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Celanese kauft Betrieb zurück : Heimkehr in Höchst nach 15 Jahren

Glattgezogen: Handwerker benutzen zum Verputzen solche Bauchemikalien, wie sie Celanese im Industriepark Höchst herstellt Bild: Cornelia Sick

Der Chemiekonzern Celanese kauft einen im Jahr 2005 veräußerten Frankfurter Betrieb für Bauchemikalien zurück. Zur Freude der Mitarbeiter.

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          Manchmal dauert eine Heimkehr etwas länger. So wie in diesem Fall: Anderthalb Jahrzehnte werden ins Land gegangen sein, bis zwei Dutzend Leute wieder arbeiten werden, wo sie ehedem angestellt gewesen waren. Und zwar als Teil der Belegschaft des Chemieunternehmens Celanese im Industriepark Höchst im Frankfurter Westen.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Beschäftigten gehören zu einem Betrieb, der eine bestimmte Form von Bauchemikalien herstellt. Es handelt sich um Dispersionspulver auf der Grundlage von Polymeren, das sind letztlich Kunststoffe. Das im Höchster Betrieb hergestellte Produkt nennt sich Elotex und wird Estrich- und Mörtelmischungen beigefügt, so mancher Handwerker dürfte es aus dem Arbeitsalltag kennen. Im Jahr 2005 verkaufte Celanese dieses Geschäft an ein Unternehmen namens National Starch. Nur drei Jahre darauf übernahm der Henkel-Konzern einige Geschäfte von National Starch, der Elotex-Betrieb ging bei dieser Gelegenheit allerdings an einen anderen nächsten Besitzer, an Akzo Nobel, einen Chemiekonzern aus den Niederlanden. Dessen Spezialchemie-Sparte wiederum ist vor anderthalb Jahren im Unternehmen Nouryon aufgegangen. Und von dieser Firma kauft Celanese nun den Höchster Betrieb zurück.

          Profiteur des Bau-Booms

          Außer den 24 Beschäftigten dieser Einheit umfasst die Akquisition zudem Standorte in anderen Ländern. Insgesamt übernimmt Celanese auch 178 Beschäftigte. Nun scheinen die 24 Mitarbeiter in der Produktion in Höchst gemessen an der Zahl nicht weiter der Rede wert. Zumal Celanese am Standort alles in allem rund 1000 Beschäftigte zählt.

          Teil von Celanese: Großbetrieb für technische Kunststoffe im Industriepark Höchst, ehedem als Ticona bekannt

          Allerdings ist zweierlei zu bedenken: Der Elotex-Betrieb fügt sich ein in ein wachsendes Geschäft. Denn mit dem Bauboom in Deutschland und anderen Ländern hat auch der Absatz von Chemikalien etwa für Verputze stark Fahrt aufgenommen. Celanese verfügt im Industriepark schon über ein gut laufendes Geschäft mit Dispersionen in flüssiger Form, wie ein Firmensprecher erläutert. Wie der Zufall es so will, liegen die Gebäude beider Betriebe fast nebeneinander.

          Freude allenthalben

          Wobei es mit dem Zufall so eine Sache ist. In Höchst ist wenig zufällig, wenn es um den Industriepark geht. Der nun von Celanese zurückgekaufte Betrieb geht auf die Hoechst AG zurück und gehörte nach deren Aufspaltung bis 2002 zu Clariant. Auch dieses Unternehmen unterhält im Frankfurter Westen einen großen Standort, ein Forschungszentrum inklusive. Für Celanese ist der Industriepark sogar nach wie vor das größte Werk auf der Welt überhaupt. Von dort kommen unter anderem technische Kunststoffe für Autobauer und Medizintechnikfirmen, die die früher Ticona genannte Geschäftseinheit herstellt, sowie ein Basissüßstoff namens Acesulfam-K.

          Diese Vorrede erklärt, weshalb die Heimkehr der zwei Dutzend Mitarbeiter auch von hohem symbolischem Wert ist im Industriepark. Letztlich seien mit dem Geschäft alle zufrieden. Celanese sowieso, sonst würde die Firma die Finger von dem Betrieb lassen. Auch der Betriebsrat sei zufrieden. Gegenteiliges ist aus dem Werk Höchst auch nicht zu vernehmen: Celanese-Betriebsratsvorsitzender Wolfgang Röpke sagt ebenfalls, die Übernahme passe sehr gut ins Geschäft. Die Belegschaft freue sich auf die alten, neuen Kollegen.

          Alle können ihre Vorfreude noch kultivieren. Celanese erwartet den Abschluss des Zukaufs für April. Zuvor müssen die Kartellbehörden das Geschäft noch genehmigen.

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