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Corona-Krise : Wirtschaftsnobelpreisträger für freie Impfpatente

UBS Nobel Perspectives Live! – Vier Wirtschaftsnobelpreisträger diskutierten am 26. Oktober 2021 in der Frankfurter Goethe-Universität. Bild: Kolb, Marie-Luise

Robert F. Engle, Christopher Pissarides, Michael Spence, Joseph E. Stiglitz: Gleich vier Wirtschaftsnobelpreisträger sprachen in Frankfurt über die Zukunft der EU. Und sie haben einige Forderungen an die neue Bundesregierung.

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          Inflation, Coronakrise, Klimawandel: Die Wirtschaftspolitik der nächsten Bundesregierung muss sich einigen Herausforderungen stellen. Denkanstöße, wie die Krisen überwunden werden können, ohne die nächste auszulösen, können Wirtschaftsnobelpreisträger geben. Gleich vier von ihnen waren am Dienstag zu einer Podiumsdiskussion an die Frankfurter Goethe-Universität gekommen.

          Othmara Glas
          Volontärin

          Die Corona-Krise, sagte Michael Spence, sei im Vergleich zum Klimawandel noch einfach zu lösen. Man müsse den Entwicklungsländern endlich Impfstoffe zur Verfügung stellen. Während in der EU, Amerika oder Kanada schon Boosterimpfungen verabreicht werden, hätten in ärmeren Ländern viele Menschen noch nicht einmal die erste Dosis erhalten. Die reicheren Staaten sollten „so viel Impfstoff wie möglich kaufen“ und diesen dann der globalen Impfinitiative COVAX zur Verfügung stellen. „Wir müssen die Pandemie in den Griff bekommen, sonst droht der soziale Zusammenhalt zu verschwinden.“

          Entwicklungsländer unterstützen

          Spence hatte den Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften 2001 zusammen mit George Akerlof und Joseph E. Stiglitz erhalten, für die Arbeit über das Verhältnis von Information und Märkten. Auch Stiglitz war in Frankfurt und forderte die Pharmahersteller auf, die Patentrechte an den Corona-Impfstoffen auszusetzen. Vor allem Deutschland sei mit dem Beharren auf Patentschutz für die Impfstoffe eines der größten Hindernisse für eine globale Impfkampagne. Dem Argument, dass Entwicklungsländer gar keine Möglichkeiten zur Produktion von Impfstoffen hätten, widersprach er. Diese Möglichkeiten könne man schaffen. Stiglitz rief die Industrieländer auf: „Ebnet den Weg dafür!“

          Als eine der wichtigsten Aufgaben für die Bundesregierung sieht der frühere Chefökonom der Weltbank die Schaffung eines einheitlichen Steuersatzes in der Europäischen Union. Man brauche schließlich Steuereinnahmen, um soziale Ungleichheit zu bekämpfen. Und wenn die EU nicht mit einer Stimme bei der Aushandlung einer globalen Mindeststeuer spricht, werde sie diese auch nicht anheben können.

          EU als Zentrum des freien Marktes

          Auch der aus Zypern stammende Christopher Pissarides betonte, dass die nächste Phase der EU-Integration die Angleichung von Steuern sei. Die ökonomische Entwicklung der Union nannte er einen „großen Erfolg“. Der Brexit hingegen ist für den Professor der London School of Economics ein „Desaster“. Er warnte davor, die durch die Corona-Pandemie angeschlagenen Wirtschaftszweige jetzt mit Steuererhöhungen zu belasten. Pissarides erhielt den Wirtschaftsnobelpreis 2010. Er untersucht die Wechselwirkung zwischen Arbeitsmarkt und Makroökonomie und mahnte, dass sich Arbeitsmärkte der Digitalisierung anpassen müssen. Deutschland hänge noch zu sehr an seinem bisherigen Wirtschaftssystem.

          Der Amerikaner Robert F. Engle III fand lobende Worte für die EU. Die Reaktionen auf Krisen seien umfangreicher und nachhaltiger als in den USA, und es gebe ein starkes Finanzsystem. Die EU könnte Amerika als „Zentrum des freien Marktes“ ablösen.

          Die Podiumsdiskussion war Teil der Reihe „Nobel Perspectives Live“, für die die Bank UBS weltweit Treffen mit Wirtschaftsnobelpreisträgern organisiert, bisher allerdings vor allem in Südostasien. Dabei soll es um den Austausch zwischen Jung und Alt gehen. Alle in Frankfurt vertretenen Nobelpreisträger sind älter als 70 Jahre. Im Publikum saßen jedoch auch viele junge Wirtschaftswissenschaftler, die wissen wollten: Wie kann Wirtschaft nachhaltiger werden? Wie kann sie beim Klimaschutz helfen? Das sind eher die Fragen, auf die in Frankfurt die jüngere Ökonomengeneration noch nach Antworten sucht.

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