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Chemieunternehmen Kuraray : Spezialitäten für Bürotürme und Kosmetika

Arbeitsbasis: Kuraray Europe sitzt und produziert in Frankfurt-Höchst Bild: Unternehmen/Rüther

Das japanische Chemie-Unternehmen Kuraray hat sich von Frankfurt-Höchst aus neue Märkte erschlossen, investiert dort fast 60 Millionen Euro und stellt ein. Die Solarbranche ist ein Wachstumstreiber.

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          Matthias Gutweiler freut sich über jedes neue Hochhaus in Frankfurt und andernorts. Zwar verdient er nichts an Planung oder Bau. Doch Hochhäuser werden gemeinhin mit Schallschutzfenstern ausgestattet – und unter anderem davon profitiert die von Gutweiler geleitete Kuraray Europe GmbH mit Sitz im Industriepark Frankfurt-Höchst. Als größte Auslandstochter eines japanischen Chemiekonzerns stellt das Unternehmen auf dem Stammgelände der früheren Hoechst AG vor allem PVA her. Hinter diesem Kürzel verbirgt sich Polyvinylalkohol, eine vielseitig einsetzbare Chemikalie. Dieses Produkt veredelt Kuraray in Höchst auch zu einer weiteren chemischen Spezialität.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Verbraucher bekommen diese beiden Erzeugnisse als solche nicht zu Gesicht, haben aber täglich mit ihnen zu tun. Werden sie doch bei der Produktion von Papier und Textilien, Kosmetika und Klebstoffen, Keramik und Verpackungen verwendet. Auch in Wandfarben, für die Nachbar Celanese in Höchst andere Zutaten herstellt, werden sie verarbeitet. Zudem benötigen Solarzellenhersteller, die sich auf Dünnschichttechnik verlegt haben, Produkte von Kuraray Europe. Dieses Geschäftsfeld ist noch jung, wächst aber extrem stark. Seit 2007 ist der Umsatz jedes Jahr um 50 bis 100 Prozent geklettert, wie Gutweiler berichtet. „Dieses Jahr wird schwieriger“, schränkt er ein – aber um einen zweistelligen Prozentsatz soll es schon aufwärts gehen.

          Umsatz drei Mal so hoch wie 2002

          Vor diesem Hintergrund erklärt sich die Absicht des Mutterkonzerns, in den nächsten beiden Jahren in Höchst rund 58 Millionen Euro zu investieren und eine sechste Fertigungsstraße zu bauen. Dieser Plan kommt schon deshalb einer Sensation gleich, weil Chemiekonzerne in den vergangenen Jahren vorzugsweise in Asien investiert haben, nicht aber im Hochlohnland Deutschland. So nennt Gutweiler die Investition auch „nicht selbstverständlich“. Kuraray Europe hat aber durchaus gute Argumente auf seiner Seite.

          Seit der Übernahme der Anlage vom Clariant-Konzern vor gut neun Jahren hat das Höchster Unternehmen den Umsatz von 130 Millionen Euro auf zuletzt 420 Millionen Euro im Jahr erhöht. Die 2005 in Betrieb genommene fünfte Fertigungsstraße und der Erwerb eines Betriebs in Troisdorf haben wichtige Beiträge dazu geleistet. Nach dem Einbruch infolge der Rezession liegen die Erlöse wieder auf dem Niveau von 2008, wie Gutweiler erläutert. Zudem erwirtschaftet Kuraray Europe nach seinen Worten Gewinne, die er aber nicht beziffert, und hat sich in den vergangenen Jahren den gesamten osteuropäischen Raum sowie Russland als Märkte erschlossen.

          „Wir werden sicher aufstocken“

          Mittlerweile gilt Kuraray bei seinem Produkt als europäischer Marktführer. So müssen die Japaner den seinerzeit als „ambitioniert“ eingestuften Kaufpreis, der doppelt so hoch war wie der Jahresumsatz, nicht bereuen: „Mit dem Preis waren hohe Erwartungen verknüpft und die haben sich erfüllt“, sagt Gutweiler ruhig, aber selbstbewusst. Nun plant er, den Umsatz in den nächsten Jahren um jeweils fünf bis zehn Prozent zu steigern und dem Markt vorauszueilen.

          Das Wachstum spiegelt sich auch im Stellenaufbau wider. Zum Zeitpunkt der Übernahme von Clariant zählte das Unternehmen in Höchst etwa 250 Mitarbeiter – nun sind es 300, zu denen sich 50 Beschäftigte gesellen, die früher in Düsseldorf saßen; 250 arbeiten in Troisdorf. Zur Inbetriebnahme der sechsten Fertigungsstraße, mit der Kuraray den Jahresausstoß im Vergleich zu 2002 auf 94 000 Tonnen verdoppeln will, werden es in Höchst mehr als 300 sein: „Wir werden sicher aufstocken, haben aber noch nicht beschlossen, wie viele Mitarbeiter wir einstellen.“

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