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Clariant Deutschland : Geld in der Kasse wichtiger als Innovationen

Mit Personalabbau beschäftigt: Ulrich Ott, Chef von Clariant Deutschland, und Arbeitsdirektorin Doris Etter Bild: Cornelia Sick

Die deutschen Standorte des Chemiekonzerns Clariant durchleben ein Restrukturierungsprogramm nach dem anderen. Der neue Deutschland-Chef Ulrich Ott sieht kein Ende der Nachfrageschwäche. Weitere Stellen fallen weg, besonders in der Forschung in Frankfurt-Höchst.

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          Die deutschen Standorte des schweizerischen Chemiekonzerns Clariant kommen nicht zur Ruhe. Seit Jahren schon durchleben sie ein Restrukturierungsprogramm nach dem anderen. In den nächsten Monaten steht nicht nur ein weiterer Stellenabbau bevor, im vierten Quartal wird die Konzernspitze in Muttenz auch darüber befinden, welche Produktionsanlagen und Standorte reduziert oder geschlossen werden. Was die etwa 1600 Mitarbeiter im Industriepark Frankfurt-Höchst zu erwarten haben, lässt Ulrich Ott, der neue Vorsitzende der Geschäftsführung der Clariant Verwaltungsgesellschaft mbH in Sulzbach, offen. Er verspricht aber: „Da betrachten wir unsere Produktionslandschaft weltweit“, wobei es um die aktuelle und die erwartete Auslastung sowie die Wettbewerbsfähigkeit der Anlagen gehe.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Klar ist: Bei Clariant sollen nach dem Jahresende in Deutschland 180 Beschäftigte weniger als derzeit auf den Lohnlisten stehen, nachdem in zwei Personalabbauwellen in diesem Jahr deutschlandweit schon 250 Stellen gestrichen worden sind. 129 Arbeitsplätze werden allein in Höchst wegfallen, wo das Unternehmen unter anderem Pigmente für Autolacke herstellt. Weltweit will Clariant zum Jahresende weniger als 18.000 Mitarbeiter beschäftigen. Das ist gut ein Zehntel weniger als zum Jahresbeginn. Für Deutschland peilt die Konzernzentrale 4270 Mitarbeiter nach 4700 zu Jahresbeginn an.

          „Derzeit solide Cash-Position“

          Der Konzern sieht sich im Vergleich zur Konkurrenz bei wesentlichen Kennziffern im Hintertreffen. Das gilt für den Umsatz je Mitarbeiter, die Verwaltungskosten im Verhältnis zu den Erlösen oder auch die Ergebnismarge vor Zinsen und Steuern. Hinzu kommen die schwache Auslastung der Anlagen von rund 50 Prozent und die Prognose, mittelfristig ein Fünftel weniger Umsatz zu erzielen als 2008. Arbeitsdirektorin Doris Etter warnt: „Wenn wir unsere Hausaufgaben nicht erledigen und die Kapazitäten nicht anpassen, bekommen wir massive Probleme.“ Das gelte auch trotz der „derzeit soliden Cash-Position“.

          Um bei den Kennziffern im Branchenvergleich vom Tabellenende ins obere Mittelfeld zu gelangen und genügend liquide Mittel zu erwirtschaften, strebt der Konzern nach Kostensenkung. Denn über Verkäufe seien die nötigen liquiden Mittel nicht hereinzuholen, meint Ott - von Wachstum angesichts der Überkapazitäten am Markt ganz zu schweigen.

          „Derzeit hat Forschung keine Priorität“

          Ott teilt auch nicht die Markteinschätzung von Konkurrenten. Karl-Ludwig Kley, Vorstandschef des Darmstädter Spezialchemikalien-Herstellers Merck, hatte vergangene Woche verlautbart, Merck komme in seinem Pigmentgeschäft so aus der Krise heraus, wie der Konzern hineingeraten sei. Man wisse nicht, wie nachhaltig der Auftrieb bei den Bestellungen ausfalle, warnt Ott. Angesichts dessen und der Erkenntnis, dass die Verwaltungskosten zu hoch seien, will Clariant hierzulande vor allem in der Forschung Stellen abbauen - besonders in jener, die neue Produkte hervorbringen soll. Etter: „Forschung und Entwicklung können derzeit keine Priorität haben.“

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