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Commerzbank : Investment-Banker erstreitet Millionen-Abfindung

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Ehemalige Dresdner-Banker haben sich vor Gerichten bisher 4,5 Millionen Euro erstritten, die die Commerzbank zahlen soll Bild: dpa

Die Commerzbank hat im Streit um Bonuszahlungen eine juristische Niederlage erlitten: Das Institut muss einem ehemaligen Investment-Banker der Dresdner Bank weitere 1,5 Millionen Euro Abfindung zahlen. Es ist in Deutschland die erste Klage wegen gestrichener Sonderzahlungen.

          Die Commerzbank hat im Streit um millionenschwere Bonuszahlungen eine juristische Niederlage erlitten. Das Arbeitsgericht Frankfurt sprach einem hochrangigen ehemaligen Investmentbanker der Dresdner Bank am Donnerstag insgesamt 4,5 Millionen Euro zu.

          Die Commerzbank hatte dem nach der Dresdner-Übernahme ausgeschiedenen Jens-Peter Neumann eine Abfindung von 1,5 Millionen Euro verweigert und den bereits gezahlten Bonus von drei Millionen Euro zurückgefordert. Den hatte der ehemalige Kapitalmarktchef der Dresdner Bank vor deren Verkauf als Bleibeprämie erhalten. Die Commerzbank behält sich vor, in Berufung zu gehen, wie ein Banksprecher sagte. Nach Zugang des schriftlichen Urteils hat sie dafür vier Wochen Zeit.

          „Besondere Wertschätzung der Bank“

          Commerzbank-Chef Martin Blessing hatte nach einem Verlust von mehr als sechs Milliarden Euro im vergangenen Jahr alle Sonderzahlungen an ihre Mitarbeiter nachträglich gestrichen. Die Rückforderung an Neumann hatte die Bank mit der verschlechterten Ertragslage begründet.

          Das ließ das Arbeitsgericht nicht gelten: „Es ist nicht erkennbar, dass die Ertragslage des Unternehmens in irgendeiner Form zur Geschäftsgrundlage des geschlossenen Aufhebungsvertrages erhoben worden war.“ Aus diesem ergebe sich vielmehr, dass die gesamten 4,5 Millionen Euro „als besondere Wertschätzung der Bank“ gezahlt werden sollten, falls Neumann bis zum Abschluss der Übernahme bliebe.

          Die Vorstände der Dresdner Bank und der Allianz hatten auf Anraten der britischen Finanzaufsicht einen Topf von 400 Millionen Euro bereitgestellt, damit die Investmentbanker nicht schon vor dem Verkauf an die Commerzbank absprangen.

          Neumanns Chef hatte auf seinen Bonus verzichtet

          Der 50-Jährige Neumann, der die Bank Ende Januar verlassen hat und jetzt auf Zypern lebt, erschien nicht im Gerichtssaal. Er ist der erste Investmentbanker, der in Deutschland wegen gestrichener Millionenboni geklagt hatte. Die meisten Verfahren gegen die Commerzbank sind in London anhängig, die meisten von Neumanns Untergebenen waren dort angestellt. Mehrere Prozesse hat sie bereits verloren, in anderen Fällen ließ sie sich auf Vergleiche ein. In Frankfurt beginnen nächste Woche ein Dutzend weiterer Verfahren um Boni. Das Urteil im Fall Neumann sei dafür aber kein Präjudiz, sagte der Sprecher, weil es dabei um reine Leistungsboni gehe.

          In der von Neumann seit 2006 geleiteten Kapitalmarktsparte war der größte Teil der Bewertungsverluste entstanden, die die Commerzbank tief in die roten Zahlen gerissen hatten. Richter Klaus Köttinger stellte allerdings fest, dass die Bank bereits einen Verlust von 2,9 Milliarden Euro erwartete, als sie den Aufhebungsvertrag mit Neumann unterzeichnete. Neumanns Anwältin Tanja Karhausen sagte, das Minus habe „nicht viel zu tun mit der Leistung des Klägers“. Falsche Anreize für kurzfristige Erfolge werden für die Fehlentwicklungen in Banken verantwortlich gemacht, die zur Finanzkrise führten.

          Der ehemalige Betriebsratschef der Dresdner-Bank-Zentrale, Hans Georg Binder, sprach von einer fatalen Signalwirkung für die übrigen Bank-Mitarbeiter. „Herr Neumann hat schon genug Geld bekommen, er könnte gut darauf verzichten.“

          Neumanns ehemaliger Chef Stefan Jentzsch hatte auf seinen Bonus für 2008 verzichtet, war aber mit einer Abfindung von acht Millionen Euro gegangen.

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