkündete, in vier Jahren das Trianon-Hochhaus verlassen zu wollen, rechnet an ihren dann zwei neuen Adressen nur noch mit 0,8 Schreibtischen pro Mitarbeiter– die Heimarbeit ist einkalkuliert. Und das Ifo-Institut schätzt, dass 56 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland auch von zu Hause aus tätig sein könnten.

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