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Chemieindustrie : Ticona zieht in den Industriepark Höchst um

  • Aktualisiert am

Liegt noch in der Einflugschneise der geplanten Landebahn: das Ticona-Chemiewerk Bild: dpa

Der Kunststoffhersteller Ticona wird von Kelsterbach in den Industriepark Höchst umziehen. Dies hat die Ticona-Mutter Celanese bekannt gegeben. In der Produktion sollen 100 Arbeitsplätze wegfallen. Betriebsbedingte Kündigungen seien aber nicht geplant.

          Das in der Einflugschneise des Frankfurter Flughafens gelegegene Chemiewerk Ticona wird von Kelsterbach in den Industriepark Höchst umziehen. Dies hat die Ticona-Mutter Celanese Corporation bekannt gegeben. Ticona-Geschäftsführer Joachim Gersdorf sagte, bei der Verlagerung würden rund 100 der 380 Arbeitsplätze in der Produktion wegfallen. Betreibsbedingte Kündigungen seien aber nicht geplant.

          Die Produktion in Höchst solle 2011 aufgenommen werden. Dafür will der Hersteller von Spzialkunststoffen eine Produktionskapzaität von 170.000 Tonnen jährlich beantragen. Am jetzigen Standort Kelsterbach werden 110.000 Tonnen produziert. Zu den Kosten des Umzugs machte Gersdorf keine Angaben. Er verwies darauf, dass die Planungen noch liefen. Gersdorf betonte, Höchst biete alle notwendigen Voraussetzungen, um den Unternehmenserfolg der Ticona für die nächsten 40 Jahre in Deutschland und weltweit zu sichern.

          Wunschstandort der Ticona-Mitarbeiter

          Mit dem Industriepark Höchst hat die Celanese-Chefetage den Standort gewählt, für den sich die Ticona-Belegschaft nachdrücklich ausgesprochen hatte („Gefahr des Totalverlusts eines Werks“). Außer Höchst stand zuletzt noch der Industriepark Kalle-Albert in Wiesbaden zur Wahl. Beide Industrieparks gehörten früher zur Hoechst AG. „Der Standort Höchst hat sich letztlich gegen Wiesbaden durchsetzen können. Alle für uns wesentlichen Kriterien, wie Sicherheit, Mitarbeiter, Verlagerungsrisiko, Rohstoff- und Energieversorgung, Kosten, Infrastruktur und ungestörte Lieferfähigkeit sind voll und ganz erfüllt und lassen für eine unternehmerisch motivierte Entscheidung keine Frage offen“, sagte Gersdorf.

          Südlich des Mains: Auf das grün hervorgehobene Areal soll Ticona ziehen

          Der Flughafenbetreiber Fraport zahlt für die Verlagerung von Ticona 670 Millionen Euro. Dass das Werk im Rhein-Main-Gebiet gebaut wird, stand schon seit März fest. Ende vergangenen Jahres hatte der damalige Celanese-Vorstandschef Andreas Pohlmann gesagt, die Unternehmenszentrale der Ticona einschließlich des Marketings werde mit etwa 350 Mitarbeitern im Rhein-Main-Gebiet verbleiben. Ob diese mit nach Höchst, oder in die Umgebung umziehen wird, ist noch offen. Insgesamt arbeiten gut 800 Frauen und Männer bei Ticona.

          Fraport zahlt 670 Millionen Euro

          Im November 2006 hatten sich Celanese, Ticona und die Betreiberin des Frankfurter Flughafens, Fraport, geeinigt, das Chemiewerk Ticona Kelsterbach bis Mitte 2011 zu verlagern, um dem beantragten Flughafenausbau Platz zu machen. Fraport zahlt hierfür eine Entschädigung in Höhe von insgesamt 670 Millionen Euro. Das Kunststoffwerk galt bis dahin als wesentliche Hürde vor dem Bau der geplanten Landebahn.

          In den vergangenen Monaten hatte das auf die Fertigung von hochleistungsfähigen Kunststoffen spezialisierte Unternehmen in einer umfangreichen Untersuchung die innerhalb Deutschlands für eine Ansiedlung der Produktionsbetriebe in Frage kommenden Standorte geprüft und hinsichtlich des Ticona Anforderungsprofils bewertet. Als Zwischenentscheidung gab das Unternehmen im März bekannt, dass der Industriepark Höchst und das Kalle-Albert-Gelände in Wiesbaden den Standort-Wettbewerb für sich entscheiden konnten, weshalb der Standort der Ticona auf jeden Fall im Rhein-Main-Gebiet bleibe.

          Gewerkschaft mit Entscheidung zufrieden

          Zufrieden mit der Standort-Entscheidung ist auch die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE). „Höchst ist für alle die beste Lösung“,sagte IG-BCE-Bezirksleiterin Getraud Lauber in einer Mitteilung. Die Entscheidung für einen Standort außerhalb des Rhein-Main-Gebiets hätte für viele der etwa 800 Mitarbeiter einen Verlust ihres Arbeitsplatzes bedeutet. Der Umzug sei ein wichtiges Signal, dass Höchst für die Chemie ein attraktiver Standort bleibe. Die IG BCE hoffe aber, dass dort mehr Beschäftigung geschaffen werde.

          Was bei Ticona hergestellt wird, nutzen viele Menschen, auch wenn sie es nicht wissen. Aus dem Kunststoff namens Hostaform, der das Werk als Granulat verlässt, werden allerlei Teile geformt, die auch in Dingen des Alltags Verwendung finden, zum Beispiel das abgebildete Feinsieb für Geschirrspüler oder auch Bauteile für Airbags oder Handys, wie es bei Celanese heißt. Ein Laie würde wohl von „Plastikteilen“ sprechen. Angesichts der komplizierten Herstellung empfindet man das bei Ticona aber ein wenig als Beleidigung.

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