https://www.faz.net/-gzg-ygb8

Chemetall : Der unbekannte Weltmarktführer aus Frankfurt

Chemetall gewinnt Lithium in den chilenischen Anden, wo salzhaltiges Wasser in Becken geleitet wird, wo es verdunstet - zurück bleiben Salzkristalle Bild: Chemetall

Das Frankfurter Unternehmen Chemetall liefert Lithium für Batterien und Ceran-Kochplatten. Und bei einem Produkt für Airbags schreibt sich Chemetall eine Spitzenstellung zu.

          2 Min.

          Ob Curt Adolph Netto sich hat vorstellen können, wie groß sein Kind einmal werden wird? Dass es gar zum Weltmarktführer aufsteigt würde? Diese Fragen bleiben unbeantwortet, denn der Bergbau- und Metallspezialist Netto starb schon vor 101 Jahren in Frankfurt. Klar ist aber: Sein Kind, das Unternehmen Chemetall mit Sitz in Frankfurt-Hausen, ist weltweit führend, wenn es um Lithium geht. Dieser Stoff beflügelt geradezu die Phantasie jener, die auf den massenhaften Einsatz von Elektrofahrzeugen setzen. Schon jetzt kommt kaum eine moderne Küche ohne Lithium aus. Und bei einem Produkt für Airbags schreibt sich Chemetall eine Spitzenstellung zu.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Trotz dieser hervorgehobenen Rolle im Weltwirtschaftsleben ist die Chemetall GmbH fast nur Branchenkennern ein Begriff. „Wir sind ein Konzern, der seine Kernkompetenz und seine Nischen hat, den aber kaum einer kennt“, sagt Geschäftsführer Matthias Störmer. Dabei war das Unternehmen einst Teil der von Wilhelm Merton gegründeten Frankfurter Metallgesellschaft. Und Netto kam 1889 an die Spitze der seinerzeit frisch ins Leben gerufenen Technischen Abteilung der Metallgesellschaft, die als Wurzel der Chemetall gilt. Später leitete Netto die Metallurgische Gesellschaft, kurz Lurgi genannt. Dieser Anlagenbauer gehört heute zum Konzern Air Liquide und sitzt ebenfalls in Frankfurt.

          3000 Mitarbeiter weltweit

          Lurgi brachte im Weltkriegsjahr 1914 ein Bahnmetall hervor, das wenige Jahre später durch die Beigabe von Lithium weiterentwickelt wurde. „Lithium ist ein weiches Metall, dadurch liefen die Räder leichter“, erläutert Störmer. Die dafür benötigten Lithiumsalze stellte das Unternehmen damals in der Hans-Heinrich-Hütte in Langelsheim im Harz her, die heute zu Chemetall gehört und nach der rund 350 Mitarbeiter zählenden Zentrale der zweite deutsche Standort ist; etwa 2000 der insgesamt 3000 Mitarbeiter sind im Ausland tätig.

          Für Airbags liefert Chemetall aus Frankfurt den Stoff Zirconium

          Mit den Jahrzehnten sind die Einsatzmöglichkeiten von Lithium vielfältiger geworden. Das Metall gilt beispielsweise als unentbehrlich für moderne Batterien und elektrisch betriebene Fahrzeuge. „Das ist nicht nur aus unserer Sicht ein Wachstumsmarkt“, hebt Störmer hervor. Auch für Akkus von Mobiltelefonen wird Lithium benötigt. Und Lithiumcarbonat fließt in die Produktion von Ceran-Kochfeldern ein. „Es verhindert, dass dieses Glasprodukt bei Hitze zerspringt.“ Deshalb ist der Ceran-Hersteller Schott in Mainz ein guter Kunde von Chemetall. Nicht zuletzt macht Lithium das in Flugzeugen verbaute Aluminium besonders biegsam.

          Jahresumsatz von 850 Millionen Euro

          Das Lithium gewinnt Chemetall in den chilenischen Anden. Dort wird salziges Wasser in Becken gepumpt, wo es verdunstet. Zurück bleiben Kristalle, die Chemetall veredelt - die Forschung und Entwicklung in Hausen ist dafür zuständig. Gemessen am Umsatz, ist Chemetall bei Lithium Weltmarktführer. Der Konkurrent SQM aus Chile bringt zwar mehr Lithium hervor, erzielt aber laut Störmer nicht so große Erlöse. Chemetall setzte zuletzt 850 Millionen Euro im Jahr um, die Gewinnspanne vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen betrug 24 Prozent. Die Erträge fließen an den amerikanischen Rockwood-Konzern, dem Chemetall seit 2004 gehört.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Andreas Scheuer am Mittwoch in Berlin

          Verkehrsminister Scheuer : Im Porsche durch die Politik

          Verkehrsminister Andreas Scheuer hat einen Vorteil, der ihm beim Streit über die Pkw-Maut zum Nachteil gereichen könnte: eine gewisse Lockerheit.
          Christian Lindner hat bei der Grundrente bewiesen: Die FDP lebt. Hier spricht er bei einer Veranstaltung im Dezember 2017.

          Einigung auf Grundsteuer : Die FDP lebt

          Die FDP hat ihre Vetomacht im Bundesrat klug genutzt. Die neue Grundsteuer ist ungewohnt freiheitlich für Deutschland. Ein großes Manko des Steuer-Monstrums bleibt dennoch.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.