https://www.faz.net/-gzg-7wqdp

Rhein-Main : Kräfte von Burger King bangen um ihre Jobs

Heute keine Burger: Die Türen der Filiale an der Mainzer Landstraße in Frankfurt bleiben vorerst geschlossen. Bild: Waldner, Amadeus

Viele Burger King-Restaurants in Rhein-Main sind seit Anfang der Woche geschlossen. Die Mitarbeiter hängen in der Luft. Wie es weitergeht, weiß keiner.

          3 Min.

          Die kleine Frau mit den kurzen grauen Haaren muss immer wieder um Fassung ringen, als sie spricht. Dreizehn Jahre lang hat sie bei Burger King gearbeitet. Als „Lobbykraft“ hat sie in der Filiale an der Mainzer Landstraße in Frankfurt die Tische sauber gehalten, Tabletts abgetragen, Serviettenspender aufgefüllt. Einfache Tätigkeiten, aber natürlich wichtige. Wie es nun weitergeht, weiß sie im Moment nicht. Die Sechzigjährige befürchtet, bald ihren Job zu verlieren. Denn das Burger-Restaurant, in dem sie gearbeitet hat, gehört zur Yi-Ko-Holding.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Und die musste nun erst einmal alle ihre 89 Fast-Food-Restaurants in Deutschland schließen, nachdem Burger King ihr die Lizenzen als Franchisenehmer gekündigt hat. In Frankfurt sind davon die Burger-King-Filialen an der Liebfrauenstraße, der Mainzer und der Hanauer Landstraße sowie im Hessen-Center und an der Borsigallee betroffen. Jeweils zwei weitere Schnellrestaurants hat die Yi-Ko-Holding in Wiesbaden und Mainz betrieben. Ob und wann sie wieder aufmachen, ist ungewiss.

          Rund 3000 Mitarbeiter deutschlandweit betroffen

          Die anderen Burger-King-Restaurants in der Region werden von anderen Franchisenehmern geführt. Doch die wiederkehrenden Skandale um die Hygiene und die Arbeitsbedingungen bei Yi-Ko haben die ganze Marke beschädigt, was der Dachkonzern als Grund für die fristlose Kündigung nennt. Nachdem der Franchisenehmer aus Stade nach der Kündigung in der vergangenen Woche noch weitergemacht hatte, als wäre nichts geschehen, hat er nun eine einstweilige Verfügung von Burger King Europe erhalten. Die verbietet Yi-Ko den Gebrauch der Logos und Uniformen. Whopper und Pommes bekommt der Franchisenehmer, der die Lokale nach dem einheitlichen Konzept der amerikanischen Fast-Food-Kette, aber auf eigene Rechnung führt, von dem Imbisskonzern nicht mehr geliefert. In den von oben bis unten auf das Konzern-Aussehen getrimmten Schnellrestaurants, für die langfristige Pachtverträge gelten, können die Stader nun erst einmal nichts mehr machen.

          Die Mitarbeiter auch nicht, sie hängen nun in der Luft und befürchten, ihre Anstellung bald zu verlieren. Allein in den Frankfurter Filialen dürften nach Schätzungen der Gewerkschaft NGG gut 200 Mitarbeiter betroffen sein. In der Filiale an der Liebfrauenstraße etwa haben demnach 50 Frauen und Männer Burger zubereitet und verkauft. In ganz Deutschland hat Yi-Ko 3000 Beschäftigte. Übergangsweise hat der Rechtsanwalt Dieter Stummel die Geschäftsführung von Yi-Ko übernommen. Er versucht, doch noch eine Einigung mit Burger King Europe zu erlangen. Im besten Fall findet sich ein neuer Investor, der die bestehenden Standorte mit ihren Mitarbeitern übernimmt.

          Beschäftigte sollen sich bei Arbeitsagentur melden

          Vielleicht 60 von ihnen sind Montagvormittag im Burger-King-Restaurant an der Mainzer Landstraße zusammengekommen, um sich auszutauschen und mit der zuständigen Frankfurter NGG-Gewerkschaftsekretärin Filiz Mahner das weitere Vorgehen zu besprechen. Wie die 60 Jahre alte Lobbykraft haben viele von ihnen Angst um ihre Jobs. Viele Ausländer sind unter ihnen, die wenig Deutsch sprechen und die kaum eine Ausbildung vorzuweisen haben. Von der Geschäftsführung der Yi-Ko-Holding hätten sie überhaupt noch keine Informationen erhalten, sagen sie. Die Angst geht um, dass das Unternehmen ihnen kein Gehalt mehr überweisen wird. Bei den ohnehin geringen Löhnen, die in der Branche gezahlt werden, kann das schnell existentielle Folgen haben.

          Deswegen rät die Arbeitsagentur den Mitarbeitern, sich schnellstmöglich bei ihr zu melden, auch wenn ihnen noch nicht gekündigt wurde, damit sie für den Fall der Fälle vorbereitet sind. Einige haben das nach Angaben einer Sprecherin der Frankfurter Arbeitsagentur auch schon getan. Am Mittwoch veranstaltet die Agentur eine Gruppeninformationsrunde für alle, die sich bis dahin gemeldet haben.

          Die Gewerkschafter sind im Moment hin- und hergerissen. Denn eigentlich hat die NGG einen Gutteil dazu beigetragen, dass die Dachgesellschaft sich nun von ihrem größten Franchisenehmer getrennt hat. Seit der Investor 2013 einen großen Teil der deutschen Burger-King-Filialen übernommen hat, hat die Gewerkschaft mit ihren Mitgliedern mehr als 320 arbeitsrechtliche Verfahren gegen Yi-Ko geführt. Allein in den vergangenen Wochen seien acht neue Verstöße gegen das Arbeitsrecht auf ihrem Tisch gelandet, sagte Gewerkschaftssekretärin Mahner. So habe Yi-Ko kranken Mitarbeitern keine Löhne gezahlt und das Urlaubsgeld einbehalten.

          Die NGG kritisiert allerdings, dass sich Burger King Europe so kurzfristig von Yi-Ko getrennt hat und den Mitarbeitern nun die Kündigung drohe. „Jetzt trifft es wieder die, die überhaupt nichts für die Situation können“, sagte Mahner. Bei aller Grabesstimmung, die auf dem Mitarbeitertreffen herrschte, hatte nur einer Galgenhumor. „Die Stimmung ist auf minus 18 Grad, wie in unserem Tiefkühlraum“, sagte er.

          Weitere Themen

          CDU und Grüne in Hessen fast gleichauf

          Umfrage : CDU und Grüne in Hessen fast gleichauf

          Etwas mehr als ein Jahr nach der Unterzeichnung des zweiten schwarz-grünen Koalitionsvertrags in Hessen sieht eine Umfrage die beiden Parteien in der Wählergunst nahezu gleichauf. Die SPD verliert an Boden.

          Licht für die Seele

          Gegen Winterblues : Licht für die Seele

          Im Winter machen sich die wenigen Sonnenstrahlen schnell durch eine Winterdepression bemerkbar. Eine Tageslichtlampe kann Abhilfe schaffen.

          Topmeldungen

          Je mehr Privatpatienten in einem Gebiet, desto mehr Ärzte lassen sich dort nieder. Aber liegt das am Geld oder am sozialen Umfeld?

          Gesundheitswesen : Abschaffung der Privatkassen soll Milliarden sparen

          Der Beitrag für jeden gesetzlich Versicherten könnte um 145 Euro im Jahr sinken, wenn die Privatkassen abgeschafft würden. Das behauptet eine Studie der Bertelsmann Stiftung. Beamte, Ärzte und Wissenschaftler halten die Berechnungen für hanebüchen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.