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Impfstoff-Produktion : Kooperation sollte Vorbild sein

Die Zentrale von Biontech in Mainz Bild: Reuters

Zwei Unternehmen aus Rhein-Main kooperieren, um einen Corona-Impfstoff schneller in größerer Menge zu produzieren. Das sollte Vorbildcharakter haben.

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          Wenn Unternehmen zusammenarbeiten sollen, stehen oft Misstrauen und Ängste im Vordergrund. Das ist nachvollziehbar, vor allem, wenn es sich um Wettbewerber handelt. Doch die Geschichte von Innovationen hat gezeigt, dass gerade die Zusammenarbeit verschiedener Unternehmen ganz neue Perspektiven ermöglicht.

          Dass nun der in Frankfurt ansässige französische Pharmariese Sanofi gemeinsame Sache mit dem deutlich kleineren Mainzer Unternehmen Biontech macht, ist inmitten der Corona-Krise eine Entscheidung mit Signalwirkung. Denn keinem Bürger, der unter den Corona-Beschränkungen leidet und aus beruflichen oder gesundheitlichen Gründen händeringend auf eine Impfung wartet, kann man erklären, dass die Produktion eines Impfstoffs gegen die Pandemie an Unternehmensgrenzen scheitert.

          Ein gutes Licht

          Sicher, dass ein Konzern wie Sanofi im Streben nach einem eigenen Mittel zur Vorbeugung einer Corona-Erkrankung zurückgeworfen wurde und sich nur deshalb in Höchst Produktionskapazitäten für Biontech auftun, ist für das Unternehmen in dem Industriepark vor den Toren Frankfurts ein schlechtes Zeichen. Andererseits geht es derzeit weniger darum, wer den Impfstoff produziert, sondern allein, wie schnell das geschieht.

          Die neue Partnerschaft auf dem Feld der Impfstoffproduktion wirft also ein gutes Licht auf die beteiligten Unternehmen, aber auch auf den Industriestandort Rhein-Main, der einst als „Apotheke der Welt“ berühmt war. Diese Zeiten sind vorüber, wenngleich im Industriepark in Höchst heute mit mehr als 20.000 Mitarbeitern mehr Menschen arbeiten als zu Zeiten der Hoechst AG. Doch dass nun die kurzen Wege zwischen Mainz und Höchst als Argument zugunsten der neuen Partnerschaft herangezogen werden, ist ein Beweis für die Leistungsfähigkeit der Industrie und mithin ein Ausrufezeichen hinter die Forderung, dem verarbeitenden Gewerbe in und um Frankfurt, politisch wie auch räumlich, ausreichend Platz einzuräumen.

          Biontech und Sanofi: Es wäre wünschenswert, hätte diese Kooperation Vorbildcharakter. Politik und Wirtschaft müssen alle Möglichkeiten ausschöpfen, Kooperationen anzubahnen. Berührungsängste dürfen dabei keine Rolle spielen.

          Daniel Schleidt
          Stellvertretender Koordinator der Wirtschaftsredaktion in der Rhein-Main-Zeitung.

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