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Commerzbank/Dresdner Bank : Schwierigster Abschnitt der Übernahme kommt noch

Das Grüne muss ins Gelbe: Die Integration der Dresdner Bank läuft auf vielen Baustellen Bild: AP

Die Commerzbank sieht die Integration der Dresdner Bank zu einem Drittel vollzogen. Das gilt auch für den Stellenabbau. Unklar bleibt, was mit „Randaktivitäten“ passiert - und mit der Eschborner Eurohypo.

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          Es kommt schon einmal vor, dass in den Briefschlitz der Commerzbank-Filiale an der Bad Homburger Luisenstraße ein Überweisungsträger der Dresdner Bank geworfen wird. Offenbar sind einige Kunden der beiden Häuser schon weiter als die Banken selbst. Denn die offizielle Verschmelzung - also der Moment, zu dem die Dresdner auch rechtlich Teil der Commerzbank und Mitarbeiter der grünen zu Mitarbeitern der gelben Bank werden - ist erst für den 11. Mai vorgesehen. Die Vorbereitungen dafür laufen aber seit Monaten auf Hochtouren.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Als „Marathonlauf im großen Team mit einigen Zwischensprints und bei widrigen Witterungsbedingungen“ bezeichnete Jochen Klösges, der in der Zentrale die Konzernentwicklung leitet, die Integration bei einem Pressegespräch. Derzeit sei man bei Kilometer 15, habe also gut ein Drittel hinter sich gebracht. Der schwierigste Streckenabschnitt stehe aber noch bevor. Denn gerade im Moment sei die Unsicherheit unter den Beschäftigten am größten. „In dieser Phase können wir auf viele Fragen noch keine klaren Antworten geben“, sagte Klösges.

          6500 Stellen in Deutschland weiter auf der Kippe

          Dazu gehört auch die Frage, was mit der Eschborner Tochter Eurohypo geschieht. Medienberichten zufolge soll die Kommission der Europäischen Union die Abspaltung fordern, bevor sie die staatlichen Hilfen für die Bank gutheißt. Auch von der Ablösung anderer Geschäftssparten wie etwa der Bad Vilbeler Bauspartochter der Dresdner Bank ist immer mal wieder zu hören. Ob die durch solch einen Schritt wegfallenden Stellen auf die 9000 angerechnet würden, deren Streichung im Zuge der Dresdner-Übernahme angekündigt worden war, blieb gestern ebenfalls unklar.

          Grundsätzlich wolle man an dem angekündigten Abbau von 9000 Stellen, davon 6500 in Deutschland, festhalten, sagte Klösges. Auch hier sei man bislang fast ein Drittel des Weges gegangen, erläuterte der Bereichsvorstand Personal, Ulrich Sieber. „Rund 28 Prozent des inländischen Personalabbaus sind kontrahiert.“ Will heißen: Etwa 1000 Verträge zur Altersteilzeit sind bereits unterschrieben, weitere 300 sind aufgesetzt, zudem sind seit der Ankündigung der Übernahme im September 600 Mitarbeiter ausgeschieden, deren Stellen nicht wieder besetzt wurden.

          Als Frist für den Abbau aller vorgesehenen Stellen hat sich die Commerzbank das Jahr 2013 gesetzt. Bis Ende 2011 will sie auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten. Der Konzernbetriebsratsvorsitzende Uwe Tschäge wies darauf hin, dass die Integration in den Abteilungen unterschiedlich schnell vorangehe. Während etwa in der Personalabteilung sehr schnell die neue Sollgröße bestimmt worden sei, damit sie zügig die weiteren Schritte angehen könne, dauere es in der Informationstechnologie besonders lange. Mit der Anpassung der Computersysteme beider Banken seien die Mitarbeiter in den nächsten ein bis zwei Jahren derart beschäftigt, dass hier vorerst überhaupt keine Stellen wegfielen. Verhandelt wird noch über Abteilungen in der Geschäftsabwicklung, etwa der Kreditbearbeitung, in denen „zig Standorte der Dresdner Bank“ zur Disposition stünden, wie Tschäge weiter sagte.

          Kontroversen um die Altersvorsorge beider Häuser

          Derzeit laufen die Bewerbungsgespräche für die Stellen in den zusammengelegten Abteilungen. Die Quote der Mitarbeiter, die sich auf ihre alte Position in der neuen Bank bewerben, bezifferte Sieber lediglich mit 50 Prozent. In der Regel steige eine solche Rate aber zum Ablauf der Bewerbungsfrist hin deutlich an. Eine erhöhte Fluktuation sei derzeit nicht festzustellen. Sowohl in der Commerzbank als auch in der Dresdner liege der Anteil der Filialmitarbeiter, die die Häuser verließen, bei zwei bis drei Prozent.

          Die Kontroversen um die Altersvorsorge beider Häuser halten offenbar an. Sieber stellte klar, dass die Dresdner-Bank-Mitarbeiter mit dem Übergang auf die Commerzbank keinerlei Ansprüche auf Altersvorsorge verlören. Ihm zufolge hatte die bisherige Eigentümerin Allianz in den vergangenen Jahren allerdings ein Zusatzprogramm aufgelegt, das für Banken untypisch ist. Zwar sei man hier weiter in Verhandlungen, sagte Sieber, machte aber deutlich, dass er das Allianz-Programm für nicht marktgerecht hält.

          Einer Umfrage der TNS Infratest unter Mitarbeitern beider Häuser zufolge sehen derzeit 69 Prozent die Integration als Erfolgsgeschichte. Bei der offenen Frage, was sie in dem Prozess besonders kritisierten, hatte mehr als jeder Zehnte moniert, dass die Bank die Bonuszahlungen für alle Mitarbeiter gestrichen hatte.

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