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Patricia Andreae (cp.)

Corona-Folgen : Messe im Taumel

Die weltweite Messegesellschaft kann nur auf die jetzigen Rahmenbedingungen reagieren. Bild: Ly, Martin

Durch Kurzarbeit und den Aufschub bei Insolvenzen sind die Folgen für die Messegesellschaft noch nicht in Gänze sichtbar. Es wäre fürs Geschäft gut, wenn es einheitliche Regelungen für Reisen gäbe – wenigstens in Europa.

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          Keine richtige Buchmesse und auch danach bis Weihnachten nahezu kein Leben in den Hallen auf dem Frankfurter Messegelände: Die Verschiebung der Fachmesse Heimtextil von Januar in den Mai und die Bündelung der Frühjahrsmesse Ambiente mit der Christmas- und der Paperworld im April erscheinen angesichts der Corona-Pandemie folgerichtig. Und dennoch: Gemeinsam mit der faktischen Absage der Sanitärmesse ISH ergibt sich für das erste Quartal 2021 ein desaströses Bild eines der wichtigsten Konzerne Frankfurts – nicht nur für die Messe-Gesellschaft und damit Stadt und Land als Eigentümer, sondern auch für Messebau, Gastgewerbe und die vielen anderen Dienstleister, denen die Messen Umsatz bringen.

          Das der Messegesellschaft zum Vorwurf zu machen wäre falsch. Wie soll sie eine internationale Schau organisieren, wenn es weltweit Reisebeschränkungen gibt, manche Länder regelrecht abgeschnitten sind und viele Unternehmen ihre Mitarbeiter nicht zu einer Produktpräsentation schicken können oder wollen? Zwar wünschen sich Verbände wie jener der Maschinenbauer dringend wieder Messen, damit ihre Mitgliedsbetriebe Innovationen präsentieren, Kontakte mit Kunden knüpfen und Aufträge generieren können. Sie bemängeln ebenso wie Vertreter der Luftfahrtbranche, dass schon die unterschiedlichen Regelungen in den verschiedenen Bundesländern, mehr noch aber die in den verschiedenen Staaten Europas eine Wiederbelebung des Geschäfts ausbremsen.

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          Tatsächlich taumeln all jene, deren Geschäft mit den Messen verbunden ist, dem Abgrund entgegen, auch wenn Kurzarbeit und der Aufschub bei Insolvenzen dafür sorgen, dass dies noch nicht sichtbar wird. Darum wäre es gut, gäbe es einheitliche Regelungen für Reisen, wenigstens in Europa, besser noch weltweit. Allein auf den Impfstoff zu warten wird nicht reichen.

          Die Messegesellschaft aber, die in China schon wieder erfolgreich Veranstaltungen organisiert, kann nur auf die jetzigen Rahmenbedingungen reagieren. Die aber sind bei steigenden Infektionszahlen in diesem Herbst nicht so, dass man sich in den nächsten Monaten Treffen von vielen Menschen in geschlossenen Räumen vorstellen möchte. Spätestens zum Frühjahr aber braucht es Konzepte jenseits des Digitalen, damit das fast 800 Jahre alte Gewerbe in Frankfurt wieder zum Treffpunkt für Unternehmen und Kunden aus aller Welt und damit zum Wachstumtreiber werden kann.

          Patricia Andreae
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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