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Chemie & Energie : Höchster „Herz der Brennstoffzelle“ für Laptops und Wohnanlagen

  • Aktualisiert am

Noch 15 Jahre patentgeschützt: Membran von Pemeas Bild: Bergmann

Horst-Tore Land hat derzeit ein angenehmes Problem. Bei der von ihm geführten Pemeas Fuel Cell Technologies GmbH gehen mehr Bestellungen ein, als das Unternehmen bedienen kann.

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          Horst-Tore Land hat derzeit ein angenehmes Problem. Bei der von ihm geführten Pemeas Fuel Cell Technologies GmbH gehen mehr Bestellungen ein, als das Unternehmen bedienen kann. Die im Industriepark Frankfurt-Höchst ansässige Firma tummelt sich in einer Branche, an der angesichts hoher Energiepreise viele Hoffnungen hängen: der Brennstoffzellen-Technik. In solchen Kraftwerken werden Energie und Wärme umweltfreundlich mit Wasserstoff und Luft erzeugt statt mit Öl oder Kohle. Die Pemeas entwickelt und produziert Herzstücke von Brennstoffzellen, mit denen später einmal Computer oder auch ganze Wohnblöcke versorgt werden sollen. Der Haken: „Die Technik ist noch zu teuer und nicht zuverlässig genug, um zum Massenprodukt zu werden“, sagt Land.

          Die Schwachstelle ist nach seinen Worten die Membran, an der sich eine elektrochemische Reaktion abspielt, bei der Energie erzeugt wird. Als Membran dient bei herkömmlichen Brennstoffzellen eine Kunststoff-Folie, die ständig befeuchtet werden muß, um leitfähig zu bleiben. Sie ist empfindlich gegenüber Hitze und Verunreinigungen im Wasserstoffgas. Die Folge: Die Brennstoffzellen sind fehleranfällig. „Hier setzen wir an“, sagt der Pemeas-Geschäftsführer.

          Kostengünstiger und belastbarer als Konkurrenzprodukte

          Die 2004 vom Chemiekonzern Celanese und anderen Investoren gegründete Firma bietet Membranen an, die bei 80 bis 200 Grad betrieben werden können. Sie brauchen anders als übliche Membranen kein Wasser, sondern arbeiten mit Phosphorsäure. Die höhere Betriebstemperatur gestattet es, die Brennstoffzelle vergleichsweise klein zu bauen. Denn die bei Konkurrenzprodukten notwendige Aufbereitungseinheit zur Säuberung des Wasserstoffs kann entfallen. Zudem wird die Kühlung vereinfacht. Auch müsse das Pemeas-Produkt nicht wie andere Membranen ständig befeuchtet werden, heißt es. Der Deutsche Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verband bestätigt dies. Nicht zuletzt nimmt das Höchster Unternehmen für sich in Anspruch, kostengünstiger zu sein als die Konkurrenz.

          Zwar strebten Mitbewerber wie die börsennotierten amerikanischen Chemiekonzerne DuPont und 3M ebenfalls nach verbesserten Membranen, sagt Land, doch arbeiteten sie mit Materialien aus den fünfziger Jahren. Er spricht deshalb selbstbewußt von einer „weltweit einzigartigen Technologieposition“ seiner Firma. Das Gute daran: Die Pemeas genießt für die nächsten 16 Jahre einen Patentschutz. Das bedeutet: Kein anderes Unternehmen wird in dieser Zeit solch ein Produkt herstellen können.

          Die noch zu Zeiten der Hoechst AG angestoßene Entwicklung ist unter anderem mit dem Innovationspreis der Deutschen Wirtschaft 2004 gewürdigt worden. Land interpretiert die Ehrung als Ausweis, „daß unser Beitrag zu Wachstum und Erfolg der Brennstoffzellen-Technologie breite Anerkennung findet“. Doch die unter dem Namen Celtec vertriebenen Membranen kommen nicht nur bei Juroren gut an, sondern auch am Markt. Während die Firma noch bis ins vergangene Jahr hinein Einzelaufträge für etwa 80.000 Dollar bekam, erwartet Land in diesem Jahr schon Bestellungen von verschiedenen Kunden mit einem Volumen von einer halben Million Dollar. „Bei solchen Größenordnungen betreiben die Kunden keine Forschung und Entwicklung mehr, sondern Vorproduktion oder den Einstieg in eine erste Serie.“

          Die Brennstoffzelle im Laptop

          Das zieht zwei Fragen nach sich: Wie kann die Nachfrage künftig befriedigt werden? Und: Inwieweit und zu welchem Zeitpunkt müssen die Produktionsmöglichkeiten ausgebaut werden? Gerade letzteres ist für ein junges Unternehmen ein kritischer Punkt. Denn Investitionen verschlingen erhebliche Summen. Im vergangenen Jahr haben internationale Wagniskapitalgeber rund 20 Millionen Euro in die Firma gesteckt. In zwei bis fünf Jahren soll sich aber der Barmittelfluß so gestalten, daß unter dem Strich mehr Geld eingenommen als ausgegeben wird.

          Eine Prognose erachtet Land als schwierig, denn er sieht einige Unwägbarkeiten. Zum einen ist die Pemeas ein Lieferant von Komponenten. Nur wenn Hersteller von Brennstoffzellen selbst mehr Nachfrage sehen, wird auch bei dem Höchster Unternehmen der Auftragseingang weiter steigen. Zum zweiten könnte der Teufel im Detail liegen. Die Kleinstbrennstoffzellen etwa für Laptops, die die Pemeas im Auge hat, werden mit Methanol betrieben. „Daraus folgt unter anderem die Frage, welche Mengen dieses Alkohols in ein Flugzeug mitgenommen werden dürfen. Und wird man mit einem solchen Laptop im Flugzeug arbeiten dürfen? Das muß rechtlich geklärt werden.“

          Derweil fühlt sich die Firma im Industriepark Höchst, in dem sie entstanden ist, gut aufgehoben. Dieser Standort sei eine „sehr gute Ausgangsbasis für die Projektentwicklung“. Allerdings sorgen die Arbeitskosten hierzulande ebensowenig für Freude wie die Wechselkursentwicklung. „Produktivitätsfortschritten sind Grenzen gesetzt“, hebt Land hervor. „Deshalb müßten wir sehr genau prüfen, wo wir bauen werden, falls einmal eine große Produktionsanlage vonnöten sein sollte.“

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