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Chemie : Übelriechende Dampfwolke über Industriepark Höchst - keine Verletzten

Ein Arbeiter steht vor der LII Europe-Anlage, aus der Wärmeträgeröl ausgelaufen ist. Bild: dpa/dpaweb

Zwei Jahre lang hatten sich Anlieger des Industrieparks Höchst nicht wegen der Folgen eines Chemieunfalls sorgen müssen. Doch am Mittwoch ist die Serie gerissen. Öl trat aus, bildete eine Dampfwolke. Verletzt wurde aber niemand.

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          Knapp zwei Jahre lang hatten sich Anlieger des Industrieparks Höchst nicht wegen möglicher Folgen eines Chemieunfalls sorgen müssen. Zuletzt hatte sich im August 2002 ein Vorfall ereignet, bei dem eine Gefährdung der Außenwelt zu befürchten war. Doch in der Nacht zum Mittwoch ist die Serie der Monate ohne erhebliche Betriebsstörungen mit Außenwirkung gerissen. Gegen 2 Uhr trat aus einem Leck in einer Anlage des Unternehmens LII Europe aus einem Wärmetausch-System Öl aus und verdampfte an dem mehrere hundert Grad heißen Behälter. Infolgedessen bildete sich eine Dampfwolke, die über dem Betriebsgelände schwebte und auch in Sindlingen für Geruchsbelästigungen sorgte. Verletzt wurde dabei aber niemand, wie das Unternehmen und die Polizei mitteilten.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Erst gegen 6.30 Uhr konnte das Auslaufen des sogenannten Wärmeträgeröls, mit dem Produktionsanlagen gekühlt werden, gestoppt werden. Zuvor war dies nach Angaben eines LII-Sprechers wegen der hohen Temperatur des Behälters nicht möglich. Gleichwohl wurde die Bevölkerung im Frankfurter Westen nicht über Sirenen gewarnt. Zwar könne das Öl bei direktem Kontakt die Augen, Haut und Lunge reizen. Die Dampfwolke habe sich aber nicht weiter vom Industriepark entfernt. Somit habe auch keine Gefahr für die umliegenden Stadtteile bestanden. Die Feuerwehr bestätigte diese Angaben. Deshalb sei darauf verzichtet worden, sagte ein Sprecher des Industriepark-Betreibers Infraserv.

          Anlieger über Rundfunk und Internetseite informiert

          Allerdings wurden die Menschen über den Rundfunk und die von Infraserv betriebene Internetseite www.ihr-nachbar.de auf dem laufenden gehalten; LII veröffentliche dort kurz hintereinander vier Meldungen zu dem Störfall. Die Werkfeuerwehr von Infraserv bekämpfte die Dampfwolke mit Wasser und konnte sie auflösen.

          Der bisher letzte Chemieunfall im Industriepark Höchst hatte sich im August 2002 bei der Firma Grillo ereignet. Seinerzeit entwickelte sich eine Rauchwolke, nachdem ein Arbeiter einen Behälter geöffnet hatte, der wider Erwarten noch rauchende Schwefelsäure enthielt. Der Mann wurde dabei verletzt. Bei der selben Firma war 14 Monate zuvor ebenfalls eine Säure ausgetreten; eine dunkelgraue Wolke zog bis zum Schwanheimer Wald.

          Zwei Säure-Unfälle bei LII Europe

          LII Europe hatte in den vergangenen Jahren zwei größere Vorfälle zu beklagen: Im Mai 1998 wurden bei einem Austritt von Säure im Zuge von Wartungsarbeiten drei Menschen verletzt. Ein Riß in einem Rohrstück einer Reinigungsanlage war im Dezember 2001 die Ursache eines weiteren Unfalls. Wiederum gelange Säure nach außen. Die sich dadurch entwickelnde Wolke wurde ebenfalls mit einem Wasserschleier eingedämmt.

          Ungleich folgenreicher war indes ein Unfall im Februar 1993 gewesen. Damals war ein krebserregender Stoff im Werk Griesheim der ehemaligen Hoechst AG freigesetzt worden. Zehn Tonnen des Chemiekaliengemischs gingen als gelber Niederschlag auf Schwanheim und Goldstein nieder. Danach mußte ein 1200 Meter langes und 300 Meter breites Gelände südlich des Mains über Monate saniert werden.

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