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Cerberus lehnt Bieter ab : Übernahmefrist für Woolworth verlängert

Gnadenfrist bis Ende Mai verlängert: Woolworth Bild: Rainer Wohlfahrt

Das Ringen um die Zukunft der Frankfurter Handelskette Woolworth spitzt sich zu. Hauptvermieter Cerberus hat alle Bieter, die Übernahmeverträge unterzeichnet haben, abgelehnt. In letzter Minute ist die hinter Kik stehende HH-Holding als Investor aufgetreten.

          Unmittelbar vor Ablauf der bisher geltenden Übernahmefrist für die Frankfurter Billigkaufkaus-Kette Woolworth spitzt sich das Ringen um eine Lösung zu. Der amerikanische Finanzinvestor Cerberus lehnt als Hauptvermieter alle Interessenten ab, die nach dem Bieterverfahren Kaufverträge mit Insolvenzverwalter Ottmar Hermann Kaufverträge unterschrieben haben. Gleichzeitig soll nun die HH-Holding GmbH aus Bönen bei Dortmund den Hut in den Ring geworfen haben - mit dem Wohlwollen von Cerberus, wie es heißt.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die HH-Holding soll hinter dem Textil-Discounter Kik stehen, der zur Tengelmann-Gruppe gehört. Auf Anfrage hielt sich HH aber bedeckt: Sie könne „aufgrund der Vertraulichkeitsvereinbarung keine Auskunft“ geben, sagte eine Sprecherin. Gleichwohl soll angesichts der neuen Lage bis Ende Mai weder einem der 4500 Mitarbeiter von Woolworth, die derzeit bis 30. Juni befristet angestellt sind, noch einem Vermieter gekündigt werden, wie ein Sprecher Hermanns sagte.

          Kik: Wollen Woolworth nicht übernehmen

          Eine Sprecherin von der ebenfalls in Bönen ansässigen Kik Textilien und Non-Food GmbH hatte zuvor ausdrücklich verneint, dass das Unternehmen, das zuvor schon Filialen der insolventen DWW Woolworth Deutschland GmbH & Co. KG übernommen hatte, auch die Deutsche Woolworth GmbH kaufen wolle. Sie dementierte damit entsprechende Aussagen mehrerer Personen, die mit den Übernahmeverhandlungen vertraut sind.

          Angesichts der Absage an die bisherigen Bieter verschärft sich der Zeitdruck auf Insolvenzverwalter Hermann. Es muss nicht nur die Ware für die Herbst- und Wintersaison bestellt werden. Zudem wollen die anderen Vermieter, denen 80 der 162 Woolworth-Läden gehören, wissen, wie es weitergeht.

          Hermann prüft angesichts dessen nun „alle Optionen, um die drohende Zerschlagung abzuwenden“. Wie es in einer Erklärung weiter hieß, hat er es abgelehnt, ein ihm in der Nacht zu Donnerstag vorgelegtes Angebot zu unterschreiben. „Ohne eine genaue Prüfung aller Optionen und der sich ergebenden Konsequenzen für die Arbeitnehmer ist das völlig ausgeschlossen“, so der Insolvenzverwalter. Wie sein Sprecher ergänzte, wird er den Gläubigern seine Meinung über das Angebot darlegen. Die Gläubiger müssten dann entscheiden, ob es für sie annehmbar ist oder die Liquidation von Woolworth eingeleitet werden muss.

          Verdi: Stellen in Frankfurter Zentrale in Gefahr

          Verdi-Sekretär Johann Rösch sprach von einer „ziemlichen Sauerei“. Er gehe davon aus, dass Cerberus keinen anderen Bieter als HH/Kik akzeptieren werde und es die Bönener nur auf die Standorte von Woolworth abgesehen hätten. Dadurch stünden das „Familien-Discounter“-Konzept von Woolworth und die 4500 Stellen, nicht zuletzt die 200 in der Zentrale, in Frage. Der neue Bieter wolle weniger zahlen als jeder der anderen Investoren und weniger Stellen sichern, hieß es weiter.

          Cerberus-Manager Timothy Price machte sich unterdessen für das HH-Konsortium aus Tengelmann, Kik und Tedi stark. Mit seiner langen Erfahrung im Einzelhandel sei es der einzige Bieter, der die Fehler der Vergangenheit vermeiden und das Unternehmen Woolworth erhalten könne. Der Bieter plane sogar zusätzliche Geschäfte in Deutschland und die Einstellung zusätzlicher
          Beschäftigter, meldete die dpa.

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