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Chemie : Celanese-Betriebsrat fordert weitere Stellengarantien

Auch Forschung und Entwicklung von Ticona sollten nach Höchst umziehen, fordert Betriebsratschef Weidner Bild: Wolfgang Eilmes

Der Chemiekonzern Celanese will bis Ende 2008 nach Angaben des Betriebsrats die 70 Stellen umfassende Finanzabteilung vom Ticona-Gelände in Kelsterbach nach Ungarn auslagern. Die Arbeitnehmervertretern fordern nun Stellenzusagen für die Mitarbeiter.

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          Die lange erhoffte Nachricht hat Axel Weidner im Urlaub erreicht. Der Betriebsratsvorsitzende des Kunststoffherstellers Ticona montierte am Freitag an seinem Ferienort im Allgäu gerade die Fahrräder aufs Auto, als er erfuhr: Das neue Werk der Tochtergesellschaft des Chemiekonzerns Celanese wird im Industriepark Höchst gebaut. Genau dies hatten die Beschäftigten der in Kelsterbach ansässigen Ticona mit Weidner an der Spitze gefordert. Doch sorgenfrei ist Weidner, der auch stellvertretender Chef des Gesamtbetriebsrats von Celanese Deutschland ist, deshalb nicht. Denn nun wird er sich mit anderen Arbeitnehmervertretern für Stellenzusagen für jene Mitarbeiter einsetzen, deren Aufgaben die Celanese aus Kostengründen von Kelsterbach ins Ausland verlagern will.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wie Weidner sagte, geht es um die Arbeitsplätze von etwa 70 Mitarbeitern, die im Finanzwesen von Celanese tätig sind. Diese Beschäftigten arbeiten ebenso wie die anderen rund 230 Angestellten in der Zentrale des Chemiekonzerns am Standort der Ticona in Kelsterbach. Bis Ende 2008 will Celanese die Stellen der Finanzfachleute nach Ungarn verlegen. Der Betriebsrat rechnet nach Worten von Weidner nicht mit einem „Angebot“ an diese Mitarbeiter, zu schlechteren Konditionen nach Budapest zu gehen. „Das bedeutet, dass man für diese Mitarbeiter neue Arbeitsplätze suchen muss.“ Bisher gebe es keine Zusage von Celanese, auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten.

          Suche nach Stellen für Finanzfachleute

          Die Betriebsräte werden für die Stellenzusage kämpfen, wie Weidner sagte. „Ich habe die Erwartung, wir kriegen das hin“, gab er sich zuversichtlich. Allein bei der Celanese sieht er indes keine alternativen Arbeitsplätze in der benötigten Zahl. „Aber im alten Hoechster Verbund sollten sich entsprechende Stellen finden lassen“, wie er in Anspielung auf die frühere Zugehörigkeit verschiedener Chemieunternehmen im Rhein-Main-Gebiet zur Hoechst AG meinte. Zumal Finanzfachleute aus seiner Sicht angesichts der allgemein guten Konjunktur gefragt seien.

          Einer potentiellen Sorge ist Weidner immerhin ledig: Der Abbau von 100 Stellen in der Produktion der Ticona in den nächsten Jahren wird ohne betriebsbedingte Kündigungen erfolgen, wie Geschäftsführer Joachim Gersdorf am Freitag mitgeteilt hat. Die 100 Stellen fallen infolge des Umzugs von Kelsterbach in den Industriepark Höchst weg, weil die Ticona dort anders als in Kelsterbach die benötigte Energie vom Industrieparkbetreiber Infraserv liefern lassen wird und sich außerdem nicht mehr selbst um die Abwasserentsorgung kümmern muss. Der Stellenabbau dürfte sich nach Einschätzung des Betriebsratschefs etwa über Altersteilzeit abfangen lassen.

          „Forschung in Höchst ansiedeln“

          Nachdem der künftige Standort der Produktion geklärt worden ist, will sich die Konzernmutter nun auf die Suche nach dem neuen Domizil für die Zentrale der Ticona einschließlich des Marketings machen, wie eine Sprecherin sagte. Eine Vorgabe, bis zu welchem Zeitpunkt eine Lösung gefunden werden muss, gibt es nach ihren Worten nicht. Der Betriebsrat plädiert derweil dafür, auch Forschung und Entwicklung in Höchst anzusiedeln.

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