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Carsten Spohr : Lufthansas next Topmanager

Neuer Vorstandsvorsitzender der Lufthansa: Carsten Spohr. Bild: dpa

Nun ist endlich der richtige Mann am richtigen Platz, werden viele Lufthanseaten denken. Denn Carsten Spohr hat sich Respekt und Sympathie erarbeitet, als er das Unternehmen durch die Krise steuerte.

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          Nun ist endlich der richtige Mann am richtigen Platz, werden viele Lufthanseaten vielleicht nicht sagen, aber doch denken. Schon als die Diskussion um die Nachfolge von Wolfgang Mayrhuber 2009 in die heiße Phase ging, galt Carsten Spohr als einer, der das Zeug zu einem guten Vorstandsvorsitzenden des Lufthansa-Konzerns hat. Gegen den Wirtschaftsingenieur und Verkehrspiloten sprachen aber zwei Gründe: sein damals für den Job beinahe noch jugendliches Alter, er ist Jahrgang 1966, und die Tatsache, dass Christoph Franz, noch mehr als er selbst, Unterstützung von ganz oben hatte. Franz galt als Wunschkandidat von Jürgen Weber. Gegen die Vorschläge des Vorgängers von Mayrhuber erst als Vorstands- und dann als Aufsichtsratschef fiel damals keine wichtige Entscheidung im Konzern.

          Jochen Remmert
          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Dabei hatte sich Spohr gerade allseits großen Respekt erarbeitet, weil er die Frachttochter entschieden und zugleich achtsam auch im Sinne der Mitarbeiter durch die Wirtschaftskrise mit ihren Nachfrageeinbrüchen steuerte. Mit dem Einmotten von Jets, Kurzarbeit und Teilzeitlösungen für Piloten senkte er die Kosten. Der Vorstand verzichtete auf zehn Prozent seiner Bezüge. „Ein Gebot der Solidarität“, sagte Spohr damals. Die ohnehin guten Sympathiewerte des Managers mit dem smarten Lächeln dürfte diese Geste noch verbessert haben.

          Anders Franz. Im Auftritt reserviert, breitete er exakt zu dem Zeitpunkt Low-Cost-Pläne öffentlich aus, zu dem der damalige Noch-Vorstandsvorsitzende Mayrhuber gerade den Qualitäts- und Premiumanspruch der Lufthansa erneuerte. In der Sache lag Franz nicht falsch, die Lufthansa hat die Billig-Konkurrenz lange unterschätzt und hält heute mit der German Wings dagegen. Aber das Timing war katastrophal. So auch der Umgang mit Mitarbeitern. Etwa die im damaligen Callcenter in Kassel ließ er sinngemäß wissen, dass ihre Jobs wohl keine Überlebenschance hätten, weil sie einfach nicht bereit seien, so weit Verzicht zu üben, dass das Callcenter für die Hälfte der Kosten arbeiten könne. Nicht zuletzt dieser Ton dürfte der Grund sein, weshalb bis heute viele Lufthanseaten jenen „Spirit“ vermissen, der, wie sie sagen, zum Markenkern gehörte.

          Aufs Gröbere versteht sich Spohr, der zuletzt zum Passage-Chef aufgestiegen war, allerdings auch. Ein Nachtflugverbot für Frankfurt hatte er als existenzgefährdend bezeichnet für das Geschäftsmodell der Fracht. Das geplante Frachtzentrum mit einem Investitionsvolumen in dreistelliger Millionenhöhe werde dann nicht entstehen. Gebaut wird nun doch - trotz Nachtflugverbots. Man darf Spohr zutrauen, dass das allenfalls ein Irrtum aus taktischen Gründen war. Aber auch dazu muss der Chef eines weltweit agierenden 100.000-Mitarbeiter-Konzerns gelegentlich in der Lage sein.

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