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Trotz Pandemie : Condor verlässt den Schutzschirm und hebt zum Neustart ab

Trotz aller Sparzwänge: Condor hat erst einmal sicherstellt, dass alle 4200 Condor-Mitarbeiter am Boden und in der Luft an Bord bleiben. Bild: dpa

Die Gläubiger der Fluggesellschaft haben dem Vorschlag zugestimmt, das Schutzschirmverfahren zu beenden. Und die Condorspitze hat durchaus Gründe für ihre Zuversicht.

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          Das Condor Management war schon vor dem Treffen am heutigen Donnerstag auf dem Areal der Messe Frankfurt zuversichtlich, dass die Gläubiger dem neuen Restrukturierungsplan ohne Investor und der Beendigung des Schutzschirmverfahrens der Ferienfluggesellschaft zustimmen würden. Das taten sie am Mittag dann auch. Die Gründe für die Zuversicht der Condorspitze sind tatsächlich plausibel: Die Liquidität der Condor ist nun durch ein langfristiges Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau mit einem Gesamtvolumen von 550 Millionen Euro gesichert. Die Fluggesellschaft versetzt dieser Kredit in die Lage, die heftigen Einbrüche der Fluggastzahlen in Folge der Corona-Pandemie und der weltweiten Reisebeschränkungen nicht nur zu überstehen, sondern auch einen Neustart unter Corona-Bedingungen zu wagen.

          Jochen Remmert

          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Das ist vor allem möglich, weil die traditionsreiche Fluggesellschaft nun davon profitiert, dass sie schon vor der Corona-Krise durch die Pleite ihres britischen Mutterkonzerns Thomas Cook gezwungen war, sich so schnell wie nur irgend möglich zu restrukturieren. Dazu nutze sie das Schutzschrimverfahren, eine Sonderform des Insolvenzrechts, bei dem das Management unter Aufsicht eines Sachwalters die Sanierung versucht.

          Aus Sicht der Gläubiger, die sich am heutigen Donnerstag auf dem Frankfurter Messegelände versammelt hatten, sind tatsächlich die Chancen nun größer denn je, doch noch etwas von den Außenständen zurück zu bekommen. Unter ihnen finden sich Zulieferer, Dienstleister und auch Passagiere, die eventuell nur einen Ersatz für einen beschädigten Koffer wünschen, wie eine Unternehmenssprecherin sagte. Das strenge Insolvenzrecht, zu dem das Schutzschirmverfahren gehört, in das die Condor eingetreten war, lasse auch in kleinen Dingen leider keine Kulanz zu.


          Inzwischen verfüge Condor wieder über eine leistungsfähige und krisenresistente Kostenstruktur, wie sie derzeit kaum eine andere Airline vorweisen könne, führte die Condor-Sprecherin weiter aus. Das sei eben auch dem erst einmal bitteren Umstand geschuldet, sich irgendwie aus der Notlage zu befreien, in die man unverschuldet durch die Insolvenz des britischen Reisekonzerns geraten sei.

          Tatsächlich war Condor selbst eigentlich profitabel unterwegs, als die Fluggesellschaft, die zu dieser Zeit noch im Frankfurter Stadtteil Gateway Gardens ihr Hauptquartier hatte, durch die Krise der Mutter selbst finanziell unter Druck geriet. Es wurde ein erster staatlicher Hilfskredit nötig, der allerdings nur eine kurze Laufzeit hatte. Rettung versprach eine Übernahme der Condor durch die polnischen Luftfahrtgruppe PGL, die staatliche Mutter der Fluggesellschaft Lot. Mit deren Hilfe hätte die Condor den alsbald fälligen Staatskredit in Höhe von 256 Millionen Euro begleichen können. Doch der Kauf scheiterte noch nach Abschluss des Vertrages an der dann schon fatal auf den Luftverkehr wirkenden Corona-Pandemie, der auch das polnische Luftfahrtunternehmen massiv traf.

          Einen neuen Investor zu finden, war aussichtslos

          Damit war der Kredit über mehr als eine Viertelmilliarde nach wie vor offen, es musste rasch finanzielle Hilfe her, wenn Condor überleben sollte. Mitten in der Corona-Krise einen neuen Investor zu vertretbaren Bedingungen zu finden, war aussichtslos. Doch dann ermöglichten der Bund und Hessen mit einer Bürgschaft das 550-Millionen-Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau.

          Damit konnte Condor den ersten Kredit begleichen. Die verbliebenen 294 Millionen Euro stehen Condor nun als Liquiditätsreserve zur Verfügung, um die nächsten Jahre auch ohne Investor und unter Corona-Bedingungen wieder erfolgreich touristische Flüge anzubieten. Dass die Condorianer diese Absicht mit großer Energie verfolgen, mag man auch daran erkennen, dass der Ferienflieger Kuba rasch wieder in die Reihe Fernziele aufgenommen hat, nachdem das auswärtige Amt die Reisewarnungen für das Land aufgehoben hat. In Zeiten, in denen in vielen anderen Ländern die Infektionszahlen steigen, durchaus ungewöhnlich.

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          Wie schnell und konsequent Condor unter Airline-Chef Ralf Teckentrup den Sparkurs eingeschlagen hat, lässt sich alleine schon daran erkennen, dass die Unternehmenszentrale bereits seit dem 1. August in Neu-Isenburg zu finden ist, nicht mehr in Gateway Gardens. Dabei nutzte Condor die Vorteile des Schutzschirmverfahrens. Condor hatte so die Möglichkeit Verträge vorzeitig zu kündigen, so auch den für die Zentrale in Gateway Gardens. Dem Vernehmen nach soll das Verhältnis zwischen Condor und dem Eigentümer der Immobilie ohnehin wegen Abrechnungsmodalitäten angespannt gewesen sein.

          Drei Millionen Euro Mietkosten in Gateway Gardens

          Die OFB Projektentwicklung GmbH und die Groß & Partner Grundstücksentwicklungsgesellschaft hatten die Condor-Unternehmenszentrale seinerzeit an die HUK-Coburg Versicherungsgruppe verkauft. Für Condor waren die fünf Etagen und eine Halle fürs Training schon seit geraumer Zeit zu groß und zu teuer gewesen. Die Beitrag zur Kostensenkung durch den Umzug in die neue, kleinere Zentrale in einem Bürogebäude nahe am Neu-Isenburger Bahnhof kann sich sehen lassen: In Gateway Gardens standen rund drei Millionen Euro im Jahr an Mietkosten zu Buche, in Neu-Isenburg 700.000 Euro, wie die Condor-Sprecherin weiter wissen ließ.

          Trotz aller Sparzwänge hat Condor, anders als etwa der große Mitbewerber Lufthansa mit allen Sozialpartnern eine umfassenden Einigung erzielt, die zwar auch der Arbeitnehmerseite Zugeständnisse abverlangt, aber Stellenabbau verhindert und erst einmal sicherstellt, dass alle 4200 Condor-Mitarbeiter am Boden und in der Luft an Bord bleiben.

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