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Corona-Krise : Jeder Dritte will Personal abbauen

So lässt sich kein Geld verdienen: Geschlossener Friseursalon im Frankfurter Nordend. Bild: Rumpenhorst, Frank

Solch eine Umfrage hat die IHK Frankfurt noch nie veröffentlicht. Die Befragung der Mitglieder zeigt, wie abrupt die Wirtschaft durch die Corona-Krise ausgebremst worden ist.

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          Die Unternehmen in Frankfurt und im Taunus setzen vor allem auf Kurzarbeitergeld, Soforthilfen in Form von Zuschüssen und Steuerstundungen, um mit der Corona-Krise fertigzuwerden. Gar nicht so begehrt hingegen sind Darlehen der KfW oder ihres Pendants in Hessen, der Wibank. Das ist eines der vielen Ergebnisse einer kurzfristigen Umfrage der Industrie- und Handelskammer Frankfurt unter jenen Mitgliedern, die in der Vollversammlung oder in einem Ausschuss mitarbeiten.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Abgefragt wurde in dieser Woche zwischen Dienstag und Donnerstag, 160 Betriebe nahmen teil. Dabei gaben 69 Prozent an, von besonderer Bedeutung sei zur Bewältigung der Krise das Kurzarbeitergeld, 64 Prozent kreuzten die Soforthilfen an und 57 Prozent Steuerstundungen, während auf staatliche Darlehen lediglich 29 Prozent setzen, auf Kredite ihrer Hausbank 17 und auf Bürgschaften zehn Prozent.

          Die Krise wirkt sich unterschiedlich aus

          Die Untersuchung zeigt auch, dass die Lage der Unternehmen dramatisch ist, sie sich aber von Betrieb zu Betrieb unterscheidet. So geben zwar 92 Prozent der Befragten an, sie spürten die Folgen der Krise, nur ein Prozent rechnet mit Umsatzsteigerungen. Aber bei der Einschätzung, wie stark die Umsätze in diesem Jahr einbrechen werden, ist die Spannweite groß. Das entspricht auch den sehr großen Unterschieden bei der Frage, wie die Unternehmen im Detail die Krise spüren. Sechs von zehn kreuzten an, die Nachfrage sei gesunken, vier von zehn sprechen von stornierten Aufträgen, ein Drittel davon, dass ihr Geschäft vollständig oder teilweise stillstehe, wobei mehrere Antworten erlaubt waren. Aber doch nur acht Prozent entschieden sich dafür, „drohende Insolvenz“ anzukreuzen.

          Die Einschnitte sind in der Summe dermaßen bedeutsam, dass 34 Prozent der Befragten angaben, sie wollten Personal abbauen, während 63 Prozent meinten, ihre Mitarbeiter halten zu können. Gerade einmal drei Prozent sehen sich in der Lage, mehr Personal einzustellen.

          Die geringe Zahl von teilnehmenden Unternehmen erlaubt nicht, eine Auswertung nach Branchen vorzunehmen. Man darf aber wohl sagen, dass eine Umfrage, die alles in allem solch bedrückende Ergebnisse aufzeigt, noch niemals zuvor von der IHK veröffentlicht wurde, auch in den Rezessionen nach den Anschlägen vom 11. September 2001 und nach der Finanzkrise 2007/2008 nicht. Sie konterkarieren vollständig die jüngsten Konjunkturumfragen der Kammer. Noch im Februar war davon die Rede gewesen, der seit 2018 zu beobachtende Abwärtstrend habe sich abgebremst, ein zentrales Thema war wie in den Jahren zuvor der Fachkräftemangel gewesen.

          Schnelle und bürokratiearme Umsetzung der Hilfen

          Jetzt setzen die Unternehmen gewaltige Hoffnungen auf den Staat. Sie hoffen auch, dass bei den beliebten Hilfen, die eingangs erwähnt wurden, nachgebessert wird, vor allem bei den Zuschüssen und beim Kurzarbeitergeld. Ulrich Caspar, Präsident der Frankfurter IHK, sagte am Freitag, die Unternehmen forderten vor allem eine schnelle und bürokratiearme Verwirklichung der staatlichen Hilfsangebote. Zugleich mahnte er, „die Kurzfristmaßnahmen sind gut, müssen aber begleitet werden mit einer Perspektive für das Wiederanfahren der Wirtschaft“.

          Ohne eine klare Botschaft für den Neustart würden die kurzfristigen Hilfen schnell dahinschmelzen, sagte Caspar weiter. Die Rückkehr zur normalen Geschäftstätigkeit solle aber auf jeden Fall „fein dosiert werden“. Ein wichtiger Hebel für die Gesundung der Wirtschaft könne eine Senkung der Unternehmenssteuern sein.

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