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Chef der Hessen-Agentur : Mit langem Anlauf zum Traumjob

Folke Mühlhölzer im Gespräche in seinem Büro der Hessen-Agentur. Bild: Samira Schulz

Folke Mühlhölzer hat die staatliche Hessen-Agentur wieder auf Kurs gebracht. Nun will der oberste Wirtschaftsförderer des Landes die Betriebe im Land durch die Corona-Krise bringen.

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          Die Motorradjacke liegt gut sichtbar in der Ecke. Folke Mühlhölzer kann die fast kindliche Freude über sein jüngstes Projekt nicht verbergen und will es auch nicht. „Ich war der älteste Fahrschüler“, sagt der Geschäftsführer der Hessen-Agentur. Vergangenes Jahr ist der oberste Wirtschaftsförderer des Landes sechzig Jahre alt geworden, und zu diesem Jubiläum hat er sich selbst mit dem Motorrad-Führerschein beschenkt. Damit, sagt er strahlend, habe er sich einen langgehegten Traum eines Hobbys erfüllt, das ihm zuerst seine Mutter und später seine Ehefrau verboten hatten. Nun hat er seine Frau am Geburtstag mit dem Führerschein und dem Motorrad überrascht, einer 500er Honda. „Der Chopper stand dann plötzlich vor der Tür.“

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Mühlhölzer braucht Veränderung, „am besten alle paar Jahre“. Dafür stehen nicht nur verschiedene Hobbys, sein Verlangen, die Welt zu sehen, sondern auch sein Lebenslauf, der alles andere als gradlinig zu nennen ist. Denn dass er eines Tages einmal für die Positionierung des Standorts Hessen in nationalen und internationalen Märkten verantwortlich sein würde, das zeichnete sich zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn vor gut drei Jahrzehnten wahrlich nicht ab.

          Erst Richter, dann rechte Hand

          Als Jurist war er zunächst knapp zwölf Jahre lang als Anwalt tätig. Im Jahr 2000 verkaufte er seine Kanzlei, „noch mal 20 Jahre wollte ich das nicht machen“, sagte er sich – und wurde Richter am Amtsgericht Langen. Berufsanfänger mit 40 Jahren, das war für Mühlhölzer genau das Richtige. Er wurde Sprecher des Amtsgerichts und versah fortan Verhandlungen nicht mit kryptischen, sondern mit spannenden inhaltlichen Überschriften, so dass ihnen plötzlich deutlich mehr Aufmerksamkeit zuteil wurde.

          Die bekam auch Mühlhölzer, unter anderem vom damaligen Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Jochen Riebel, der ihn zuerst zum Referenten, dann zum Büroleiter machte. Vom Richter zum Verwaltungsangestellten, „meine Freunde haben mich für verrückt erklärt“, sagt Mühlhölzer.

          Für ihn war es ein logischer Schritt in eine neue Welt. Nach zwei weiteren Jahren in der Rechtsabteilung des Kultusministeriums wurde er als Büroleiter des damaligen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch der Nachfolger des in diesem Jahr gestorbenen späteren hessischen Finanzministers Thomas Schäfer. Schließlich stieg er zum Chef der Rechtsabteilung in der Staatskanzlei auf. Ein fast wilder Ritt durch zahlreiche Ämter, der ihm reichhaltige Erfahrungen einbrachte für das, was er seit 2013 tut.

          Denn damals brauchte die landeseigene, frisch umstrukturierte Wirtschaftsförderungsgesellschaft dringend eine neue Führung. Zuvor war das Unternehmen nämlich seit seiner Gründung durch Roland Koch 2005 eher negativ aufgefallen: mal durch seltsame Marketingideen wie Hessen-Rose, Hessen-Pralinen und Hessen-Duft, mal, weil die Geschäftsführung in negative Schlagzeilen geriet.

          Mit Mühlhölzer als Vorsitzendem der neuen Spitze und seinem Pendant Rainer Waldschmidt kam in der Wiesbadener Wirtschaftsförderung die Wende. „Seitdem sind wir nicht mehr negativ im Gerede“, sagt Mühlhölzer gelassen – wohlwissend, dass sein Aufsichtsrat hinter ihm steht. Mit Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) verbindet ihn ein Vertrauensverhältnis, Mühlhölzer ist persönlicher Berater Bouffiers bei allen Fragen rund um den für Hessen wichtigen Finanzplatz Frankfurt. Auch zum Vorsitzenden seines Aufsichtsrates, Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir, hat Mühlhölzer nach eigenem Bekunden ein gutes Verhältnis. Und das, obwohl Mühlhölzer ein Parteibuch der CDU besitzt, Al-Wazir aber zu den Grünen gehört.

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