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Ergebnis des Bieterwettbewerbs : Konzern aus China soll Flughafen Hahn retten

Lichtblick: Durch die Verhandlungen mit nur noch einem Bieterkonsortium erscheint die Zukunft des Hahn-Flughafens weniger ungewiss. Bild: dpa

Die Deidesheimer ADC GmbH mit dem chinesischen Konzern HNA im Hintergrund darf den Flughafen Hahn im Hunsrück kaufen. Nun beginnen die Detailverhandlungen.

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          Mit einer Kombination aus Passagierfliegerei, Luftfrachtumschlag und einer Art Produktions- und Industriepark will die Deidesheimer ADC GmbH den hochdefizitären Flughafen Hahn im Hunsrück in die Gewinnzone bringen. Das Unternehmen mit der HNA-Gruppe aus China als Geldgeber und Partner hat den Bieterwettbewerb um den Kauf des Flughafens für sich entschieden. Wenn die Detailverhandlungen erfolgreich verlaufen, soll Mitte Februar der Kaufvertrag unterzeichnet werden. Im ersten Bieterverfahren hatte die ADC noch einen Euro plus Kassenbestand geboten, war damit aber der Shanghai Yiqian Trading Co. Ltd. unterlegen, die rund 20 Millionen Euro für den Flughafen geboten hatte. Obwohl die Beratungsgesellschaft KPMG den Kauf begleitet und die Interessenten geprüft hatte, entpuppte sich dieses Unternehmen als vollkommen unseriös, als eine Art Briefkastenfirma. Die Mainzer Landesregierung zog die Notbremse, blamierte sich zwar, vermied damit aber Verluste. Das Bieterverfahren musste neu aufgelegt werden.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Nun haben ADC und HNA für die Anteile von Rheinland-Pfalz und Hessen am Flughafen Hahn dem Vernehmen nach 15,1 Millionen geboten. Einen Kassenbestand gibt es inzwischen gewissermaßen nicht mehr, der Betrieb des Flughafens wird mit einem vom Land Rheinland-Pfalz bereitgestellten Darlehen aufrechterhalten. Das Gesamtvolumen dieses Gesellschafterdarlehens liegt bei 34 Millionen Euro. Mitte Dezember ist eine erste Tranche geflossen, Anfang Februar war eine zweite geplant. Es sollten jeweils 1,0 bis 1,5 Millionen Euro sein. Wie lange es dauert, den Flughafen Hahn in die Gewinnzone zu bringen, sei jetzt noch nicht zu sagen, gibt Christoph Goetzmann unumwunden zu. Zusammen mit Geschäftsführer Siegfried Englert arbeitet Goetzmann bei ADC an einem Zukunftskonzept für den 120 Kilometer von Frankfurt entfernten ehemaligen amerikanischen Militärflughafen. Goetzmann wie auch Englert sind sich aber sicher, dass der Flughafen nur in einer Kombination aus Passagierfliegerei – zurzeit mit dem Hauptkunden Ryanair –, Frachtverkehr und mit dem Aufbau eines Industrieparks auf lange Sicht rentabel zu betreiben ist. Goetzmann weiß, wovon er spricht: Der Flughafen-Manager verantwortete schon einmal den Vertrieb am Flughafen Hahn.

          Die HNA-Group investiert weltweit im Luftfahrtgeschäft

          Worum es dort geht, weiß auch ADC-Geschäftsführer Englert als ehemaliger SPD-Wirtschaftsstaatssekretär der Landesregierung in Mainz recht genau, wenngleich die Verantwortung für den Flughafen im rheinland-pfälzischen Innenministerium angesiedelt ist. Der Sinologe Englert verfügt zudem über beste Kontakte in die chinesische Wirtschaft und Politik. Der Flughafen Hahn gehört zu 82,5 Prozent Rheinland-Pfalz, 17,5 Prozent der Anteile hält nach wie vor Hessen. Hier ist für derlei Beteiligungen das Finanzministerium zuständig. Wie es dort gestern hieß, werde man die Verkaufsentscheidung der Landesregierung in Mainz abwarten und dann selbst mit den Kaufinteressenten verhandeln. Die Wahrscheinlichkeit ist aber groß, dass sich die hessische Landesregierung der Entscheidung aus Mainz anschließen wird. Dafür spricht nicht zuletzt, dass es sich bei der HNA Group, die hinter der ADC aus Deidesheim steht, um einen veritablen Investor handelt, der weltweit aktiv ist und ganz besonders im Luftfahrt- und Touristikgeschäft mit großem Appetit wächst. So hat die Gruppe gerade die Weltmarktführerposition der Luftfahrt-Caterer übernommen, indem sie nach dem Kauf des Schweizer Bordverpflegungs-Anbieters Gategroup auch die Kontrolle beim französischen Anbieter Servair übernommen hat. Der zum Lufthansa-Konzern gehörende Anbieter LSG Sky Chefs hat damit die Pole-Position verloren.

          Zu den mittelbaren Folgen in Frankfurt gehörte, dass der Ferienflieger Condor nach 50 Jahren der Zusammenarbeit aus Kostengründen von der LSG zur Gategroup wechselte.Doch die HNA Group ist längst nicht nur im Catering engagiert. Der privat geführte Konzern aus dem Reich der Mitte betreibt dort 13 Flughäfen und 14 Fluggesellschaften. Im Ausland ist HNA außerdem an den Fluggesellschaften Aigle Azur in Frankreich, der Azul in Brasilien und der ghanaischen Africa World Airlines beteiligt. Der Schweizer Bodenabfertiger Swissport gehört der Gruppe inzwischen auch. Die Chinesen betreiben mittlerweile auch die europäischen Hotelketten NH Hotels und Carlson. Und doch wollte der ADC-Geschäftsführer gestern nicht zu viel Euphorie verbreiten. So wies er darauf hin, dass vor dem Abschluss des Kaufvertrags beispielsweise die Frage der Altlasten, die es auf einem Militärflughafen solcher Größe zwangsläufig gebe, so geregelt werden müsse, dass nicht nach dem Verkauf unerfüllbare Forderungen an den dann privaten Betreiber herangetragen würden, von denen zuvor nicht die Rede gewesen sei.

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