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Commerzbank etikettiert um : Kurbeln, strahlen, Tadel aushalten

Der Fürstenhof wird gelb: Martin Blessing kurbelt gemeinsam mit Kunden Bild: Helmut Fricke

Die Übernahme wird sichtbar. Seit Dienstag hängt das neue Logo der Commerzbank an den beiden Türmen und ersten Filialen in Frankfurt. Weitere Zweigstellen in der Region werden in den nächsten Wochen umgestaltet, einige werden zusammengelegt.

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          Der Protest bleibt Martin Blessing nicht erspart. Alles ist so feierlich, all die Fernsehkameras und Fotoapparate sind auf den Chef der Commerzbank gerichtet. Endlich, fast zwei Jahre nach Ankündigung der Dresdner-Bank-Übernahme, kann er gemeinsam mit zwei Vorzeigekunden die Abdeckung herunterkurbeln, so dass an der einstigen Prunkfiliale der Dresdner Bank gegenüber der Europäischen Zentralbank der neue Schriftzug der Commerzbank samt Logo zum Vorschein kommt.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch kaum ist das gelbe Emblem enthüllt, stört ein Passant die Feierstunde an der Gallusanlage. „20 Euro können Sie haben, Sie armer Banker“, ruft der Mann in brauner Lederjacke, „oder gleich meine ganzen Rentenbezüge!“ Sicherheitsleute können ihn gerade noch davon abhalten, dem Chef der vom Staat mit 18 Milliarden Euro gestützten Commerzbank einen 20-Euro-Schein in die Hand zu drücken – seine empörten Rufe können sie aber nicht verhindern.

          Umbau binnen Wochen

          Der Fürstenhof hat den Anfang gemacht, in den nächsten Tagen und Wochen sollen alle 100 hessischen Filialen auf das neue Design umgestellt werden. Im Frankfurter Stadtgebiet werden es am Ende der Umstellung noch 24 Geschäftsstellen sein. An sechs Standorten liegen die bisherigen Ableger der beiden Kreditinstitute so nahe beieinander, dass jeweils einer geschlossen und der andere vergrößert werden soll. Arbeitsplätze sollen dabei nicht abgebaut werden, sagte der Leiter des Privatkundengeschäfts in der Gebietsfiliale Frankfurt, Werner Braun.

          Am Opernplatz hat die bisherige Commerzbank-Filiale den Zuschlag bekommen, jene der Dresdner Bank schräg gegenüber am Eingang zur Freßgass’ wird aufgegeben, wie Braun sagte. Auch die Filialen, die sich am Roßmarkt und der Hauptwache schräg gegenüber liegen, werden in ein gemeinsames Gebäude ziehen. Allerdings steht hier noch nicht fest, in welches. Im Frankfurter Stadtteil Höchst werden die Dresdner-Banker vom Bahnhof in die Commerzbank an der Hostatostraße ziehen, die Geschäftsstellen am Dornbusch, dem Flughafen und im Gallus werden auch zusammengelegt.

          Vollständige Integration der Computersysteme

          Der Zeitplan steht noch nicht fest, wie Braun weiter sagte. Voraussetzung ist die vollständige Integration der Computersysteme beider Banken, womit Blessing bis Mitte 2011 rechnet. Wegen bestehender Mietverträge können manche Kollegen auch erst 2013 zusammenziehen. Und so werden in den nächsten Wochen auch diejenigen Filialen noch auf das neue Design umgestellt, die in absehbarer Zeit geschlossen werden. 50 Millionen Euro kostet der Prozess laut Blessing in ganz Deutschland.

          Pünktlich zur Umrüstung stehen inzwischen sämtliche 3800 Führungskräfte fest, die die insgesamt 45.000 Mitarbeiter leiten sollen, wie Blessing weiter berichtete. Zum 1. Juli wird auch in jeder Filiale der künftige Filialleiter feststehen. Die Zweigstellen, die später zusammengelegt werden, sollen von diesem Tag an ebenfalls von einer Person geleitet werden.

          Vom Fürstenhof zum Kaiserplatz

          Was für ein Personalkarussell sich mit der Neuaufstellung in Gang gesetzt hat, zeigt das Beispiel Kelkheim. An der Frankfurter Straße liegt einer der ersten Standorte, an denen Dresdner Bank und Commerzbank unter ein Dach gezogen sind. Seit Dezember läuft hier ein Pilotprojekt, bei dem der Chef der ehemaligen Dresdner-Bank-Zweigstelle, Markus Böhm, und sein Pendant von der Commerzbank, Rene Koch, eine Stelle gemeinsam leiten. Wie am Rande der Veranstaltung zu hören war, verlassen beide die Filiale nun wieder, weil sie sich auf andere Stellen beworben haben. Koch geht nach Friedberg und Böhm nach Bad Soden. In Kelkheim übernimmt Markus Neumann das Ruder, der bislang in Hanau tätig war.

          Martin Blessing geht nach der Eröffnung der Commerzbank-Filiale im Fürstenhof hinüber zur Zentrale der Bank am Kaiserplatz. Hier ist er vor kritischen Zwischenrufen geschützt. In die 49. Etage des Hochhauses haben Berater der Bank ihre besten Kunden geladen, um mit ihnen auf großen Bildschirmen zu verfolgen, wie draußen am Turm das neue Logo enthüllt wird. Wieder holt sich Blessing Verstärkung von den beiden Kunden, die im Kundenbeirat des Hauses sitzen – auch wenn diesmal nicht wie vorher am Fürstenhof gekurbelt werden muss, sondern nur ein roter Knopf betätigt wird.

          „Nicht zu hopplahopp“ vorangetrieben

          In 200 Metern Höhe hängt es nun, das 900 Kilogramm schwere Emblem, das im Grunde dem einstigen Jürgen-Ponto-Auge genannten Dresdner-Bank-Logo entspricht, nur in Gelb. Eine neue Sonne strahlt über Frankfurt, sagt die Moderatorin der Veranstaltung beschwingt. Und Blessing strahlt fast genau so, vermutlich auch ob des Beifalls, den er von der versammelten Kundschaft erhält.

          Ali Riza Tuselmas, der Kunde in der Filiale an der Frankfurter Schillerstraße ist, findet, dass es höchste Zeit war, den einheitlichen Auftritt umzusetzen. Nun hofft er, dass auch der Aktienkurs der Bank sich bald wieder nach oben begeben möge. Franz-Gerd Brill, lange Zeit Partner bei KPMG, findet es gut, dass die Umstellung „nicht zu hopplahopp“ vorangetrieben wurde. Er sei seit fast 50 Jahren Kunde der Dresdner Bank gewesen. An das neue Gelb des Logos müsse er sich erst einmal gewöhnen.

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