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Singulus AG : Chinesen lassen fränkischen Solar-Zulieferer warten

Hightech aus Unterfranken: Singulus-Maschine zur Herstellung von Solarmodulen Bild: Singulus

Der fränkische Maschinenbauer Singulus hat schon einige Großaufträge aus China verbucht. Eine weitere Bestellung lässt aber länger auf sich warten als gedacht. Die Reaktion der Börse fällt interessant aus.

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          Der fränkische Maschinenbauer Singulus AG ist bekannt geworden mit Anlagen zur Produktion von Compact Discs (CD) und Digital Versatile Discs (DVD). Doch dieser Markt liegt im Zeitalter der Streaming-Dienste darnieder. Vor diesem Hintergrund baut Singulus auf seine Solarsparte. Das in Kahl am Main ansässige Unternehmen hofft dabei auf große Geschäfte in China – als Zulieferer von Maschinen, mit denen Kunden sogenannte Dünnschicht-Solarmodule herstellen können.

          Thorsten Winter
          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Im November meldete der börsennotierte Mittelständler mehrere Übereinkünfte zur Lieferung solcher Anlagen, unter anderem für eine neue Fabrik seines Großkunden China National Building Materials (CNBM) am Standort Meishan in der Provinz Sichuan. Der Aktienkurs schoss daraufhin nach oben. Doch der entsprechende Auftrag steht im Gegensatz zu anderen Bestellungen weiter aus.

          Im laufenden Quartal wird es mit diesem Projekt auch nichts mehr werden, wie Singulus am Sonntagabend wissen ließ. Vor diesem Hintergrund könne das Unternehmen seine bisher gesteckten Ziele für Umsatz und Gewinn nicht mehr erreichen, hieß es weiter in Kahl am Main. Und was macht die Börse mit dieser Nachricht? Wer zu spät kommt, den bestraft der Anleger – diese Alltagsweisheit zeigt sich auch hier. Allerdings fällt die Reaktion nicht so harsch aus, wie es sich gerade in Zeiten wie diesen erwarten ließe, die von größeren Kursschwankungen geprägt ist.

          Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

          Vorbörslich hat der Aktienkurs um die sechs Prozent abgegeben, die Tendenz bestätigt sich im frühen Handel. Dass der Kurs nicht tiefer fällt, könnte auch an der Kursentwicklung der vergangenen Wochen und Monate liegen. Die Aktie war schon von 10,40 Euro im März auf 5,30 Euro gefallen, bevor die jüngste Meldung kam. Sie markiert nun mit 5,06 Euro ihr Sechs-Monats-Tief. Binnen Jahresfrist hat sie 55 Prozent verloren. Anleger sind mithin schon vorsichtig gewesen.

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          Zudem ist aufgeschoben nicht aufgehoben, wie es bei Singulus weiter heißt. Die Chinesen wollen nach eigener Aussage die Verträge über den weiteren Ausbau der Produktionskapazizäten für die CIGS-Dünnschicht-Module nun im Schlussquartal unterzeichnen. So steht es jedenfalls in der Meldung an die Börse. „Mit der dann zu erwartenden Unterzeichnung der Verträge wird die einhergehende Anzahlung fällig und es ist auskunftsgemäß von einer zügigen Realisierung des anschließenden Projektes auszugehen“, teilen die Franken weiter mit.

          Der Vorstand sehe die bisherigen Aussagen zu den Dünnschicht-Projekten in China bestätigt. „Bedauerlich sind die Verzögerungen auf der Zeitschiene“, meint der Vorstand und spricht von positiven Aussichten.

          Sportliches Kursziel

          Angesichts der ausgebliebenen Nachricht zu dem erwarteten Großauftrag hat das Analysehaus Warburg Research schon am 5. September das Kursziel für Singulus leicht gesenkt. Es bleibt aber sportlich. Analyst Malte Schaumann steckt es bei 18 Euro nach 18.50 Euro. Daraus folgt ein Kurspotential von mehr als 200 Prozent. Schaumann erwartet demnach weiter starke Verkäufe und ein Gewinnwachstum im nächsten Jahr.

          Die neue Prognose von Singulus steht aber aus. Wie ein Sprecher zur F.A.Z. sagte, bleibt die Prognose vorerst ausgesetzt. Im Oktober oder November werde es wohl mehr Klarheit geben. Dessen ungeachtet erhofft sich das Unternehmen laut Sprecher auch eine Belebung des europäischen Marktes. In welche Richtung es geht, könnte sich während der Branchenschau EU PVSEC in Marseille in dieser Woche zeigen. Singulus ist dort vertreten.

          Eine größere Transparenz zu Aufträgen und Anzahlungen dürfte das angeschlagene Vertrauen in Singulus wieder herstellen, meint der Warburg-Analyst derweil. Den aktuellen Kursrücksetzer sieht er als Kaufgelegenheit an. Mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 0,35 ist die Aktie sicher nicht teuer.

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