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Carsharing : Teilen und sparen

Freude am Sparen: Carsharing ist günstiger, als ein Auto allein zu unterhalten Bild: dpa

Ein Auto zu teilen ist günstiger, als ein eigenes zu besitzen. Carsharing-Anbieter rechnen vor: Wer wenig fährt, spart bis zu 120 Euro im Monat.

          Sybille K. spielt mit dem Gedanken. Vor vier Jahren hat sich die Frankfurterin einen Opel Corsa gekauft. Der steht unter der Woche jedoch meistens vor der Tür, denn zur Arbeit fährt die PR-Beraterin mit dem Fahrrad oder mit der S-Bahn – je nach Wetterlage. Ihr Auto braucht sie vor allem am Wochenende, wenn sie Ausflüge aufs Land macht oder ihre Familie in Westfalen besucht. Um die 12.000 Kilometer kommen so im Jahr zusammen. Ein teures Vergnügen.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nach Berechnungen des ADAC belastet schon der billigste Kleinstwagen mit rund 300 Euro monatlich das Budget des Durchschnittsfahrers. In der Kleinwagenklasse (dazu zählt der Corsa) sind es noch rund 60 Euro mehr. Dabei ist das Teuerste am Auto nicht das Fahren, sondern der Besitz. Fixkosten wie Steuer, Versicherung, Prüfplakette, Bewohnerparkausweis, Werkstattbesuch und Wertverlust machen mit einem Anteil von knapp 80 Prozent den größten Kostenblock aus.

          Nichts für Vielfahrer

          Wer ein Auto teilt, fährt günstiger. Die Stadtmobil Rhein-Main GmbH hat nachgerechnet: Bei 500 gefahrenen Kilometern im Monat – das sind 6000 Kilometer im Jahr – spart der Carsharer im Vergleich zum privaten Autonutzer monatlich 120 Euro. 7000 bis 8000 Kilometer im Jahr – das ist nach Angaben des Verkehrsclubs Deutschland die Fahrleistung, bei der sich Carsharing ganz besonders lohnt. Der Bundesverband Carsharing nennt als Richtgröße 5000 bis 15.000 Kilometer im Jahr. Einig sind sich Branchenvertreter: Carsharing ist nichts für Vielfahrer, also auch nicht für Menschen, die täglich mit dem Auto zur Arbeit fahren.

          Zwei Anbieter haben sich in Frankfurt und der Region etabliert und wollen weiter wachsen: Stadtmobil und Book-n-drive. Letzterer kooperiert mit dem Mietwagen-System der Deutschen Bahn, die ebenfalls Carsharing in Frankfurt anbietet. Unter anderem nutzt Book-n-drive den 80 Autos umfassenden Fuhrpark der Bahn. Die hohen Stundensätze, beginnend bei 4,90 Euro, deuten darauf hin, dass das Angebot sich eher an Geschäftskunden richtet, die mit dem Zug anreisen und für die letzte Etappe der Reise ein Auto brauchen.

          Book-n-drive ist in der Region deutlich breiter aufgestellt als die Konkurrenz. Stadtmobil-Kunden finden dagegen auch ein Auto zum Teilen in Berlin, Stuttgart und anderen Städten. Beide Unternehmen haben sowohl Kleinst- und Kleinwagen als auch Kombis und Transporter im Programm, für die unterschiedliche Tarife gelten. Sie können rund um die Uhr gebucht werden. Stadtmobil und Book-n-drive, die bei einem Test der Stiftung Warentest im Jahr 2004 mit der Note „gut“ abschnitten, haben in den vergangenen Jahren bei Fahrzeugen und Kunden zweistellig zugelegt. Der Januar sei ungewöhnlich lebhaft, berichtet Martin Trillig, Referent der Geschäftsführung von Book-n-drive.

          Bei den Kosten auf die Bremse drücken

          Den Zuspruch führt er auch darauf zurück, dass das System Carsharing einfacher geworden sei. Vorbei die Zeiten, als man Kilometer und Fahrzeit noch umständlich in einem Fahrtenbuch festhalten und Schlüsseltresore in dunklen Garagen suchen musste. Fahrtechnik und Abrechnung übernehmen heute Chipkarte und Pin-Code. Außerdem ist die Zahl der Stationen deutlich ausgebaut worden. Frankfurter, die zentral in Bornheim, im Nordend oder Ostend wohnen, steht ein Angebot von knapp 40 Stadtmobil- und Book-n-drive-Autos in fußläufiger Entfernung zur Verfügung. Ideal sind Standorte wie das Parkhaus Mousonturm. Dort hat Stadtmobil sieben Plätze reserviert, auf einem steht sogar ein Peugeot-Cabrio.

          Damit hätte sich vor zehn Jahren, als Carsharing in der Öko-Szene zum guten Ton gehörte, kein Autoteiler auf die Straße getraut. Die Zeiten haben sich geändert. Ökologische Gründe spielten heute nur noch bei etwa zehn Prozent der Kunden eine Rolle, weiß Trillig. Der typische Autoteiler ist Carsharing-Anbietern zufolge 30 bis 40 Jahre alt, durch- bis überdurchschnittlich gebildet, gut verdienend, besitzt eine Jahreskarte für den öffentlichen Personen-Nahverkehr und möchte schlichtweg bei den monatlichen Kosten auf die Bremse drücken.

          Mit Jahres- und Semesterticket fahren Autoteiler bei Book-n-drive günstiger als ohne, ansonsten ist der Anbieter bei Stunden- und Kilometerpreisen etwas teurer als die Konkurrenz. Letztendlich nehmen sich beide Unternehmen jedoch nicht viel. Book-n-drive hat interessante Angebote im Programm, unter anderem „Eine Karte für viele Fahrer“, bei dem vier Personen auf einem Ticket fahren. Das sei bei Studenten-WGs beliebt, heißt es. Bei Stadtmobil liegt der RMV-Tarif etwas höher als der Standard-Tarif (Classic), dafür zahlen Nicht-RMV-Fahrer 400 Euro Kaution. Über Tarife und Konditionen informieren die Carsharing-Anbieter detailliert im Internet, Book-n-drive auch mit Tarifrechner. Ein Beispiel: Der Sonntagsausflug mit einem Peugeot-Cabrio auf den Feldberg kostet den Book-n-drive-Kunden bei acht Stunden Buchungszeit und 70 gefahrenen Kilometern 44,50 Euro. Stadtmobil-Autoteiler zahlen für den gleichen Ausflug 43,60 Euro.

          Autobesitzerin Sybille K. hat sich noch nicht entschieden.

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